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„Sehe mich nicht als Deutsche“Deutscher Hollywood-Star spricht über ihre verloren gegangene Heimat

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Sandra Hüller bei einem Auftritt in Cannes.

Sandra Hüller bei einem Auftritt in Cannes. (Archivfoto)

Die für einen Oscar nominierte Schauspielerin Sandra Hüller erklärt im Interview, wie sie ihre Heimat aus dem fernen Hollywood sieht.

Die international erfolgreiche Schauspielerin Sandra Hüller hat sich in einem Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“ überraschend offen zu ihrer Identität geäußert. Die in Suhl geborene und heute in Hollywood gefragte Darstellerin (zuletzt in „Project Hail Mary“) lehnt ab, sich primär als Deutsche zu definieren. „Ich persönlich identifiziere mich nicht als Deutsche. Ich würde sagen, ich sehe mich als thüringische Europäerin oder europäische Thüringerin“, erklärte die 46-Jährige.

Diese klare Positionierung bedeutet für Hüller aber nicht, sich aus der Verantwortung zu stehlen. Wer in Deutschland geboren sei, trage eine gewisse Verantwortung mit sich – „die kann man nicht einfach ignorieren“, betonte sie. Allerdings setzt die Schauspielerin dieser Verantwortung auch Grenzen: Sie weigere sich, sich „jedes Mal für Thüringen und irgendwelche Wahlentscheidungen“ rechtfertigen zu müssen.

Sandra Hüller spricht von der schwierigen Geschichte Deutschlands

Besonders deutlich wird Hüllers emotionale Verbindung zu ihrer Heimatregion in der ehemaligen DDR bei der Frage nach einem vermeintlichen „Schatten“ über Thüringen. Sie antwortet entschieden: „Ich weigere mich, anzuerkennen, dass da ein Schatten drüber liegt. Ich glaube, dass Thüringen mehr kann als das.“ Diese Haltung speist sich auch aus ihrer regelmäßigen Präsenz vor Ort, wo Teile ihrer Familie noch immer leben.

Sandra Hüller posiert für Fotografen beim Fototermin für den Film «Vaterland» während der 79. Internationalen Filmfestspiele in Cannes.

Sandra Hüller hat in Hollywood den Durchbruch geschafft.

Im internationalen Austausch wird Hüller regelmäßig mit ihrer deutschen Herkunft konfrontiert – und damit oft auch mit Deutschlands Geschichte. „Viele Gespräche drehen sich um deutsche Politik in der Vergangenheit und in der Jetztzeit“, berichtet sie. Eine Last, die sie aber zu tragen bereit ist.

Die DDR bleibt räumlich und zeitlich fern

Einen Aspekt ihrer Biografie kann Hüller jedoch nicht verarbeiten: das Heimatgefühl zur DDR ihrer Kindheit. Als Kind in der Nähe von Rudolstadt aufgewachsen, erlebte sie politische Rituale wie das Singen der Staatshymne „Auferstanden aus Ruinen“ – konnte diese aber damals nicht reflektieren. „Das geht nicht, das Land existiert ja nicht mehr“, antwortet sie auf die Frage nach dem Nachhausekommen.

Im Film „Vaterland“ von Pawel Pawlikowski verarbeitet Hüller diese Erinnerungen künstlerisch. Sie lobt den Regisseur dafür, „diese Euphorie, diesen Enthusiasmus des Anfangens" eingefangen zu haben – ein Kindergefühl, das zeitlos bleibt, auch wenn sein historischer Kontext längst verschwunden ist. (mbr)