Ihre Stimme wird im deutschsprachigen Pop vermisst: Im ZDF erklärte Judith Holofernes jetzt die gesundheitlichen Hintergründe. Außerdem verriet die ehemalige Wir-sind-Helden-Frontfrau, wie sie heute ihr Geld verdient.
Mit Wir sind Helden wurde sie berühmtJudith Holofernes kann „seit acht Jahren nicht mehr singen“

Judith Holofernes war zu Gast bei „Volle Kanne“ im ZDF. (Bild: ZDF)
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„Guten Tag, guten Tag, ich will mein Leben zurück.“ Mit diesem Slogan traten Wir sind Helden Anfang der Jahrtausendwende auf den Plan. Die in Hamburg beheimatete Pop-Band eroberte die Charts, räumte Newcomer-Preise ab und war ein oft gesehener Musikgast in der „Harald Schmidt Show“. Viel mehr war mit ihrem nonkonformistischen Ansatz vermutlich nicht zu erreichen.
2012 legten die Band-Mitglieder ihre Zusammenarbeit auf Eis. „Wir haben uns eigentlich weggeschlichen“, sagte Sängerin Judith Holofernes jetzt als Gast im ZDF-Magazin „Volle Kanne“. „Wir haben uns nie offiziell aufgelöst, weil wir es zu harsch fanden, aber wir haben einfach nie wieder was gemacht.“
Angesprochen auf ein mögliches Comeback wiegelte die 49-Jährige in der ZDF-Sendung ab. „Ich kann seit acht Jahren nicht mehr singen“, gab sie im Gespräch mit Moderatorin Nadine Krüger zu verstehen.
Judith Holofernes musste letzte Tour abbrechen: „Das war sehr traurig“

Anfang des Jahrtausends feierten Wir sind Helden große Erfolge. (Bild: 2005 Getty Images/MJ Kim)
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Der Hintergrund: 2017 wurde Judith Holofernes schwer krank. Auch wenn die Ursachen nicht letztlich geklärt wurden, vermutet sie eine Meningitis, also eine Hirnhautentzündung hinter ihren Beschwerden. Im selben Jahr entwickelte die Musikerin eine Stimmstörung, die wahrscheinlich neurologischen Ursprungs war und bis heute anhält.
„Ich musste meine Solo-Karriere, die ich auch sehr geliebt habe, sozusagen abbrechen“, erinnerte sich die gebürtige Berlinerin am Donnerstag im ZDF. Ihre letzte Tour konnte sie nicht mehr wie geplant spielen: „Das war sehr traurig.“ Inzwischen habe sie zu ihrem Handicap aber eine „halbwegs“ entspannte Haltung gefunden, sie probiere vieles, aber versuche dabei „nicht zu krampfen“.
Solange sie beim Frühstück zum Radio mitsingen könnte, sei „das Wichtigste abgedeckt“, sagte Holofernes. „Aber ich kann nicht mehr mit meiner Stimme arbeiten.“ Wie früher werde es nicht mehr werden: „Ich werde so bald nicht bei Rock am Ring auf der Bühne stehen.“
„Ich habe einen Haufen von Mäzenen“
Beschäftigungslos ist die zweifache Mutter und praktizierende Buddhistin aber nicht: „Gott sei Dank kann ich schreiben und habe damit auch so viel Spaß“, bekräftigte sie bei „Volle Kanne“. Ihre kreative Arbeit ist aktuell vor allem durch Crowdfunding finanziert. „Ich habe einen Haufen von Mäzenen, die mir von drei Euro bis x Euro Geld geben im Monat und dafür unterschiedliche Bespaßungen kriegen“, beschreibt sie das Prinzip. Unter anderem produziert sie Podcasts, schreibt Essays, gestaltet Postkarten und Artworks.
Und auch Bestseller-Autorin ist Judith Holofernes. Zuletzt erschien ihr autobiografisches Buch „Hummelhirn“ über ihre Familie und ihre Kindheit mit ADHS in den 70er-Jahren. Die Diagnose wurde Holofernes allerdings erst mit Mitte 40 gestellt. (tsch)
