Vor über 30 Jahren wurde Bettina Böttinger als WDR-Redaktionsgruppenleiterin auf einen Fall von Machtmissbrauch in ihrem Team aufmerksam. Das machte die Moderatorin nun in einem Podcast-Dialog mit Autor Benjamin von Stuckrad-Barre öffentlich.
Bettina Böttinger macht über 30 Jahre alten Fall von Machtmissbrauch beim WDR öffentlich

Bettina Böttinger spricht in ihrem Podcast über einen MeToo-Fall im WDR - lange bevor der Begriff geprägt war. (Bild: 2024 Getty Images/Andreas Rentz)
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Benjamin von Stuckrad-Barre ist Gast im aktuellen „Zwischen den Zeilen“-Podcast von Moderatorin Bettina Böttinger. Der 51-jährige Autor veröffentlichte 2023 mit „Noch wach?“ einen viel diskutierten Roman über Machtmissbrauch in der Medienbranche. Böttinger kommt in dem Gesprächszusammenhang auf eine eigene Beobachtung aus den 90er-Jahren zu sprechen.
„Es ist über 30 Jahre her, dass ich im WDR eine verantwortliche Position hatte“, sagt die frühere „Parlazzo“- und „Kölner Treff“-Moderatorin. Damals hätten „Frauen um die 20“, die gerade am Berufsbeginn standen, kaum Mittel gehabt, sich gegen Grenzüberschreitungen ihrer männlichen Vorgesetzten zu wehren.

Benjamin von Stuckrad-Barre war zu Gast im Podcast „Zwischen den Zeilen“. (Bild: 2026 Getty Images/Andreas Rentz)
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Durch einen Zufall habe sie damals als Redaktionsgruppenleiterin erfahren, „dass ein Redakteur aus meinem Team immer Vorbesichtigungen für bestimmte Sendungen gemacht hat“. Was Böttinger damit meint: „Der hat die Praktikantin, jeweils wechselnd, immer in sein Doppelzimmer gebucht.“ Man könne sich leicht „vorstellen, was da los war“, deutet die 69-Jährige an. Einhalt gebieten konnte sie dieser Praxis jedoch nicht: „Das ist über 30 Jahre her und ich habe das versucht damals im WDR anzuprangern. Es ist mir nicht geglückt.“
Benjamin von Stuckrad-Barre: „Die Macht hält zusammen“
Stuckrad-Barre kann bestätigen, dass das Anprangern von Machtmissbrauch noch heute mit Konsequenzen verbunden sei. „Die Macht dieser Leute ist sehr, sehr groß. Ich habe das sehr zu spüren bekommen“, sagt er im Zusammenhang seines Buches „Noch wach?“, das vielfach als Schlüsselroman über die Reichelt-Affäre beim Springer-Verlag gelesen wurde.
Die Macht halte zusammen, „häuserübergreifend“, das habe sich im Zuge der Romanveröffentlichung „auf unangenehme Weise“ auf ihn ausgewirkt, erklärt Stuckrad-Barre. „Aber ich bin nicht das Opfer, ich war einfach Zeuge geworden. Mich haben Frauen angesprochen.“ Als damaliger Freund des Springer-CEOs Mathias Döpfner sei er „gedrängt worden in die Position, mich klar zu verhalten, auch öffentlich“.
Bettina Böttinger honoriert das Verhalten im „Zwischen den Zeilen“-Podcast ausdrücklich: „In heutiger Zeit, wo wir MeToo rauf und runter diskutiert haben, ist es für Männer nicht selbstverständlicher geworden, solidarisch zu sein oder Partei zu ergreifen. Das hast du aber gemacht.“ (tsch)