Wer war Marie Antoinette? Sofia Coppola zeigt die berühmte französische Königin als Teenager, der fern der Heimat in einem goldenen Käfig gefangen ist.
„Esst doch Kuchen“?Diese Filmbiografie zeigt umstrittene Königin in einem ganz anderen Licht

Prächtige Kleider, monströse Haarmode und natürlich Kuchen - so sieht das Leben in Versailles für Regisseurin Sofia Coppola aus. (Bild: ZDF / Sofia Coppola)
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Ein Teenie am Hofe von Versailles: Marie Antoinette (Kirsten Dunst, links) ist erst 14 Jahre alt, als sie an den französischen Hof kommt. (Bild: ZDF / Leigh Johnson)
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Sie gilt als Inbegriff der Dekadenz. Wer Marie Antoinette, die Königin der Verschwendungssucht, zu seiner Heldin macht, geht ein Risiko ein. Schließlich muss der Film Sympathien für jemanden wecken, der seinem hungernden Volk einst geraten haben soll: „Esst doch Kuchen!“ Regisseurin Sofia Coppola (“Lost In Translation“) ließ 2006 die Politik fast ganz beiseite und zeigte „Marie Antoinette“ als einsames Mädchen im Elfenbeinturm Versailles, das mit eigenen Problemen zu kämpfen hatte. Kein Zufall, wenn man sich dabei eher an Paris Hilton als an die Zustände im Paris des 18. Jahrhunderts erinnert fühlt. ZDFneo zeigt den schillernden Kostümfilm am Dienstag, 10. Februar um 22.30 Uhr in einer Wiederholung.

Marie Antoinette (Kirsten Dunst) tat sich schwer mit den Gepflogenheiten am Hofe. (Bild: ZDF / Leigh Johnson)
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Plakativ, bunt und poppig - so sieht Versailles bei Sofia Coppola aus. Die Themen: die neuesten Schuhe, prächtige Kleider und Haarmode. Was kaum einer weiß: Marie Antoinette (Kirsten Dunst) kam als unerfahrene österreichische Prinzessin mit 14 Jahren nach Frankreich. In einer eindrucksvollen Szene zeigt die Regisseurin, wie das junge Mädchen alles, sogar die Kleidung am Leib, hinter sich lassen muss, um für ihren zukünftigen Mann und Thronfolger Louis XVI. (Jason Schwartzman) ganz „französisch“ zu werden. Der, ebenfalls ein Teenager, interessiert sich allerdings mehr fürs Jagen als für Frauen.
Schillerndes und farbenprächtiges Spektakel

Marie Antoinettes Gemahl Louis XVI. (Jason Schwartzman) interessiert sich mehr fürs Jagen als für Frauen. (Bild: ZDF / Leigh Johnson)
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Eine aufgebrachte Menge belagert das Schloss Versailles: Marie Antoinette (Kirsten Dunst, zweite von links) weigert sich zu fliehen und bleibt bei Louis XVI. (Jason Schwartzman). (Bild: ZDF / Leigh Johnson)
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Marie Antoinette muss also allein und ohne Vertraute aus Österreich ihren Weg finden, fern der Realität vor den Schlossmauern. Ohne jeden „Sissi“-Herzschmerz erlebt man hier eine junge Königin, die zu Beginn versucht, das strenge höfische Korsett aus Empfängen und förmlichen Begegnungen mit Charme und Menschlichkeit zu lockern. Ob beim morgendlichen Anzieh-Ritual oder beim Essen, Louis und Marie dürfen keinen Handgriff selbst tun. In diesem präzisen, entmenschlichten System hat jeder eine Funktion. Ihre ist es, Erben auf die Welt zu bringen. Doch dafür muss sie erst das sexuelle Interesse ihres Mannes wecken. Ein schwieriges Unterfangen.
Für die Regisseurin sind Marie Antoinette und Louis zwei Jugendliche in einer Extremsituation. Sie mussten Frankreich in einer unbeständigen und schwierigen Zeit führen. Es hat sich gezeigt, dass sie ihrem Volk keine Hilfe waren. Stattdessen feiert Marie Antoinette rauschende Feste und private Partys mit ihren Freunden. Die Klatschpresse war zwar damals nicht dabei, aber dafür gibt es ja nun Sofia Coppola. Die Filmemacherin stützt ihr Bild der Marie Antoinette auf die Recherchen Antonia Frasers und ihre Aufsehen erregende Marie-Antoinette-Biografie (2002).
Die Geschichtsschreibung tat Marie Antoinette bis dato wohl Unrecht. Den „Kuchen-Satz“ hat sie nie gesagt. Doch einen ganzen Film trägt diese Erkenntnis nicht. Trotz der prächtigen Ausstattung und des Drehs in Original-Räumen erhebt Sofia Coppola gar nicht den Anspruch, einen authentischen Historienfilm zu präsentieren. Sie inszeniert das Leben der Adeligen schillernd und farbenprächtig und orientiert sich dabei eher am Auftreten eines It-Girls des 21. Jahrhunderts als an der französischen Königin. (tsch)
