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Hits vor 60 JahrenKennen Sie noch die 11 größten Hits von 1966?

7 min
Die Beatles posieren.

Die Beatles hatten 1966 gleich fünf große Hits in den deutschen Charts. Aber welcher war der größte? (Archivbild)

Zwischen Aufbruch und Alltag prägten Beat, Pop und Schlager das Jahr 1966 – erinnern Sie sich noch an diese Songs von damals?

1966 war ein Jahr im Spannungsfeld großer Umbrüche: Kalter Krieg, Vietnam, gesellschaftliche Aufbrüche und neue Protestbewegungen bestimmten die Schlagzeilen. Während politisch vieles in Bewegung geriet, entwickelte sich auch die Popmusik rasant weiter. Beat, Soul und frühe Pop-Produktionen prägten den Sound einer Generation.

Internationale Stars lieferten Ohrwürmer, die bis heute nachhallen. Gleichzeitig erlebte auch der deutsche Schlager eine Hochphase. Zwischen Aufbruchsstimmung und Alltagsflucht boten diese elf Hits von 1966 genau das, was viele suchten: eingängige Melodien, große Gefühle und ein Stück Leichtigkeit in bewegten Zeiten.

The Beatles – „Yellow Submarine“

Ein Lied wie ein Kinderzimmer voller Farben – und doch viel mehr als das. The Beatles kombinierten hier zwei Ideen von Paul McCartney und John Lennon zu einem der eingängigsten Refrains der Popgeschichte. Gesungen von Ringo Starr, dessen Stimme dem Ganzen genau die richtige Bodenhaftung gibt. Offiziell ein Kinderlied – zumindest laut McCartney. Tatsächlich aber auch ein Blick auf die Band in ihrer eigenen kleinen Welt.

1966 hatten die The Beatles gleich mehrere große Hits, doch „Yellow Submarine“ war neben „Michelle“ oder „Paperback Writer“ der größte: fünf Wochen auf Platz eins in Deutschland. In Großbritannien wurde die Single zudem zum meistverkauften Hit des Jahres. Der eingängige, leicht mitzusingende Refrain machte den Song schnell alltagstauglich – bis hinein in Fußballstadien, wo die Melodie bis heute als Fangesang weiterlebt.


Nancy Sinatra – „These Boots Are Made for Walking“

Ein Song, der vor unterschwelliger sexueller Spannung knistert – und genau daraus seine Kraft zieht. Die bis dahin erfolglose Nancy Sinatra, Tochter von Frank, bekam diesen Titel nicht einfach serviert, sie hatte ihn sich erkämpft. Geschrieben von Lee Hazlewood, der ihn ursprünglich selbst singen wollte – bis Sinatra darauf bestand, genau diesen „Männersong“ zu übernehmen.

Und plötzlich kippte die Perspektive: Aus Trotz wurde Selbstermächtigung. Inhaltlich geht es um klare Kante – Untreue, Lügen, Schluss damit. Musikalisch trägt dieser legendäre Basslauf den ganzen Song, eingespielt von der Wrecking Crew, in einem Take. Kein Schnickschnack, kein Zurückrudern – und weltweit auf Platz eins. Aus der erfolglosen Sinatra-Tochter wurde für einige Jahre ein Superstar und Teenie-Idol. Seite an Seite mit ihrem Vater, denn Frank hatte fast zeitgleich ebenfalls einen Welthit.


Frank Sinatra – „Strangers in the Night“

Und es war ein Welthit aus Deutschland – und ausgerechnet einer, den Frank Sinatra selbst nie besonders mochte. Die Melodie stammt von Bert Kaempfert, einem der ganz wenigen deutschen Songwriter mit globalem Durchbruch in dieser Zeit. Sinatra dagegen machte sich später gern über das Stück lustig, zog Grimassen über das „Dooby Dooby Doo“ und hielt es für unter seinem Niveau.

Kaempfert erwähnte er dabei so gut wie nie – anders als die großen Namen des Great American Songbook. Genützt hat es nichts: „Strangers in the Night“ wurde sein größter Hit, stand praktisch weltweit auf Platz eins und entwickelte sich zu einem der meistgecoverten Songs überhaupt. Für Sinatra war es eine Art Frischzellenkur und der Beweis, dass er mit der deutlich jüngeren Konkurrenz von den Beatles bis hin zu den Stones mithalten konnte.


The Beach Boys – „Sloop John B.“

Urlaubssound? Von wegen. The Beach Boys nehmen ein altes bahamaisches Volkslied und drehen es ins Gegenteil: „Sloop John B.“ erzählt von einer komplett aus dem Ruder gelaufenen Reise. Betrunkene Crew, Chaos an Bord, und mittendrin der verzweifelte Wunsch: „I wanna go home“ („Ich will nach Hause“).

Brian Wilson formte daraus 1966 einen der raffiniertesten Pop-Songs seiner Zeit – mit Flöten, Glockenspiel und diesen makellosen Harmonien. Klingt sonnig, ist aber eigentlich eine kleine Katastrophengeschichte. Genau dieser Bruch macht den Reiz aus. Kein Feelgood-Track, sondern eher ein musikalischer „Ich will hier raus“-Moment im perfekten Gewand – und Teil des Album-Meisterwerks „Pet Sounds“.


The Mamas & The Papas – „Monday, Monday“

Der Wochenstart hatte selten einen besseren Soundtrack. The Mamas & The Papas verbinden bei „Monday, Monday“ strahlende Harmonien mit einer ziemlich ernüchternden Botschaft. Denn hinter dem sonnigen Klang steckt Misstrauen: „Can’t trust that day“ – nichts ist sicher, schon gar nicht Beziehungen.

Der Montag wird zum Symbol für alles, was kippen kann, ohne Vorwarnung. Genau dieser Kontrast macht den Song so stark: außen leicht, innen ziemlich bitter. Interessant dabei: Der Song erschien 1966 – also kurz vor dem „Summer of Love“. Von Hippie-Euphorie ist hier noch nichts zu hören, eher ein leiser Zweifel am großen Glück.


The Rolling Stones – „Get Off of My Cloud“

Genervt, angefressen, auf Krawall gebürstet: The Rolling Stones lieferten hier die Antwort auf den eigenen Mega-Erfolg „(I Can’t Get No) Satisfaction“. Kaum war der Hit draußen, klopfte die Welt schon nach dem nächsten – und genau daraus entstand dieser Song. Inhaltlich ist das ein klares „Lasst mich in Ruhe“, eine Absage an Erwartungen, Druck und das ständige Beobachtetwerden.

Mick Jagger formuliert das als Trotzreaktion auf eine Gesellschaft, die ihm zu eng erschien. Musikalisch treibt der Song nach vorne, mit diesem ungewöhnlich durchgehenden Drum-Pattern von Charlie Watts, das kaum Luft lässt. Kein gefälliger Hit, sondern eine Ansage. Und genau deshalb so wirkungsvoll.


Roy Black – „Ganz in Weiß“

Während draußen Gitarren kreischten und der Beat die Charts überrollte, kam Roy Black mit einer Hochzeit in Weiß um die Ecke – und traf damit mitten ins Herz eines Millionenpublikums. „Ganz in Weiß“ wirkt fast wie ein trotziges Gegenprogramm zur wilden Zeit: maximal romantisch, maximal geschniegelt, maximal Schlager. Rund 2,5 Millionen Singles wurden verkauft.

Sehr zum Leidwesen seines Protagonisten: Roy Black, bürgerlich Gerhard Höllerich, war ursprünglich mit Beat-Musik gestartet und hoffte auf anderes Repertoire als solche tränenreichen Schnulzen. Doch genau darauf blieb er festgelegt – bis zu seinem frühen Tod 1991. Und das Ironische daran: Er sang diese Lieder schlicht zu gut. Dieser warme Schmelz in der Stimme, dieses mühelose Gleiten durch die Melodie – genau das machte ihn für solche Songs nahezu perfekt.


Drafi Deutscher – „Marmor, Stein und Eisen bricht“

Hier knallt es sofort: Drafi Deutscher bringt ordentlich Beat in den Schlager – und das war damals alles andere als selbstverständlich. „Marmor, Stein und Eisen bricht“ ist simpel, direkt und zündet auf Anhieb. Der Refrain sitzt nach Sekunden und lässt sich kaum abschütteln.

Heute ein Evergreen auf Schlagerpartys und hemmungslosen Mitgröl-Abenden, damals jedoch erstaunlich innovativ im deutschen Pop. Genau diese Mischung aus Druck, Tempo und Eingängigkeit machte den Song damals so groß. Ein Titel, der den Schlager ein Stück weit nach vorne geschoben hat.


Freddy Quinn – „Hundert Mann und ein Befehl“

Hier wird der Ton plötzlich ernster. Freddy Quinn landete mit „Hundert Mann und ein Befehl“ einen der ungewöhnlichsten Hits des Jahres. Die Vorlage kam aus den USA – „The Ballad of the Green Berets“ von Barry Sadler, dort eine patriotische Hymne und Millionenseller. In der deutschen Fassung verschiebt sich der Blick: Statt Pathos spricht der einfache Soldat, zweifelnd, müde, ohne große Parolen.

Zeilen wie „Und ein Weg, den keiner will“ oder „Verbranntes Land – und was ist der Sinn?“ geben dem Ganzen eine andere Färbung. Genau diese Mischung aus Pflichtgefühl und leiser Skepsis traf einen Nerv. Der Song wurde ein Nummer-eins-Hit, parallel schaffte es auch Heidi Brühl mit ihrer Version in die Charts. Ein Titel, der hängen bleibt – gerade weil er nicht laut wird.


Chris Andrews – „Yesterday Man“

Der klingt sofort nach Hit, ohne wenn und aber. Chris Andrews trat hier aus der Songwriter-Ecke ins Rampenlicht – nachdem er zuvor etliche Erfolge für Sandie Shaw oder Adam Faith geschrieben hatte. „Yesterday Man“ mischt britischen Pop mit einem damals noch ungewohnten Ska-Groove, der sofort ins Ohr geht und dort bleibt.

Der Song schoss in mehreren Ländern an die Spitze, auch in Deutschland, und entwickelte sich zum Dauerbrenner. Kein Wunder, dass Andrews das Stück später auf jeder Oldie-Bühne wieder und wieder bringen musste. Diese Leichtigkeit ist trügerisch – das Ding ist präzise gebaut und zündet jedes Mal. Ein Hit, der sich nicht versteckt, sondern breit grinsend nach vorne drängt.


Al Martino – „Spanish Eyes“

Zum Schluss noch ein Hauch von Fernweh und großer Geste. Al Martino macht „Spanish Eyes“ zu einer Hymne der Sehnsucht. Die Melodie stammt erneut vom großen Bert Kaempfert, damals einer der wenigen Weltstars „made in Germany“. Ursprünglich war das Stück ein Instrumental unter dem Titel „Moon Over Naples“, bevor es mit Text zum Welthit wurde.

Und dann ist da diese operettenhafte Stimme Martinos, die jedes Quäntchen Pathos auskostet und den Song zur ultimativen Schnulze seiner Zeit macht. Der Song wurde unzählige Male gecovert und gehört bis heute zu den bekanntesten Standards seiner Zeit. Ein Klassiker, der nie ganz verschwindet und immer wieder neu entdeckt wird.