Abo

Zwei Oscars, keine ArbeitFilmlegende inseriert Jobgesuch in Zeitung

3 min
Bette Davis (l.) und Joan Crawford 1962

Bette Davis und Joan Crawford bei Dreharbeiten. (Archivbild)

Obwohl sie als Star gefeiert wurde und zweifache Oscar-Preisträgerin war, erhielt Bette Davis fast keine passenden Filmrollen mehr.

Wäre es heute vorstellbar, dass eine globale Berühmtheit wie Julia Roberts oder Meryl Streep per Annonce eine Stelle sucht? Kaum zu glauben. Doch am 21. September 1962 geschah genau das. Eine Zeitungsanzeige erschütterte die glamouröse Filmwelt Hollywoods.

Bette Davis schaltet ungewöhnliches Stellengesuch

Die Verantwortlichen der Filmstudios trauten ihren Augen nicht. Im Branchenmagazin „Variety“ war unter der Kategorie „Stellengesuche, weiblich“ Folgendes zu lesen:

„Mutter von drei Kindern, geschieden, Amerikanerin, 30 Jahre Erfahrung als Filmschauspielerin, immer noch beweglich und freundlicher, als man es ihr nachsagt, sucht ständige Beschäftigung in Hollywood. Broadway-Erfahrung vorhanden. Auf Wunsch Referenzen.“

Bette Davis Porträt

Bette Davis war einer der größten Filmstars der 1930er, 1940er und 1950er Jahre. (Archivbild)

Die Urheberin dieser Annonce war niemand anderes als Bette Davis, die bereits zwei Oscars gewonnen hatte – 1936 für „Dangerous“ und 1939 für „Jezebel – Die boshafte Lady“. In den 1940er- und 1950er-Jahren war sie ein absoluter Kassenmagnet und sammelte während ihrer Laufbahn zehn Nominierungen für den Oscar. Dazu zählen Klassiker wie „Opfer einer großen Liebe“ (1940), „Reise aus der Vergangenheit“ (1943) und auch „Alles über Eva“ (1950).

Um sicherzustellen, dass jeder die Botschaft verstand, legte die Schauspielerin mit dem markanten Blick ein Bild von sich bei. Eine Legende verlangte damit unmissverständlich ihr Recht, arbeiten zu dürfen.

Aufbegehren gegen das System

Die Aktion war ein klarer Affront gegen eine Branche, die Schauspielerinnen über 40 systematisch ausmusterte. Im damaligen Hollywood galt eine Frau mit 54 Jahren als zu alt für das Geschäft. Die Studio-Verantwortlichen waren überzeugt, dass die Zuschauer nur an jungen Darstellerinnen interessiert seien.

Joan Crawford und Bette Davis am Strand.

Joan Crawford und Bette Davis im Klassiker „Was geschah wirklich mit Baby Jane?“. (Archivbild)

Die meinungsstarke Bette Davis dachte jedoch nicht daran, sich zur Ruhe zu setzen. Obwohl Freunde schockiert reagierten und um ihre Reputation besorgt waren, wählte sie den Angriff. Ihre Nachricht war deutlich: Ich stehe zur Verfügung, ich bin einsatzfähig – und ihr irrt euch gewaltig!

Ein triumphales Comeback

Die Film-Diva sollte mit ihrer Einschätzung richtig liegen. Kurz nach der Veröffentlichung des Inserats startete „Was geschah wirklich mit Baby Jane?“ und entwickelte sich zu einem riesigen Erfolg. Die Zuschauer kamen in Massen, um Bette Davis in der Rolle eines verbitterten früheren Kinderstars zu erleben, der in einem heftigen Konflikt mit seiner Schwester (gespielt von Joan Crawford) steht. Gerüchte, dass die beiden Schauspielerinnen sich auch privat seit Langem nicht ausstehen konnten, erhöhten die Spannung zusätzlich.

Der Plan war ein voller Erfolg: Bette Davis und Joan Crawford feierten die Rückkehr des Jahres. Der Film wurde zu einem Klassiker des Thriller-Genres. Davis erhielt eine weitere Oscar-Nominierung.

Gleichzeitig etablierte „Baby Jane“ ein neues Subgenre, das als „Hagsploitation“ oder „Psycho-Biddy“ bekannt ist. In diesen Filmen stehen ältere Darstellerinnen im Zentrum von unheimlichen Erzählungen. Mit „Wiegenlied für eine Leiche“ knüpfte Bette Davis 1964 an diesen Erfolg an und stellte ihre schauspielerische Kraft erneut unter Beweis. (jag)