Der siebte Saarbrücken-“Tatort: Das Böse in Dir“ führte Kommissarin Esther Baumann (Brigitte Urhausen) nach Jahrzehnten zurück in ihr Heimatdorf. Dort leben zwei verfeindete Lager. Streitpunkt ist unter anderem die Frage, was mit den alten Gruben passiert. Ein hochaktuelles Thema ...
Nach dem Saarbrücken-“Tatort“Warum ist die Flutung von alten Stollen umstritten?

Das Team aus dem Saarbrücken-“Tatort“ (von links: Daniel Sträßer, Ines Marie Westernströer, Brigitte Urhausen und Vladimir Burlakov) ermittelte diesmal an der Nähe der französischen Grenze. (Bild: SR/Manuela Meyer)
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Ein Jahr mussten sich die Zuschauerinnen und Zuschauer gedulden, bis der Cliffhanger aus dem sechsten Saarbrücken-“Tatort: Das Ende der Nacht“ aufgelöst wurde. Seit Sonntagabend ist nun klar, was viele schon vermutet hatten: Kommissar Leo Hölzer (Vladimir Burlakov) hat die Explosion am Ende des letzten Krimis überlebt.
Der „Tatort: Das Böse in Dir“ (Regie: Luzie Loose, Buch: Daniela Baumgärtl, Kim Zimmermann) begann an seinem ersten Arbeitstag, der schnell erneut eine persönliche Richtung einschlug: In Hohenweiler, einem Dorf an der französischen Grenze, wurde ein toter Mann gefunden. „Da bin ich aufgewachsen“, gestand Kommissarin Esther Baumann (Brigitte Urhausen) ihren Kollegen.

„Tatort: Das Böse in Dir“ konfrontierte Kommissarin Esther Baumann (Brigitte Urhausen) mit ihrer Vergangenheit. Kommissar Leo Hölzer (Vladimir Burlakov) stand ihr, so gut es ging, bei. (Bild: SR/Manuela Meyer)
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Dass es sich offensichtlich um keine schöne Kindheit gehandelt hat, wurde dem TV-Publikum wie auch Esthers Kollegen Leo, Adam Schürk (Daniel Sträßer) und ihrer Kollegin Pia Heinrich (Ines Marie Westernströer) schnell klar: „Es gibt die Familie Feidt und die Familie Louis. Sie hassen sich bis aufs Blut“, erklärte Esther: „Immer schon! Wenn ein Feidt einen Unfall baut, hat ihm ein Louis die Vorfahrt genommen. Und wenn einem Louis ein Baum auf den Kopf fällt, hat ein Feidt ihn vorher angesägt. Dann gibt's Rache.“
Worum ging es im „Tatort: Das Böse in Dir“?
Einem Racheakt, so die anfängliche Vermutung, fiel auch Emil Feidt zum Opfer: Der IT-Unternehmer wurde erstochen vor seinem Wagen in einem Waldstück gefunden. Der Sohn des Opfers, Peter Feidt (Albert Lichtenstern), beschuldigte die Louis-Familie: „Meine kleine Schwester wurde auch umgebracht von Claire Louis.“ Becky Feidt war fünf Jahre zuvor tot in einem Fluss gefunden, an dessen Ufer sie sich regelmäßig mit ihrer besten Freundin Claire Louis traf.

Hauptkommissar Leo Hölzer (Vladimir Burlakov, links) wollte wissen, warum Peter Feidt (Albert Lichtenstern) glaubte, den Mörder seines Vaters zu kennen. (Bild: SR/Pasquale D‘Angiolillo)
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Dass Peter Feidt mit dieser Anschuldigung zumindest teilweise recht hatte, wurde erst gegen Ende des 90-Minüters klar: Claire Louis (Carolin Wege) und Becky Feidt, so stellte sich heraus, waren einst ein Paar. Doch dann habe Becky die Beziehung beendet, berichtete Claire: „Ich hab sie geschubst. Ich war so sauer. Ich hab sie geliebt, und dann hat sie Schluss gemacht, und dann hab ich sie gehasst.“ Der Barbesitzer Clemens Scherf (Fabian Stumm) wurde zufällig Zeuge des Ereignisses und war überzeugt: „Das war ein Unfall!“ Claire habe nicht gewollt, dass Becky stirbt: „Ich hab ihr eingeschärft, dass sie nichts sagen darf, dass sie nie da gewesen ist. Wir hatten doch endlich Frieden!“
Was er nicht wusste: Emil Feidt hatte eine Spionage-Software auf Claires Handy installiert und konnte ihre Nachrichten mit Clemens mitlesen. Er griff Clemens an, der wehrte sich, und Emil Feidt starb.
Worum ging es wirklich?
Neben dieser tragischen Geschichte schnitt der „Tatort: Das Böse in Dir“ allerdings noch ein aktuelles gesellschaftliches Thema an: Emil Feidt hatte zu Lebzeiten eine Bürgerinitiative gegründet, die gegen die geplante Flutung der alten Kohlegruben protestierte.

In ihrer Heimat traf Esther Baumann (Brigitte Urhausen, rechts) nach vielen Jahren wieder auf ihre einstige große Liebe Katja Scherf (Franziska Wulf). (Bild: SR/Manuela Meyer)
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Sven Louis (Robert Nickisch), Esthers Bruder, war als ehemaliger Bergmann auf der anderen Seite: Die „Stiftung Ewigkeit“ habe sich als einziges um ihn gekümmert: „Sie haben mir die Rente pünktlich überwiesen, haben mir zum Geburtstag gratuliert.“ Denn wie viele andere Bergleute in der Region hatte er seinen Job verloren, als die Gruben geschlossen wurden.
Was spricht gegen die Grubenflutung?
Ein Pilotprojekt im Saarland sieht vor, stillgelegte Kohlegruben zu fluten. Seit den 1990-ern wurden diese aus Sicherheits- und Rentabilitätsgründen geschlossen, die letzte davon im Jahr 2012. In den geschlossenen Gruben sammelte sich Wasser, meist Regenwasser, an. Dieses muss seither permanent abgepumpt werden, denn das steigende Wasser gefährdet die Stabilität des Untergrunds und damit auch bebaute Gebiete. Zudem finden sich unter Tage hochtoxische Substanzen, die das Grubenwasser verschmutzen. Nicht zuletzt aus Kostengründen wurde seit 2014 die kontrollierte Grubenflutung als Alternative diskutiert.

Hauptkommissar Leo Hölzer (Vladimir Burlakov, rechts) hatte große Mühe, Peter Feidt (Albert Lichtenstern, zweiter von rechts) und Jochen Louis (Gode Benedix) auseinanderzuhalten. (Bild: SR/Manuela Meyer)
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Doch es gibt Bedenken: Manche befürchten, dass das Grubenwasser bis in jene Schichten ansteigen könnte, aus denen Trinkwasser entnommen wird, welches somit verseucht wäre. Fachleute warnten außerdem vor möglichen Gefahren durch erwartende Salzkonzentration neben dem Eisengehalt im Grubenwasser. Die Folge waren zahlreiche Proteste in der Bevölkerung, aber auch innerpolitische Diskussionen.
Wie ist die Lage aktuell?
Im November 2025 meldete die „Saarbrücker Zeitung“: „Nach langem juristischen Streit ist die Grubenflutung nun rechtskräftig. In wenigen Wochen wird Wasser in ehemaligen Bergwerken im Saarland ansteigen.“ Das Vorhaben ist allerdings an klare Bedingungen geknüpft: Die Flutung muss permanent überwacht werden. Spezielle Anlagen sollen das Grubenwasser außerdem von Schadstoffen befreien.
Durch die kontrollierte Flutung wollen die Verantwortlichen unter anderem die Absenkung der Böden stoppen. Sie erhoffen sich sogar eine weitflächige Hebung. Während der Flutung, so schreibt die Zeitung weiter, könne es zwar zu Erschütterungen kommen, nach Abschluss des Verfahrens soll das Erschütterungsrisiko allerdings gebannt sein. Eine Trinkwassergefährdung schließen die Gutachten aus, weil das Grubenwasser weiterhin unterhalb der Gesteinsschichten bleibt, aus denen Trinkwasser gewonnen wird.
Gegner bleiben skeptisch: Sie sehen in den Maßnahmen ein reines Kostenersparnis. Gefahren könnten nie hundertprozentig ausgeschlossen werde. Auch fürchten sie, im Schadensfall auf den Kosten sitzen zu bleiben.
Wie geht es im Saarland-“Tatort“ weiter?
All diese Bedenken und Pläne wurden im „Tatort“ nur kurz, vielleicht sogar zu kurz angerissen. Stattdessen konzentrierte sich der Film auf die Vergangenheit von Esther Baumann, die, wie das Publikum am Ende erfährt, einst eine ähnliche lesbische Beziehung führte wie Claire und Becky. Ihre einstige große Liebe Katja Scherf (Franziska Wulf) heiratete später Clemens und bekam mit ihm einen Sohn.
Clemens starb am Ende des Films an einer Stichverletzung, die ihm ein Mitglied der Feidt-Familie zugefügt hatte. Ob Esther und Katja sich in einem späteren Film wiedersehen werden, bleibt abzuwarten. Es scheint allerdings, als rückten die beiden Ermittlerinnen auch künftig mehr in den Vordergrund: Pia leidet offensichtlich noch immer unter den Geschehnissen aus dem vorherigen Fall.
Der nächste „Tatort“ aus dem Saarland dürfte frühestens Anfang 2027 im Ersten zu sehen sein. Genaue Informationen gibt es noch nicht. (tsch)
