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Opfer von Internet-Hass befürchtet in ZDF-Doku„Irgendwann habe ich ein Messer im Rücken“

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Kevin Plath wurde unter anderem dank Reality-TV-Formaten und als Influencer bekannt. Immer wieder steht er im Zentrum von Online-Hass.  (Bild: ZDF / Jürgen Todt)

Kevin Plath wurde unter anderem dank Reality-TV-Formaten und als Influencer bekannt. Immer wieder steht er im Zentrum von Online-Hass. (Bild: ZDF / Jürgen Todt)

„Es ist absurd, dass ich damit umgehen muss“: Ein Influencer teilt in einer ZDF-Doku seine schlimmen Erfahrungen mit Online-Hass. Davon kann auch TV-Star Riccardo Simonetti ein Lied singen.

Mit dem Traum vom Fußballprofi klappte es für Kevin Plath nicht ganz. Sein selbst gestecktes Ziel, im Reality-TV zu landen, schaffte er dafür. Doch seine Bekanntheit will der Influencer nicht nur für Kooperationen nutzen. „Ich hatte immer in meiner Vision, dass ich ins Reality gehe, dass ich Reichweite bekomme und mich für die richtigen Dinge einsetze“, erklärt er in der ZDF-Doku „Hass im Netz“ (ab sofort zum Streamen verfügbar).

Immer wieder sei er Opfer von Beleidigungen im Netz, so Plath. Besonders der Auftritt in einer Politshow vor der vergangenen Bundestagswahl samt Interview mit Alice Weidel habe hohe Wellen geschlagen. „Die Menschen sind wirklich durchgedreht“, blickt Plath in der Doku zurück. Doch zu den positiven Wortmeldungen mischten sich immer mehr Hasskommentare. Weil der 23-Jährige eine schwarze Hautfarbe hat, wurde er Opfer rassistischer Verunglimpfungen, etwa: „Du gehörst auf die Baumwollplantage.“

Riccardo Simonetti will im Kampf gegen Hass-Kommentare ein Vorbild für andere Betroffene sein. (Bild: ZDF / Marius Köhn)

Riccardo Simonetti will im Kampf gegen Hass-Kommentare ein Vorbild für andere Betroffene sein. (Bild: ZDF / Marius Köhn)

„Es ist absurd, dass ich damit umgehen muss“, beklagt Plath im ZDF-Film von Julia Lösch und Rebecca Kirkland. „Ich habe ja nichts getan, außer dass ich schwarz bin.“ Zwar habe er immer wieder Anzeige bei der Polizei erstattet, doch es sei „unfassbar schwer, durchzublicken“, wie es danach weitergeht, verzweifelte Kevin Plath schon mehrfach am deutschen Justizsystem. Die Sorge jedoch schwingt immer mit. „Irgendwann habe ich ein Messer im Rücken“, habe er einmal einem Freund gesagt, teilt der 23-Jährige.

Riccardo Simonetti will Vorbild im Kampf gegen Online-Hass sein

Opfer digitaler Gewalt finden bei der Hilfsorganisation Hate Aid Zuflucht. Doch die Arbeit gegen die Großkonzerne, gerade in den sozialen Medien, ist schwierig - und bleibt nicht ungesehen. Die USA verhängten sogar ein Einreiseverbot gegenüber Geschäftsführerin Josephine Ballo. „Das bewerten wir ganz klar als Einschüchterungsversuch“, sagt sie. „Es handelt sich um einen Kulturkampf um die Macht im digitalen Raum.“

Internet-Hass gehört leider auch für Riccardo Simonetti zum Alltag. „Ich weiß manchmal nicht, ob das Internet es einfach nur liebt, zu hassen“, grübelt der TV-Star. „Es wäre gelogen, wenn ich behaupten würde, dass ich nicht auch Tage hätte, an denen ich total verletzt bin und mein Handy nicht einmal in die Hand nehmen möchte.“ Dennoch versuche er, für andere Opfer digitaler Gewalt ein Vorbild zu sein, wie es für ihn Madonna oder Lady Gaga gewesen seien. Simonetti erklärt: „Ich hoffe sehr, dass ein Umdenken stattfindet und Menschen wieder lernen, menschlicher miteinander umzugehen.“ (tsch)