Politik, Krieg, klamme Kassen oder umstrittener Boykott: Die Absagen beim ESC 2026 haben viele Gründe. Wir haben eine Liste.
Insolvenz, Krieg, BoykottDiese Länder werden beim Eurovision Song Contest 2026 nicht teilnehmen

Ilya Prusikin von Little Big auf der Bühne. Die Rave-Band sollte Russland im Corona-Jahr 2020 beim ESC vertreten. Doch der Wettbewerb wurde wegen der Pandemie abgesagt. (Archivbild)
Copyright: imago images/ITAR-TASS
Das Teilnehmerfeld beim Eurovision Song Contest (ESC) schrumpft. Waren es 2022 noch 40, 2021 39 und 2019 sogar 41 Länder, sind es seit 2023 nur noch 37. Immerhin feierte Luxemburg 2024 ein viel beachtetes Comeback, das das kleine Land prompt ins Finale führte. Bulgarien, Moldau und Rumänien kehren in diesem Jahr zurück.
Im Vorfeld des ESC 2026 in Österreich gab es aber auch Absagen, überraschende Rückzüge und heftige Boykotte. Wir geben einen Überblick über alle Ausstiege und die Verhandlungen mit Langzeitabstinenzlern wie der Türkei, Ungarn oder Monaco.
Andorra
Am 25. Mai 2025 teilte Ràdio i Televisió d’Andorra (RTVA) mit, dass eine Rückkehr Andorras zum Eurovision Song Contest auch 2026 nicht geplant sei. Bereits zuvor hatte der Sender erklärt, dass der Wettbewerb nicht in die strategische Ausrichtung passe. Andorra, das zuletzt 2009 teilgenommen hatte, bleibt damit weiterhin ohne ESC-Comeback.
Letzte Teilnahme: 2009
Besonderheit: Bei 6 Halbfinalteilnahmen konnte nie das Finale erreicht werden.
Belarus
Am 28. Mai 2021 beschloss die Europäische Rundfunkunion (EBU), die Mitgliedschaft des belarussischen Staatssenders BTRC aufgrund der politischen Lage im Land zu suspendieren. Da eine aktive EBU-Mitgliedschaft Voraussetzung für die Teilnahme am Eurovision Song Contest ist, war Belarus damit faktisch vom Wettbewerb ausgeschlossen. Die EBU räumte BTRC eine Berufungsfrist bis zum 10. Juni 2021 ein, von der der Sender keinen Gebrauch machte. Am 1. Juli 2021 wurde die Mitgliedschaft offiziell beendet, sodass Belarus weiterhin nicht am ESC teilnehmen kann.
Letzte Teilnahme: 2019
Besonderheit: 2021 wurde ein Lied eingereicht, dessen Text jedoch gegen die EBU-Regeln verstieß. Ein zweites Lied wurde ebenfalls abgelehnt.
Bosnien und Herzegowina

Bosnien winkt zum Abschied: 2011 erreichte Balkan-Superstar Dino Merlin beim ESC in Düsseldorf noch die Top 10.
Copyright: picture alliance / dpa
Am 24. März 2022 kündigte der bosnische Fernsehsender BHRT seine drohende Insolvenz an. Bereits seit Dezember 2016 ist der Sender wegen ausstehender Zahlungen an die Europäische Rundfunkunion (EBU) von deren Programmen und Wettbewerben ausgeschlossen. Am 14. Oktober 2022 bestätigte BHRT, dass Bosnien und Herzegowina 2023 nicht am Eurovision Song Contest teilnehmen werde. Auch für 2024, 2025 und 2026 folgten entsprechende Absagen.
Letzte Teilnahme: 2016
Besonderheit: Bei der letzten Teilnahme scheiterte das Land erstmals im Halbfinale.
Irland

Irlands letzte Siegerin Eimear Quinn gewann 1996 mit ihrem Folk-Titel „The Voice“ den Eurovision Song Contest. (Archivbild)
Copyright: IMAGO/NTB
Irland steht 2026 nicht auf der offiziellen Teilnehmerliste des Eurovision Song Contest. Nach der EBU-Generalversammlung am 4. Dezember 2025 erklärte Raidió Teilifís Éireann (RTÉ), sich aufgrund der Teilnahme Israels vom Wettbewerb zurückzuziehen – für viele Fans ein großer Schock. Damit nimmt der neben Schweden mit sieben Siegen erfolgreichste ESC-Teilnehmer erstmals seit 2002 nicht am Wettbewerb teil. Zudem verzichtet der Sender auf die Ausstrahlung des Contests.
Letzte Teilnahme: 2025
Besonderheit: Gemeinsam mit Schweden ist Irland mit sieben Siegen Rekordgewinner des Eurovision Song Contest. Der bislang letzte Triumph datiert aus dem Jahr 1996.
Island
Als einziges nordisches Land steht auch Island 2026 nicht auf der offiziellen Teilnehmerliste des Eurovision Song Contest. Der öffentlich-rechtliche Sender Ríkisútvarpið (RÚV) erklärte am 10. Dezember 2025, sich aufgrund der Teilnahme Israels vom Wettbewerb zurückzuziehen, nachdem die Entscheidung im Land kontrovers diskutiert worden war. Damit verzichtet Island erstmals freiwillig auf eine ESC-Teilnahme. Der Sender kündigte jedoch an, den Wettbewerb weiterhin auszustrahlen.
Besonderheit: Island setzte seit der ersten Teilnahme 1986 bislang nur dreimal aus – 1998, 2002 und 2026. Trotz der geringen Einwohnerzahl gilt Island als besonders ESC-begeistert; der Wettbewerb erzielt dort regelmäßig hohe Einschaltquoten und große öffentliche Aufmerksamkeit.
Kasachstan
Im Oktober 2022 erklärte der Fernsehproduzent Zhan Mukanov, dass der kasachische Sender Khabar mit der Europäischen Rundfunkunion (EBU) über eine mögliche Teilnahme am Eurovision Song Contest 2023 verhandele. Es gebe „Chancen“, künftig am ESC der Erwachsenen teilzunehmen, zudem könne die Teilnahme am Junior Eurovision Song Contest 2022 die Aussichten verbessern. Kasachstan wurde jedoch nicht in die offizielle Teilnehmerliste aufgenommen. Auch für 2025 und 2026 blieb bzw. bleibt das Land ohne ESC-Debüt.
Besonderheit: Das Land hat bisher trotz Teilnahmeberechtigung noch nicht am ESC teilgenommen, nimmt aber regelmäßig am Junior Eurovision Song Contest teil und überträgt den ESC seit 2010 (bis 2022) jeweils live im staatlichen Fernsehsender Khabar.
Kosovo
Der Generaldirektor von Radio Televizioni i Kosovës (RTK), der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalt des Kosovo, kündigte mehrfach an, dass der Sender die Vollmitgliedschaft in der EBU anstrebe. Im Falle einer erfolgreichen Bewerbung hätte der Sender auch eine direkte Teilnahme am ESC angestrebt. Da der Staat Kosovo jedoch nicht Mitglied der Internationalen Fernmeldeunion (ITU) ist, ist eine Aufnahme nicht möglich. Mit Schreiben vom 12. Juni 2024 hat RTK die EBU um eine außerordentliche Einladung für den ESC 2025 gebeten, die jedoch nicht gewährt wurde.
Liechtenstein

Mit Glitzer auf der Haut und verzerrter Gitarre verbindet wavvyboi aus Liechtenstein in „black glitter“ vielschichtigen Sound mit künstlerischer Freiheit – jenseits von Genregrenzen.
Copyright: Claudius Pflug/ARD/SWR/dpa
Liechtenstein, neben dem Vatikan der einzige unumstritten unabhängige europäische Staat, der noch nie am Eurovision Song Contest teilgenommen hat, bemüht sich seit langem erfolglos um eine Teilnahme. 1 FL TV, der einzige Fernsehsender des Landes, kündigte 2022 an, keine EBU-Mitgliedschaft mehr anzustreben und sich stattdessen auf die nationale Berichterstattung zu konzentrieren, womit eine ESC-Teilnahme ausgeschlossen blieb. 2024 stellte Radio Liechtenstein zwar einen Antrag auf EBU-Mitgliedschaft, doch da für den Wettbewerb eine Fernsehübertragung Voraussetzung ist, reichte dies nicht aus. Auch dieser Vorstoß blieb erfolglos.
Besonderheit: 2026 steht mit wavvyboi dennoch ein Künstler aus dem Fürstentum im deutschen Vorentscheid 2026. Sollte er gewinnen, wäre Liechtenstein erstmals indirekt über Deutschland beim ESC vertreten.
Monaco

Die Französin Séverine ist mit „Un Banc, Un Arbre, Une Rue“ (1971) die einzige Gewinnerin des Eurovision Song Contest für Monaco. Danach machte sie als Schlagersängerin in Deutschland Karriere.
Copyright: Getty Images
Für 2021 kündigte die Regierung Monacos die Gründung einer neuen öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalt an, die zunächst unter dem Namen Monte-Carlo Riviera firmierte. Im Staatshaushalt 2022 wurden 100.000 Euro für eine mögliche ESC-Kandidatur 2023 eingeplant, der Sendestart verzögerte sich jedoch bis Sommer 2023. Am 1. September 2023 nahm TVMonaco schließlich den Betrieb auf. Chefredakteur Frédéric Cauderlier erklärte im Oktober 2023, die Fristen für 2024 kämen zu früh; 2025 und 2026 gab es keine weiteren Stellungnahmen zu einer Teilnahme.
Letzte Teilnahme: 2006
Besonderheit: Monaco gewann den ESC 1971. 2004 nahm nach 24 Teilnahmen erstmals eine Sängerin mit monegassischem Pass teil. Zuvor wurden meist Künstler aus Frankreich ausgeliehen.
Niederlande

Duncan Laurence aus den Niederlanden, Gewinner des Eurovision Song Contest (ESC) 2019. (Archivbild)
Copyright: dpa
Auch die Niederlande fehlen 2026 auf der Teilnehmerliste des Eurovision Song Contest. Nach der EBU-Generalversammlung am 4. Dezember 2025 erklärte der Sender AVROTROS, sich aufgrund der Teilnahme Israels vom Wettbewerb zurückzuziehen. Damit nimmt das Land erstmals seit 2002 nicht am ESC teil. 2024 hatte man mit Joost Klein zwar einen Teilnehmer am Start, der wurde jedoch von der EBU nach BLBLA disqualifiziert. Die Übertragung des Wettbewerbs soll jedoch weiterhin durch NOS und NTR erfolgen.
Besonderheit: Nach mehreren schwächeren Jahren feierten die Niederlande 2014 mit The Common Linnets und „Calm After the Storm“ (Platz 2) ein starkes Comeback, bevor 2019 Duncan Laurence mit „Arcade“ den Wettbewerb gewann. Insgesamt stehen für das Land fünf ESC-Siege zu Buche.
Nordmazedonien
Am 10. Mai 2022 zog der nordmazedonische Sender MRT einen Rückzug vom ESC 2023 in Betracht, nachdem Teilnehmerin Andrea bei einer Veranstaltung die Landesflagge unachtsam weggeworfen hatte. Im September 2022 wurde der Haushalt ohne ESC-Mittel veröffentlicht, am 14. Oktober 2022 bestätigte MRT den Rückzug unter Verweis auf hohe Kosten und die Energiekrise. Auch in den Folgejahren blieb Nordmazedonien dem Wettbewerb fern. Der Programmrat des Senders sprach sich gegen eine Teilnahme 2026 aus; stattdessen wird eine Rückkehr für 2027 mit neuer Strategie angestrebt.
Letzte Teilnahme: 2022
Besonderheit: Nordmazedonien scheiterte zuletzt zweimal in Folge im Halbfinale. 2019 erhielt das Land im Finale unerwartet die meisten Punkte von den Jurys, aber nur wenige Punkte vom Publikum.
Russland

Die Sängerin Manizha ist bislang Russlands letzte Teilnehmerin beim ESC. Das Bild zeigt sie bei ihrem Auftritt 2021.
Copyright: picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild
Nach dem russischen Überfall auf die Ukraine 2022 forderte der ukrainische Sender den Ausschluss russischer Fernsehsender aus der EBU. Anfangs lehnte die EBU dies ab, entschied sich aber nach Kritik und Beratungen mit Mitgliedern doch für den Ausschluss Russlands vom ESC 2022. Russland reagierte mit seinem Austritt aus der EBU, der jedoch formell noch bestätigt werden musste. Am 26. Mai 2022 suspendierte die EBU schließlich alle russischen Mitglieder. Damit ist eine Teilnahme Russlands am ESC ausgeschlossen.
Letzte Teilnahme: 2021
Besonderheit: Die letzte Teilnehmerin Manizha erreichte mit dem feministischen Lied „Russian Woman“ einen 9. Platz, setzt sich für queere Rechte ein und sprach sich 2022 gegen den Angriffskrieg aus.
Slowenien
Auch Slowenien hat sich entschieden, 2026 nicht am Eurovision Song Contest teilzunehmen. Nach der EBU-Generalversammlung am 4. Dezember 2025 erklärte Radiotelevizija Slovenija (RTVSLO), sich aufgrund der Teilnahme Israels vom Wettbewerb zurückzuziehen. Damit fehlt das Land erstmals seit 2000 beim ESC. Eine Ausstrahlung des Wettbewerbs ist laut Sender ebenfalls nicht vorgesehen.
Besonderheit: Slowenien wartet seit seinem Debüt 1993 weiterhin auf einen Sieg; die bislang besten Platzierungen waren zwei siebte Plätze (1995 und 2001).
Slowakei
Das Land hat seit mehr als zehn Jahren nicht mehr am ESC teilgenommen. Ende Mai 2025 erklärte die slowakische Rundfunkanstalt STVR, dass die neue Geschäftsführung internationale Projekte grundsätzlich prüfen wolle und eine künftige ESC-Teilnahme nicht ausgeschlossen sei. Am 23. Juli 2025 stellte der Sender jedoch klar, dass eine Rückkehr bereits 2026 aus finanziellen Gründen nicht möglich sei. Damit bleibt die Slowakei dem Wettbewerb weiterhin fern.
Letzte Teilnahme: 2012
Besonderheit: Zuletzt stand die Slowakei 1998 im ESC-Finale, danach scheiterte man ausnahmslos im Halbfinale.
Spanien
Auch Spanien hat sich entschieden, 2026 nicht am Eurovision Song Contest teilzunehmen. Nach der EBU-Generalversammlung am 4. Dezember 2025 erklärte der öffentlich-rechtliche Sender RTVE, sich aufgrund der Teilnahme Israels vom Wettbewerb zurückzuziehen. Damit fehlt Spanien erstmals seit seinem Debüt 1961 beim ESC. Zudem verzichtet der Sender auf die Ausstrahlung des Wettbewerbs.
Besonderheit: Spanien gehört zu den sogenannten „Big Five“ und ist normalerweise automatisch für das Finale qualifiziert. Mit bislang zwei Siegen (1968 und 1969) zählt das Land zu den traditionsreichsten Teilnehmern des Wettbewerbs.
Türkei

Sertab Erener gewann den ESC 2003 für die Türkei. (Archivbild)
Copyright: dpa/dpaweb
2013 zog sich die Türkei vom Eurovision Song Contest zurück und begründete dies mit Kritik am Abstimmungsverfahren sowie an der sogenannten Big-Five-Regel. Seitdem blieben alle Versuche der EBU, den Staatssender TRT zu einer Rückkehr zu bewegen, erfolglos. 2018 sorgte eine Äußerung des TRT-Generaldirektors für Aufsehen, der die anhaltende Abstinenz unter anderem mit Auftritten wie jenem von Conchita Wurst erklärte. Eine bärtige Drag-Künstlerin sei nach seiner Darstellung insbesondere türkischen Kindern nicht zuzumuten.
Letzte Teilnahme: 2012
Besonderheit: Sertab Erener, die einzige türkische Gewinnerin von 2003, sprach sich in einem Interview 2020 für eine baldige Rückkehr der Türkei zum Wettbewerb aus.
Ungarn
Ob es Gespräche über eine ungarische ESC-Rückkehr 2024, 2025 oder 2026 gab, ist nicht bekannt. Ungarn stand auch 2026 nicht auf der offiziellen Teilnehmerliste. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk MTVA hatte 2019 erklärt, stattdessen heimische Musik fördern zu wollen. Das Portal „index.hu“ brachte den Rückzug mit der LGBT-freundlichen Ausrichtung des ESC in Verbindung; entsprechende Vorwürfe wies der Sender zurück. Die frühere ESC-Subdomain wurde inzwischen abgeschaltet.
Letzte Teilnahme: 2019
Besonderheit: Auch Ungarn schied bei seiner letzten Teilnahme bereits im Halbfinale aus.

