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ZDF-Talk „Markus Lanz“Klare Prognose: Merz 2029 nicht erneut Kanzlerkandidat

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Journalist Daniel Friedrich Sturm machte bei „Markus Lanz“ deutlich, dass das Amt des Bundeskanzlers längst nicht mehr so attraktiv zu sein scheint wie früher. (Bild: ZDF / Cornelia Lehmann)

Journalist Daniel Friedrich Sturm machte bei „Markus Lanz“ deutlich, dass das Amt des Bundeskanzlers längst nicht mehr so attraktiv zu sein scheint wie früher. 

Bei „Markus Lanz“ spitzte Journalist Daniel Friedrich Sturm die Debatte um die Krise der Union zu und landete mit einer provokanten Beobachtung einen Volltreffer. Seine These sorgte im Studio vor allem für Lacher bei dem ZDF-Moderator.

Nur wenige Tage vor den Landtagswahlen in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern nimmt der Druck in der Union spürbar zu. Zwar hatten sich zuletzt acht CDU-Ministerpräsidenten öffentlich hinter Bundeskanzler Friedrich Merz gestellt, dennoch verstummen die Spekulationen über einen möglichen Kanzlerwechsel nicht.

Bei „Markus Lanz“ wurde die Lage am Abend deshalb zum zentralen Thema: Wie stabil ist Merz noch, und wie tief reicht die Krise in die Partei? Journalist Paul Ronzheimer richtete den Fokus dabei direkt auf den Kanzler und zeichnete ein düsteres Bild: „Die Situation für Friedrich Merz ist so schwer wie es (...) noch nie ein Kanzler hatte in der deutschen Geschichte.“ Ronzheimer wurde konkret: „Er hat Werte, die katastrophal sind (...) und das strahlt eben ab in seine eigene Partei.“

Journalistin Anna Lehmann machte jedoch deutlich, dass sich die Probleme nicht nur auf die Person Merz reduzieren ließen. Auch die Vorhaben der schwarz-roten Koalition würden kaum Zustimmung erzeugen: „Diese Reformen kommen (...) nicht gut an.“ Zudem sei aus ihrer Sicht „kein klarer Plan erkennbar“. Gerade das könne Merz zusätzlich belasten, denn er müsse „jetzt irgendwie versuchen, diese ungeliebten Reformen durchzuziehen (...) und das wird seine Popularität auf keinen Fall erhöhen“. Lehmann ging noch einen Schritt weiter und stellte eine Prognose in den Raum: Merz werde 2029 voraussichtlich nicht mehr als Kanzlerkandidat der CDU antreten.

Daniel Friedrich Sturm: „Ich halte das für nicht mehr reparabel“

Diese Einschätzung fand Rückhalt bei Journalist Daniel Friedrich Sturm. Er sagte mit ernster Miene: „Es ist einfach ein enormer Autoritäts- und Ansehensverfall von Friedrich Merz erkennbar.“ Auch der Brief der acht Ministerpräsidenten sei aus Sturms Sicht keine echte Trendwende, sondern allenfalls ein kurzer Moment der Stabilisierung: Er bedeute lediglich „eine Atempause für Herrn Merz. Die ganzen Vorbehalte und Diskussionen, die es innerhalb seiner eigenen Partei gibt (...), das ist damit nicht weg“. Sturm verschärfte seine Analyse weiter: „Die Ansehensverluste sind so groß, die Stimmung gegenüber Friedrich Merz in der Bevölkerung ist so schlecht – ich halte das für nicht mehr reparabel.“

Deshalb könne es seiner Ansicht nach sogar „ein Befreiungsschlag sein“, wenn Merz ankündige, 2029 nicht noch einmal antreten zu wollen. Dann wurde es im Studio kurz humorvoll, obwohl der Befund eher alarmierend war. Sturm schmunzelte: „Wir sind ja sowieso in ganz bemerkenswerten Zeiten. Im Grunde gibt es ja niemanden - mal von Markus Söder abgesehen -, der Bundeskanzler werden will. Das hatten wir in fast 80 Jahren Bundesrepublik Deutschland noch nie!“ Lanz reagierte lachend: „Das ist ein wirklich guter Punkt.“

Paul Ronzheimer warnt, die CDU sei tief „zerrissen“

Im Anschluss ging es wieder zurück zur CDU selbst und zur Frage, warum eine Partei, die lange als perfekt organisierte Machtmaschine galt, gerade so sichtbar ins Straucheln gerät. Nachdem Ronzheimer davon sprach, die CDU sei inzwischen tief „zerrissen“, machte Daniel Friedrich Sturm parallel eine strukturelle Schwäche aus und kritisierte die „schlechte Kommunikationslinie“ der Partei. Seine Prognose fiel entsprechend klar aus: „Diese kommunikative Disziplinlosigkeit, die wird sich nicht ändern.“

Journalist Paul Ronzheimer zeichnete im Gespräch mit dem ZDF-Moderator ein Bild der Zerrissenheit innerhalb der Union. (Bild: ZDF / Cornelia Lehmann)

Journalist Paul Ronzheimer zeichnete im Gespräch mit dem ZDF-Moderator ein Bild der Zerrissenheit innerhalb der Union.

Anna Lehmann ordnete die Lage breiter ein und sah darin auch ein Symptom des politischen Klimas: „Das zeigt doch auch, wie die Parteien der Mitte von den Rechtspopulisten (...) unter Druck gesetzt werden.“ Zum Schluss lenkte Lanz den Blick auf Berlin und auf mögliche Bündnisse nach der Wahl. Er wollte wissen: „Was für neue Koalitionen werden wir da in Zukunft sehen?“ Daniel Friedrich Sturm sprach dabei insbesondere die Linkspartei an und sagte, sie habe ein großes Problem, „was das Thema Antisemitismus angeht“. Anna Lehmann stimmte in Teilen zu, widersprach aber einer Zuspitzung: „Ja, es gibt Antisemitismus in der Linken. (...) Ich widerspreche allerdings der These, dass diese Gruppen die Linke jetzt übernommen hätten.“ (tsch)