Mette Frederiksen hat sich bei Maischberger für die Unterstützung in der Grönlandfrage bedankt. Gleichzeitig stellt sie Forderungen.
„Nicht aufgeben“Dänische Premierministerin wird bei Maischberger deutlich

Die dänische Premierministerin Mette Frederiksen forderte bei Maischberger, Europa müsse jetzt das Richtige tun, um die Bevölkerung sowie die Freiheit und die Sicherheit der europäischen Staaten zu schützen. (Bild: WDR/ Oliver Ziebe)
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Die Grönlandfrage beschäftigt weiterhin die Menschen in Europa. Zwar hatte US-Präsident Donald Trump in der vergangenen Woche versprochen, das dänische Verwaltungsgebiet nicht militärisch zu besetzen. Doch mittlerweile ist bekannt: die Halbwertszeit von Trumps Versprechen war nie besonders hoch. Und klar ist: Trump will Grönland besitzen, auch ohne es zu besetzen. Mette Frederiksen ist dänische Premierministerin und war am Dienstagabend zu Gast bei Sandra Maischberger in der ARD. Die Politikerin sprach auf Dänisch und wurde live von einer Dolmetscherin übersetzt.

Die dänische Premierministerin Mette Frederiksen war am Dienstagabend bei Sandra Maischberger zu Gast. (Bild: WDR/ Oliver Ziebe)
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Sie sei dankbar für die deutsche Unterstützung in der Grönlandfrage, sagt Frederiksen, deren Land zwar am Montag die deutsche Handballnationalmannschaft bei der Europameisterschaft besiegt hat, deren Fußballnationalmannschaft sich jedoch noch nicht für die WM in den USA qualifiziert hat. Darum sei es zu früh, jetzt schon über einen möglichen Boykott der WM nachzudenken, so wie es andere Länder bereits tun. Jetzt gehe es erst einmal um die Politik des US-Präsidenten, der für den Bruch der Weltordnung verantwortlich sei, die viele von uns seit ihrer Kindheit kennen. Europa müsse jetzt das Richtige tun, um die Bevölkerung sowie die Freiheit und die Sicherheit der europäischen Staaten zu schützen.
Das bedeute: Europa müsse sich selber verteidigen können, so die dänische Premierministerin, deren Bruder Kriegsveteran ist. „Dänemark hat den USA in Situationen wie Afghanistan beigestanden. Wir haben viele Soldaten verloren. Ich erwarte, dass man respektvoll über unsere Soldaten spricht“, sagt Frederiksen laut der Dolmetscherin. Trump hatte zuvor den Einsatz europäischer Soldaten im Afghanistankrieg kritisiert und behauptet, diese hätten dabei eher am Rande der Front gestanden.
Gesprochen habe Frederiksen mit Donald Trump seit dem Weltwirtschaftsgipfel in Davos nicht, betont sie. Aber sie erkenne an, dass Europa während der Grönland-Diskussionen zusammengestanden und mit einer Stimme gesprochen habe. Sie hofft, dass Europa und die USA sich in Sachen Sicherheit für die Arktis einigen können. „Die Sicherheit in der Arktis ist wichtig, aber nicht wichtiger als die Sicherheit an der NATO-Ostgrenze. Da müssen wir zusammenarbeiten. Darum haben wir der NATO empfohlen, in Grönland permanent anwesend zu sein“, so Frederiksen.
Mette Frederiksen: „Ich werde kämpfen, für Dänemark und für Grönland“

Neben der dänischen Premierministerin waren bei Maischberger am Dienstagabend auch Journalist Paul Ronzheimer (l.), USA-Expertin Sandra Navidi und Moderator Johannes B. Kerner zu Gast. (Bild: WDR/ Oliver Ziebe)
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Den Deal zwischen NATO-Generalsekretär Mark Rutte und Donald Trump beim Weltwirtschaftsgipfel in Davos lehnt Frederiksen ab. Die NATO könne nicht im Namen Dänemarks verhandeln, sagt die Premierministerin. „Das können nur wir. Die grönländische Zukunft gehört den Grönländern, und die grönländische Zukunft wird in Nukk definiert“, so Frederiksen. Nukk ist der Name der grönländischen Hauptstadt. Frederiksen besteht auf den Respekt und die Integrität anderer Länder, das sei keine Frage, über die man diskutieren könne.
Trump sieht das zwar anders, doch Mette Frederiksen sagt klar „Nein“ zu der Forderung des US-Präsidenten, Grönland solle zum Territorium der USA gehören. Die Menschen in Grönland hätten wiederholt abgelehnt, ein Teil der USA zu sein. Müsse man sich zwischen den USA und Dänemark entscheiden, wolle Grönland lieber zu Dänemark gehören. Frederiksen: „Dänemark war immer ein guter Alliierter, und das werden wir auch für die Zukunft sein. Aber wir müssen natürlich innerhalb der demokratischen Spielregeln zusammenarbeiten. Wo wir zusammenarbeiten können, ist die Verteidigung Europas gegen Russland und zusammenzustehen in einer Welt, wo Russland nicht nur einen Krieg in Europa begonnen hat, sondern auch mit Nordkorea und dem Iran zusammenarbeitet. Wir können die östliche Grenze der NATO verteidigen, wir können die Sicherheit in der NATO verteidigen, wir können bei allem zusammenarbeiten, was man gegen unsere Feinde tun muss. Aber wir können unsere Souveränität natürlich nicht abgeben.“
Über die Nutzung grönländischer Rohstoffe durch die USA will die dänische Premierministerin nichts sagen. Aber sie macht klar: „Ich werde kämpfen, für Dänemark und für Grönland. Und wenn jemand uns bedroht, sind wir bereit, uns zu verteidigen. Und die größte sicherheitspolitische Bedrohung für Europa ist Russland. Wenn sich die europäischen Länder nicht aufrüsten, wird sich der Krieg fortsetzen. Ich werde niemals unterstützen, dass der Krieg weitergeführt wird. Gewalt wird niemals meine Sprache sein.“ (tsch)
