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„Tatort“-Star ist 90Was macht eigentlich Charles Brauer?

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Charles Brauer lacht in die Kamera.

Charles Brauer ist auch mit 90 Jahren immer noch im Fernsehen zu sehen. (Archivbild)

Der beliebte „Tatort“-Schaupieler denkt mit 90 nicht ans Aufhören und ist auch 2026 immer noch sehr präsent.

Es gibt Gesichter, die sich so tief in das kollektive Gedächtnis eingebrannt haben, dass man meint, die Menschen dahinter persönlich zu kennen. Charles Brauer ist so ein Fall. Wer den Schauspieler sieht, hört nicht selten sofort die Melodie von „Bye Bye Blackbird“ im Kopf – aus der letzten „Tatort“-Folge „Tod vor Scharhörn“ des Kommissar-Duos Stoever und Brockmöller – und sieht ihn neben dem Klavier spielenden Manfred Krug. Doch wer Charles Brauer im Jahr 2026 begegnet, trifft nicht auf einen Mann, der in Nostalgie erstarrt ist. Ganz im Gegenteil.

Charles Brauer: Von Berliner Trümmern zur TV-Legende

Die Karriere von Charles Brauer begann dort, wo andere nur Elend sahen: in den Trümmerstraßen des Nachkriegsberlins. Bereits als Zehnjähriger wurde er entdeckt, und seitdem hat ihn die Schauspielerei nicht mehr losgelassen. Mehr als 130 Produktionen umfasst seine Laufbahn, zuletzt stand er 2025 für das Dokudrama „Auf hoher See – von pauschal bis Superluxus“ vor der Kamera.

Charles Brauer und Manfred Krug alias Peter Brockmöller und Paul Stoever.

Gehören auch heute noch zu den beliebtesten „Tatort“-Kommissaren: Charles Brauer und Manfred Krug alias Peter Brockmöller und Paul Stoever. (Archivbild)

Längst ist Brauer eine Institution. Dass er 15 Jahre lang als Kommissar Brockmöller an der Seite des seligen Manfred Krug Verbrecher jagte, ist heute Fernsehgeschichte – doch auf den Lorbeeren seiner „Tatort“-Zeit wollte er sich nie ausruhen. Auch nicht nach seinem 90. Geburtstag am 3. Juli 2025.

Ein volles Programm mit 90 Jahren

Während andere in seinem Alter den Lebensabend genießen, scheint Brauer gerade erst richtig aufzudrehen. „Ich fühle mich sehr gut und habe das Glück, noch sehr gut beieinander zu sein und keine wirklich schweren gesundheitlichen Macken zu haben“, sagte er im Gespräch mit t-online. Im November 2025 stand er noch auf der Bühne des Ernst-Deutsch-Theaters in Hamburg und bewies in „Dienstags bei Morrie“, dass seine Präsenz nichts an Kraft verloren hat. Im Dezember folgte „Die Weihnachtslesung“ im Leipziger Kupfersaal.

Charles Brauer auf der Bühne.

Charles Brauer sagte im Gespräch mit „t-online“, er fühle sich sehr gut und habe das Glück, noch sehr gut beieinander zu sein und keine wirklich schweren gesundheitlichen Probleme zu haben. (Archivbild)

Wer ihn in diesem Jahr live erleben will, sollte sich zunächst den kommenden Freitag vormerken: Am 23. Januar 2026 ist er zu Gast beim „Kölner Treff“ im WDR. In der Runde mit Moderatorin Susan Link wird er ab 22.00 Uhr sicher erklären, woher er die Energie nimmt, mit der er nach wie vor das Publikum begeistert.

Die Stimme, die bleibt

Auch abseits der Kameras und Scheinwerfer bleibt er präsent. Als deutsche Stimme von John Grisham hat er eine ganz neue Fangemeinde gewonnen. Und die Nachfrage reißt nicht ab: Für März 2026 ist bereits die Veröffentlichung des nächsten Hörbuchs „Das Vermächtnis“ angekündigt. 

Charles Brauer und Danny Exnar bei der Fotoprobe zum Theaterstück „Dienstags bei Morrie“ auf der Bühne des Ernst-Deutsch-Theaters.

Charles Brauer und Danny Exnar bei der Fotoprobe zum Theaterstück „Dienstags bei Morrie“ auf der Bühne des Ernst-Deutsch-Theaters. (Archivbild)

Auch zu aktuellen „Tatort“-Folgen hat Brauer eine klare Meinung: „Der ‚Tatort‘ ist inflationär geworden. Es ist viel zu viel. Mittlerweile wissen die Leute manchmal nicht mal mehr, ob das jetzt noch eine neue Folge ist oder eine Wiederholung“, sagte er im vergangenen Jahr zu t-online.

Gefragt nach dem Älterwerden, reagiert Brauer mit jener nordisch-hanseatischen Gelassenheit, die man ihm so gut abnimmt. „Ich habe immer gut gelebt, aber nie exzessiv und vielleicht war das einer der Gründe“, antwortete der Schauspieler auf die Frage, ob auch sein Lebensstil für sein hohes Alter verantwortlich sei.

Charles Brauer mit Ehefrau Lilot Hegi bei der Verleihung des Deutschen Schauspielpreises 2024 im Club Theater Berlin.

Charles Brauer mit Ehefrau Lilot Hegi bei der Verleihung des Deutschen Schauspielpreises 2024 im Club Theater Berlin. (Archivbild)

Auch abseits von Bühne und Fernsehstudio geht es Charles Brauer gut. Privat hat er seit vielen Jahren festen Halt: Brauer ist mit der Bühnenbildnerin Lilot Hegi verheiratet. Gemeinsam leben sie in der Schweiz, wo sie sich bewusst ein Leben jenseits des Medienrummels aufgebaut haben. Das Paar hat einen gemeinsamen Sohn.

Brauer ist das beste Beispiel dafür, dass Leidenschaft kein Verfallsdatum hat. Er ist kein Mann der großen Abschiede, sondern der nächsten Projekte. Wer ihn am 23. Januar im Fernsehen sieht, wird eines merken: Dieser Mann hat noch viel zu erzählen.