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Hollywoods härteste SchauspielerinDiese 11 Filme mit Bette Davis sollten Sie kennen

10 min
Bette Davis

Bette Davis – eine der größten Schauspielerinnen ihrer Zeit, bekannt für kompromisslose Rollenwahl und unvergleichliche Ausdruckskraft. (Archivbild)

Hollywood-Ikone, Oscar-Gewinnerin, Charakterdarstellerin: Diese Filme zeigen, warum Bette Davis zu den Größten gehört.

Bette Davis war mehr als nur eine Leinwanddiva – sie war eine Revolution. Mit ihrer markanten Stimme, ihren durchdringenden Augen und ihrem kompromisslosen Spiel sprengte sie die gängigen Rollenbilder des klassischen Hollywood-Kinos. Zwischen den 1930er- und 1980er-Jahren prägte Davis ganze Generationen von Schauspielerinnen und bewies in über 100 Film- und Fernsehrollen, dass Frauenfiguren weder schön noch gefällig sein müssen, um faszinierend zu sein. Ihre Rollen als skrupellose Intrigantin, verzweifelte Ehefrau oder abgehalfterter Star zeugen von Tiefe, Mut und Wandlungsfähigkeit. Wir zeigen elf Filme, die man gesehen haben sollte – auch als Einstieg in das beeindruckende Werk einer der bedeutendsten Schauspielerinnen des 20. Jahrhunderts.

„Alles über Eva“ (All About Eve, 1950)

In diesem vielfach preisgekrönten Klassiker spielt Bette Davis die gefeierte Broadway-Diva Margo Channing – eine Frau, die auf der Bühne brilliert, aber im echten Leben zunehmend mit dem Älterwerden und ihrer verletzlichen Seele ringt. Als die scheinbar schüchterne junge Eve Harrington (Anne Baxter) in ihr Leben tritt, ahnt Margo nicht, dass hinter der Fassade Bewunderung eine berechnende Rivalin lauert.

Davis brilliert in einer ihrer besten Rollen – selbstironisch, verletzlich, scharfzüngig. Legendär ist ihr Satz, den man eigentlich nicht übersetzen sollte: „Fasten your seatbelts, it's going to be a bumpy night.“ (Allenfalls: „Schnallen Sie sich an, es wird eine holprige Nacht.“) Kurz danach taucht übrigens eine noch unbekannte Marilyn Monroe auf – in einem kleinen, aber sehr sehenswerten Auftritt.

Der Film, der mit bissigem Witz und psychologischer Tiefe das Theatermilieu durchleuchtet, gewann sechs Oscars – darunter Bester Film. Davis selbst verlor den Hauptdarstellerinnen-Oscar knapp an Judy Holliday – was rückblickend als eine der größten Fehlentscheidungen der Oscar-Geschichte gilt.


„Die kleinen Füchse“ (The Little Foxes, 1941)

Als eiskalte Südstaatenmatriarchin Regina Giddens zeigt Bette Davis eine ihrer unbarmherzigsten Figuren. Im Zentrum des Familiendramas nach Lillian Hellmans Bühnenstück steht die Gier: Regina und ihre Brüder wollen mit einem Fabrikprojekt reich werden – doch sie braucht dafür das Geld ihres kranken Ehemanns. Als dieser sich weigert, schaut sie tatenlos zu, wie er einen Herzinfarkt erleidet.

Davis spielt Regina kühl, kontrolliert, mit eisigem Blick – eine Darstellung von solcher Kälte, dass sie bis heute erschüttert. Ihre Mimik bleibt starr, während ihr Mann in der Unschärfe des Bildes stirbt – eine der eindrucksvollsten Kameraeinstellungen der Filmgeschichte, umgesetzt von Gregg Toland („Citizen Kane“). Regie führte erneut William Wyler, mit dem Davis hier zum dritten und letzten Mal zusammenarbeitete. Der Film war neunfach für den Oscar nominiert – Davis verlor allerdings gegen Joan Fontaine. Ihre Regina bleibt eine ihrer furchteinflößendsten und kompromisslosesten Figuren überhaupt.


„Der Menschen Hörigkeit“ (Of Human Bondage, 1934)

Mit dieser Rolle begann Bette Davis’ Aufstieg zur anerkannten Charakterdarstellerin. Als Mildred, eine gefühlskalte, intrigante Londoner Kellnerin, die den hinkenden Medizinstudenten Philip Carey (Leslie Howard) ausnutzt und zerstört, wagte Davis ein riskantes Rollenprofil: unsympathisch, ordinär, ungeschönt. Hollywood hatte sie davor gewarnt, ein „Monster“ zu spielen – doch Davis bestand darauf und setzte sogar durch, ihr Make-up für die Sterbeszene selbst zu gestalten. Statt glamourös zeigte sie sich abgemagert, krank und entstellt.

Die legendäre „Wipe my mouth!“-Szene machte Bette Davis 1934 über Nacht zur kompromisslosen Charakterdarstellerin:

Diese Schonungslosigkeit schockierte das Publikum – und machte sie berühmt. Kritiker lobten ihre kompromisslose Darstellung, viele sahen darin die Geburtsstunde ihres unverwechselbaren Stils. Zwar blieb sie 1934 überraschend ohne Oscar-Nominierung, doch der Film verschaffte ihr den Ruf einer Schauspielerin, die bereit war, jede Grenze zu überschreiten, um der Wahrheit einer Figur gerecht zu werden. In Deutschland lief der Film damals nie offiziell im Kino – seine späte TV-Premiere erfolgte erst vor wenigen Jahren bei Arte.


„Opfer einer großen Liebe“ (Dark Victory, 1939)

In diesem bewegenden Melodram spielt Bette Davis die lebenshungrige Erbin Judith Traherne, die ihre Tage mit Pferderennen, Partys und Cocktails verbringt – bis sie erfährt, dass sie einen unheilbaren Hirntumor hat. Statt sich ihrem Schicksal zu ergeben, heiratet sie ihren behandelnden Arzt (George Brent) und zieht mit ihm aufs Land, wo sie ihre letzten Monate in Würde verlebt. Davis meistert die Gratwanderung zwischen Sentimentalität und Stärke mit einer eindringlichen, nie überzogenen Darstellung.

Der Schluss – ihr Blick, ihre Worte, ihre Haltung, als sie spürt, dass das Ende naht – gehört zu den ergreifendsten Momenten ihrer Karriere. Trotz großer Konkurrenz (unter anderem „Vom Winde verweht“) wurde der Film ein kommerzieller Hit und gilt bis heute als Paradebeispiel für das klassische Hollywood-Drama. Davis selbst hielt Judith für eine ihrer liebsten Rollen – und Kritiker lobten sie für die emotionale Klarheit, mit der sie das Sterben spielte, ohne in Pathos zu verfallen.


„Jezebel“ (1938)

Mit „Jezebel“ festigte Bette Davis endgültig ihren Status als große Hollywood-Diva. Unter der Regie von William Wyler verkörpert sie die eigensinnige Südstaatenschönheit Julie Marsden, die mit ihrem Stolz und ihrer Rebellion gegen gesellschaftliche Konventionen ihr eigenes Glück zerstört. Unvergessen ist die Ball-Szene, in der Julie in einem roten Kleid erscheint – ein Skandal, da unverheiratete Frauen traditionell Weiß zu tragen hatten. Natürlich muss man sich das vorstellen, denn der Film wurde in Schwarz-Weiß gedreht.

Davis gestaltet Julie als selbstbewusste, zugleich tragische Figur, deren Starrsinn sie ins Verderben führt. Henry Fonda spielt den Verlobten, der sich von ihr abwendet, während die Handlung schließlich in eine Geschichte um Krankheit, Schuld und Opferbereitschaft mündet. Davis' energiegeladene Darstellung brachte ihr den zweiten Oscar als Beste Hauptdarstellerin ein – nach der Auszeichnung für den heute fast vergessenen Film „Dangerous“ (1935), der in Deutschland nie gezeigt wurde. „Jezebel“ gilt bis heute als Südstaaten-Drama par excellence – oft als „kleine Schwester“ von „Vom Winde verweht“ bezeichnet, aber mit einer Hauptfigur, die weitaus radikaler und kompromissloser angelegt ist.


„Reise aus der Vergangenheit“ (Now, Voyager, 1942)

Der Film war zwar jenseits jeglicher Realität, berührte aber ein Millionenpublikum. Charlotte Vale lebt im Schatten ihrer tyrannischen Mutter – eine graue Maus, unterdrückt und voller Ängste. Erst ein Aufenthalt in einer psychiatrischen Klinik bringt die Wende: Charlotte blüht auf, entdeckt ihre Weiblichkeit und begibt sich auf eine Schiffsreise, auf der sie Jerry (Paul Henreid) begegnet. Eine Liebe bahnt sich an, doch Jerry ist gebunden – und Charlotte entscheidet sich, ihrem Glück eine andere Form zu geben.

Der Film lebt von Davis’ leiser, zurückhaltender Darstellung, in der sie Wandlung, Verletzlichkeit und Stärke meisterhaft verbindet. Die Musik von Max Steiner und Claude Rains als verständnisvoller Arzt runden das melodramatische Meisterwerk ab. Davis wurde erneut für den Oscar nominiert. Legendär ist die Szene, in der Jerry zwei Zigaretten anzündet und ihr eine reicht – ein ikonisches Bild romantischer Intimität. Unvergessen bleibt Charlottes Abschiedssatz: „Frag nicht nach dem Mond. Wir haben die Sterne.“


„Was geschah wirklich mit Baby Jane?“ (Whatever Happened to Baby Jane?, 1962)

Joan Crawford und Bette Davis

Joan Crawford und Bette Davis in ihrem einzigen gemeinsamen Film: „Was geschah wirklich mit Baby Jane?“ (1962) wurde zum Höhepunkt einer legendären Rivalität – und zum späten Karriere-Meilenstein für beide Leinwandikonen.

Zwei gealterte Hollywood-Schwestern, eingesperrt in einer düsteren Villa: Bette Davis spielt die grotesk geschminkte, geistig verwirrte Ex-Kinderschauspielerin Baby Jane Hudson, die ihre gelähmte Schwester Blanche (Joan Crawford) psychisch und physisch tyrannisiert. Robert Aldrichs bitterböse Mischung aus Psychodrama, Groteske und Horrorfilm wurde ein Welterfolg – nicht zuletzt wegen der Rivalität der beiden Stars, die sich auch hinter den Kulissen spürbar entlud. Davis, die sich selbst schminkte, lieferte eine furchteinflößende, enthemmte Performance, während Crawford bewusst zurückhaltend spielte.

Legendär ist die Szene, in der Jane ihrem Opfer eine gebratene Ratte serviert – und die finale Sequenz am Strand, in der Davis Kindheit und Wahnsinn in einer verstörenden Clownsnummer verschmelzen lässt. Der Film wurde für fünf Oscars nominiert, Davis ging jedoch leer aus.

Sie sagte später in zahllosen Interviews, dass Crawford eine gezielte Kampagne gegen sie führte und ihr den Gewinn des Oscars vereitelte. Ihre Rolle der Baby Jane zählt bis heute zu den unheimlichsten und eindrücklichsten Leistungen der Filmgeschichte. Die spannungsgeladenen Dreharbeiten dienten später als Vorlage für die Serie „Feud“ (2017) mit Jessica Lange und Susan Sarandon. 


„Wacht am Rhein“ (Watch on the Rhine, 1943)

Nach dem gleichnamigen Bühnenstück von Lillian Hellman entstand während des Zweiten Weltkriegs dieses Antifaschismus-Drama, das heute als wichtiges Zeitdokument gilt. Bette Davis spielt Sara, die mit ihrem deutschen Ehemann Kurt (Paul Lukas) und den Kindern in die USA zurückkehrt. Kurt ist ein Widerstandskämpfer gegen das NS-Regime, dessen Vergangenheit und Aktivitäten bald auch in Amerika lebensgefährliche Folgen haben.

Obwohl Davis anfangs zögerte, die eher zurückhaltende Rolle anzunehmen, überzeugt sie mit stiller Würde und Integrität – als Frau, die ihre Familie schützt und zugleich den politischen Kampf ihres Mannes mitträgt. Mit Ausnahme von „Vertauschtes Glück“ nahm sich Davis in keinem anderen Film so sehr zurück und stellte ihr Spiel so konsequent in den Dienst der Geschichte. Im Zentrum steht nämlich Paul Lukas, der für seine eindringliche Darstellung den Oscar erhielt. „Wacht am Rhein“ war als Propagandafilm gedacht, funktioniert jedoch auch heute noch als Plädoyer für Zivilcourage und Menschlichkeit.


„Das Geheimnis von Malampur“ (The Letter, 1940)

In einer der stärksten Eröffnungssequenzen der frühen Filmgeschichte betritt Bette Davis als Plantagenbesitzerin Leslie Crosbie eine Veranda – und erschießt eiskalt einen Mann. So beginnt dieses düstere Film-Noir-Drama von William Wyler, das auf einem Stück von W. Somerset Maugham basiert. Was wie Notwehr aussieht, entpuppt sich bald als Lügenkonstrukt. Der ermordete Mann war Leslies Geliebter, und ein belastender Brief könnte ihr Verhängnis werden.

Bette Davis mit Pistole.

Bette Davis in einer ikonischen Szene im Film-Noir-Klassiker „Das Geheimnis von Malampur“ (1940) – kalt, entschlossen, und mit rauchender Waffe. (Archivbild)

Davis spielt die Rolle mit kalter Eleganz und brüchiger Fassade – eine Frau zwischen Schuld, Scham und dem Willen zur Kontrolle. Das koloniale Singapur dient als Kulisse für ein Spiel aus Verrat, Moral und Manipulation. Die Kameraarbeit von Tony Gaudio, die Kostüme von Orry-Kelly und die Inszenierung Wylers sorgen für die perfekte Mischung aus Atmosphäre und Spannung. Davis wurde für den Oscar nominiert, verlor aber gegen Ginger Rogers. Dennoch bleibt ihre Darstellung eine der eindrucksvollsten ihrer Karriere – nicht zuletzt wegen des legendären letzten Satzes: „Mit ganzem Herzen liebe ich noch immer den Mann, den ich getötet habe.“


„Vertauschtes Glück“ (The Great Lie, 1941)

In diesem melodramatischen Dreiecksdrama spielt Bette Davis die bodenständige Maggie, die in eine verhängnisvolle Rivalität mit der glamourösen Pianistin Sandra (Mary Astor) gerät. Beide lieben denselben Mann (George Brent), doch als er verschwindet, entwickelt sich eine ungewöhnliche Vereinbarung: Sandra, schwanger, bringt das Kind zur Welt, das Maggie fortan als ihr eigenes großzieht.

Bette Davis und Mary Astor

Bette Davis und Mary Astor waren befreundet und begegneten sich am Set mit großem Respekt. Davis hielt sich bewusst zurück, damit ihre oft unterschätzte Kollegin in ihrer Rolle glänzen konnte. (Archivbild)

Davis hält sich hier auffallend zurück – sie überlässt die großen Szenen Astor, die für ihre bissige, elegante Darstellung den Oscar als Beste Nebendarstellerin erhielt. Die Leistung von Davis liegt in ihrer leisen, zurückhaltenden Präsenz, die dem Film eine besondere Glaubwürdigkeit verleiht. Die Chemie zwischen Davis und Astor macht den Film zu einem vergnüglichen Stück „Golden Age“-Kino. Für Davis bedeutete „Vertauschtes Glück” eine Abwechslung: Statt der üblichen starken oder exzentrischen Frauen verkörpert sie eine Frau, die vor allem durch ihre innere Stärke und Geduld überzeugt.


„Wiegenlied für eine Leiche“ (Hush … Hush, Sweet Charlotte, 1964)

Nach dem Erfolg von „Was geschah wirklich mit Baby Jane?“ wollte Regisseur Robert Aldrich Bette Davis erneut mit Joan Crawford vereinen. Doch Crawford stieg krankheitsbedingt während der Dreharbeiten aus – Olivia de Havilland übernahm ihre Rolle und brachte eine andere, kühle Schärfe ins Spiel.

Davis verkörpert Charlotte Hollis, die seit Jahrzehnten in einem Südstaaten-Anwesen lebt, gezeichnet vom Trauma eines blutigen Mordes in ihrer Jugend. Als Gerüchte und Halluzinationen ihr Leben immer stärker bestimmen, verschwimmen Realität und Wahnsinn. Der Film ist eine Mischung aus Südstaaten-Melodram, Mystery und Grand-Guignol-Horror, voller makabrer Bilder – von abgetrennten Köpfen bis zu geisterhaften Stimmen in der Nacht.

Davis spielt Charlotte zwischen Hysterie und Verletzlichkeit. Für ihre Darstellung der exzentrischen Haushälterin erhielt Agnes Moorehead eine Oscar-Nominierung – eine von insgesamt sieben für den Film. Darunter war auch eine für den wunderbaren Titelsong, gesungen von Patti Page. Trotz seiner Überlänge bleibt „Wiegenlied für eine Leiche“ ein packendes Beispiel für das Spätwerk von Davis und ein Klassiker des „Psycho-Biddy“-Genres. Er ist einer der am meisten unterschätzten Filme in ihrer langen Karriere.