Sie wurde als Sängerin weltbekannt und spielte an der Seite von Peter Sellers im Kino. Dann erschoss sie den Skistar Vladimir „Spider“ Sabich.
Claudine Longet ist totDie Pop-Ikone, die im Bad ihren Liebhaber erschoss

Claudine Longet war ein großer Easy-Listening-Star in den 1960er-Jahren. (Archivbild)
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Die französische Sängerin und Schauspielerin Claudine Longet ist im Alter von 84 Jahren gestorben. Ihr Neffe Bryan Longet überbrachte die Nachricht in den sozialen Netzwerken. Mit gefühlvollen Worten bestätigte er den Tod seiner Tante und postete Aufnahmen aus unbeschwerten Zeiten. Sein Abschiedsgruß lautete: „Du warst eine wahre Inspirationsquelle in meinem Leben und wirst es immer bleiben. Ein Stern mehr am Himmel.“
Auffällig ist dabei, dass sein Post zudem zwei Aufnahmen aus ihren letzten Lebensjahren enthielt. Es handelt sich wahrscheinlich um die ersten öffentlichen Fotos der einstigen Berühmtheit seit den 1970er-Jahren.
Claudine Longet: Sie hauchte den Amis französische Chansons vor
Während die Familie eine Frau betrauert, die sie als gütig und inspirierend beschreibt, blickt die Welt auf eine der zwiespältigsten Biografien des 20. Jahrhunderts zurück.
In den 1960er-Jahren wurde Claudine Longet zu einer internationalen Berühmtheit. Die aus Paris stammende Frau heiratete den bekannten Sänger Andy Williams („It’s The Most Wonderful Time of the Year“), mit dem sie drei Kinder hatte, und wurde als Mode-Ikone in Hollywood betrachtet.

Ein Traumpaar des 60er-Jahre-Easy-Listenings: Andy Williams und Claudine Longet hatten drei Kinder. (Archivbild)
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Ihre hauchzarte Stimme und ihre Rollen in Kultstreifen wie „Der Partyschreck“ neben Peter Sellers machten sie zum Inbegriff der stilvollen, unschuldigen Französin.
Von 1967 bis 1972 brachte sie sieben Alben heraus, deren sanfte Musik eine Mischung aus Pop, Chanson und Easy Listening war. Diese Platten sind heute begehrte Sammlerobjekte. Eine Goldene Schallplatte wurde ihr für ihr Erstlingswerk „Claudine“ verliehen. Zu ihren bekanntesten Aufnahmen zählen „Love Is Blue“ sowie „Hello, Hello“. In „Der Partyschreck“ sang sie „Nothing to Lose“ von Henry Mancini, außerdem interpretierte sie Bossa-Nova-Stücke.
Die Tragödie in den Bergen
Ihr glamouröses Leben endete jedoch abrupt am 21. März 1976. In Aspen, Colorado, tötete sie mit einer Schusswaffe ihren damaligen Partner, den Ski-Star und Olympia-Fünften Vladimir „Spider“ Sabich. Longet erklärte, es habe sich um ein tragisches Unglück gehandelt. Die Waffe sei losgegangen, als Sabich ihr die Handhabung demonstrieren wollte. Der Vorfall erregte großes mediales Aufsehen, insbesondere da ihr früherer Ehemann Andy Williams loyal zu ihr stand.

Anfang der 1970er Jahre waren Sängerin Claudine Longet (r) und Skistar Vladimir „Spider“ Sabich in der amerikanischen Szene aus Sport, Musik und Jetset ein viel fotografiertes Traumpaar. (Archivbild)
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Trotz erdrückender Beweise wurde sie schlussendlich nur der fahrlässigen Tötung für schuldig befunden. Das Strafmaß war gering: 30 Tage Gefängnis, die sie an Wochenenden ihrer Wahl verbüßen konnte. Weltweit stieß das Urteil auf Unverständnis und beendete ihre Laufbahn sofort.
Claudine Longet verschwindet für immer aus der Öffentlichkeit
Infolge des Skandals zog sich Longet beinahe komplett aus der Öffentlichkeit zurück. Sie verblieb in Aspen, ehelichte später ihren Verteidiger Ron Austin und führte bis zu ihrem Ableben ein äußerst abgeschiedenes Dasein. Laut Medienberichten wohnte sie angeblich auch eine Zeit lang auf Hawaii. Eine Rückkehr ins Rampenlicht fand nicht statt.

Kinofans kennen Claudine Longet vor allem aus dem Blake-Edwards-Klassiker „Der Partyschreck“, in dem sie an der Seite von Peter Sellers zu sehen ist. (Archivbild)
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Sie trat nie wieder öffentlich in Erscheinung und gab auch keine Interviews mehr. Vor ungefähr 20 Jahren verfasste sie einzig die Begleittexte für eine „Best of“-Sammlung ihrer Lieder. Der Kriminalfall wird im detaillierten biografischen Abschnitt des Booklets nicht erwähnt.
Das ist nicht verwunderlich: Ein Zivilverfahren untersagte Longet rechtlich auf Dauer, jemals wieder öffentlich über die Partnerschaft, den tödlichen Schuss oder den Prozess zu sprechen. Des Weiteren musste sie sich dazu verpflichten, keine Autobiografie oder ein Buch über die Geschehnisse zu publizieren. Ein seltenes Foto mit seiner Tante in der Bergregion von Aspen wurde 2019 von ihrem Neffen Bryan veröffentlicht.
Die von ihm nun geteilten Worte gewähren einen letzten, persönlichen Einblick in das Leben einer Frau. Ihr Name wird für die Öffentlichkeit für immer mit der tragischen Nacht in den Rocky Mountains verknüpft sein.
In einem seiner letzten großen Interviews mit „CBS This Morning“ sprach auch Andy Williams noch einmal 2009 explizit über den Vorfall in Aspen. Auf die Nachfrage, weshalb er damals so bedingungslos zu ihr hielt, sagte er: „Ich hielt es für unfair, ich dachte, sie sei unschuldig, und ich dachte, es war ein Unfall.“
