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„Napalm-Mädchen“ im VietnamkriegWas macht eigentlich Kim Phuc?

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Kim Phuc (M.) flieht 1972 nach einem Napalmangriff im Vietnamkrieg – das Foto wurde weltweit bekannt.

Kim Phuc (M.) flieht 1972 nach einem Napalmangriff im Vietnamkrieg – das Foto wurde weltweit bekannt. (Archivbild)

Nach dem weltberühmten Foto aus dem Vietnamkrieg wurde Kim Phuc als „Napalm-Mädchen“ bekannt. So lebt sie heute und hilft anderen.

Das Foto des brennenden, nackten Mädchens auf einer Straße nahe Trang Bang im Jahr 1972 gilt als eines der prägendsten Dokumente des Vietnamkriegs. Die Aufnahme wurde 1973 mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet und machte die damals neunjährige Phan Thi Kim Phuc weltweit bekannt.

Sie überlebte die schweren Verletzungen gegen alle medizinischen Wahrscheinlichkeiten. Das Foto machte Kim Phuc zur weltbekannten Symbolfigur des Vietnamkriegs – doch sie wollte nie auf diese Rolle reduziert werden. Heute setzt sich die 63-Jährige als UNESCO-Sonderbotschafterin und Gründerin einer Hilfsorganisation weltweit für kriegsversehrte Kinder ein.

Die Flucht in die Freiheit

Nach dem Ende des Vietnamkriegs bestimmte die Politik das Leben des jungen Mädchens. Die vietnamesische Regierung nutzte Kim Phuc als Symbol für ihre Propaganda und setzte sie wiederholt für öffentliche Auftritte ein. In dem Buch „Das Mädchen hinter dem Foto: Die Geschichte der Kim Phuc“ von Denise Chong beschreibt sie später, wie sehr die öffentliche Rolle ihr Leben bestimmte: „Ich wurde vom Napalm verbrannt und wurde ein Opfer des Krieges. Aber als ich aufwuchs, wurde ich zu einer anderen Art von Opfer.“

Kim Phuc steht 2007 in Madrid neben dem berühmten Foto des Fotografen Nick Ut, das sie im Alter von neun Jahren nach dem Napalm-Angriff im Vietnamkrieg am 8. Juni 1972 auf der Flucht aus ihrem Dorf zeigt.

Kim Phuc steht 2007 in Madrid neben dem berühmten Foto des Fotografen Nick Ut, das sie im Alter von neun Jahren nach dem Napalm-Angriff im Vietnamkrieg am 8. Juni 1972 auf der Flucht aus ihrem Dorf zeigt. (Archivbild)

Ein Wendepunkt ergab sich während eines staatlich erlaubten Studienaufenthalts in Kuba, wo sie ihren späteren Ehemann kennenlernte. Die ständige öffentliche Vereinnahmung und die Einschränkungen ihres Privatlebens belasteten sie zunehmend. 1992 nutzte das Paar eine technische Zwischenlandung im kanadischen Gander auf dem Rückflug von Havanna nach Moskau, um das Flugzeug zu verlassen und politisches Asyl zu beantragen.

Kim Phuc bei der UNESCO-„Gala der Kinder“ 1998 in Düsseldorf.

Kim Phuc (l) bei der UNESCO-„Gala der Kinder“ 1998 in Düsseldorf. Die in Vietnam geborene Kanadierin war mehrfach in Deutschland zu Gast. (Archivbild)

Seit diesem Schritt lebt Kim Phuc in der Provinz Ontario in der Nähe von Toronto. Sie besitzt längst die kanadische Staatsbürgerschaft, ist verheiratet und Mutter von zwei erwachsenen Söhnen. In einem Interview mit der „Phoenix Society“, einer Organisation für Menschen mit Brandverletzungen, sprach sie über ihr heutiges Familienleben: „Wir haben einander, und wir haben Freiheit.“

Einsatz für Frieden und Hilfe für Kinder

Aus der Rolle des Kriegsopfers hat sich Kim Phuc über die Jahrzehnte gelöst, um ihre unfreiwillige weltweite Bekanntheit für humanitäre Arbeit zu nutzen. „50 Jahre später bin ich kein Kriegsopfer mehr. Ich bin nicht mehr das Napalm-Mädchen. Heute bin ich eine Freundin, eine Helferin, eine Großmutter und eine Überlebende, die sich für den Frieden einsetzt“, sagte sie in einem Interview mit CBS.

Im Jahr 1997 ernannte die UNESCO sie zur Sonderbotschafterin des guten Willens. Seitdem bereist sie die Welt, um in Vorträgen vor den verheerenden Folgen militärischer Konflikte für die Zivilbevölkerung zu warnen.

Kim Phuc erhält 2019 von Prinz Edward, Herzog von Kent, den 10. Internationalen Friedenspreis in der Semperoper.

Kim Phuc erhält 2019 von Prinz Edward, Herzog von Kent, den 10. Internationalen Friedenspreis in der Semperoper. (Archivbild)

Um dieser Arbeit ein festes Fundament zu geben, gründete sie die Kim Foundation International. Die Organisation sammelt Spenden, mit denen medizinische Behandlungen, Prothesen und psychologische Betreuungsangebote für Kinder in aktuellen Krisengebieten finanziert werden.

Der lange Kampf gegen den Schmerz

Die körperlichen Spuren des Angriffs vom Juni 1972 begleiteten sie fast ihr gesamtes Leben. Das Napalm hatte große Teile ihrer Körperoberfläche verbrannt und machte in der Jugend 17 schmerzhafte Hauttransplantationen notwendig. Neben den tiefen Narben litt Kim Phuc über Jahrzehnte unter chronischen Schmerzen und stark eingeschränkter Beweglichkeit.

Der Kriegsfotograf Perry Kretz steht bei der Ausstellung „Augen auf und durch!“ im Stadtmuseum Schleswig neben dem berühmten Foto von Kim Phuc, das die damals neunjährige Vietnamesin nach dem Napalm-Angriff im Vietnamkrieg zeigt.

Der Kriegsfotograf Perry Kretz steht bei der Ausstellung „Augen auf und durch!“ im Stadtmuseum Schleswig neben dem berühmten Foto von Kim Phuc, das die damals neunjährige Vietnamesin nach dem Napalm-Angriff im Vietnamkrieg zeigt. (Archivbild)

Erst ein jahrelanger Behandlungsmarathon in einer dermatologischen Spezialklinik in Miami brachte spürbare Erleichterung. Durch moderne Lasertherapie konnte das narbige Gewebe so weit gelockert werden, dass die Schmerzen deutlich zurückgingen und sie ein großes Stück Lebensqualität zurückgewann.

Späte Ehrungen auf der Weltbühne

Dass ihre Botschaft von Versöhnung und Frieden nichts an Aktualität verloren hat, zeigt ihre anhaltende Präsenz auf internationalem Parkett. Bei ihren jüngsten Auftritten 2025 wurde ihr Schaffen gleich mehrfach gewürdigt.

Königin Letizia von Spanien und Kim Phuc bei der Verleihung der UNICEF España Awards 2025 im Forschungszentrum CSIC in Madrid.

Königin Letizia von Spanien und Kim Phuc bei der Verleihung der UNICEF España Awards 2025 im Forschungszentrum CSIC in Madrid. (Archivbild)

Im Oktober nahm sie in Madrid aus den Händen von Königin Letizia den Premio UNICEF España 2025 in der Kategorie Joaquín Ruiz-Giménez entgegen. In ihrer Dankesrede sagte sie: „Wir dürfen niemals die verheerenden Auswirkungen des Krieges auf Kinder vergessen.“

Wenige Tage zuvor war sie bereits am Randolph College im US-Bundesstaat Virginia mit dem Pearl S. Buck Award ausgezeichnet worden. Die Hochschule würdigte damit ihren jahrzehntelangen Einsatz für Kinder, die Opfer von Krieg, Gewalt und Armut geworden sind.