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Sandra Maischberger will in Talkshows „netter“ werden - „als Reaktion auf das Geschrei im Internet“

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Sandra Maischberger findet: Talkshows spiegeln die Gesellschaft wider. (Bild: WDR/Thomas Kierok)

Sandra Maischberger findet: Talkshows spiegeln die Gesellschaft wider. (Bild: WDR/Thomas Kierok)

Angesichts der Dinge, die sie in und nach ihren Talkshows erfährt, fällt es Sandra Maischberger immer schwerer, „nicht zu düster“ zu werden. Das sagt die Moderatorin im U-Boot-Talk „Käpt'ns Dinner“. Immerhin werde vor der Kamera bei ihr und Kollegen der Tonfall freundlicher.

Hat sich die Diskussionskultur in den politischen Talkshows verändert? Als Jubiläumsgast der 100. Folge „Käpt'ns Dinner“ im NDR antwortet Sandra Maischberger darauf mit einer Gegenfrage. „Hat sich die Gesellschaft verändert in den letzten 40 Jahren?“, entgegnet die ARD-Polit-Talkerin Gastgeber Michel Abdollahi und fügt an: „Ja. Der Talk macht im Prinzip das, was die Gesellschaft macht. Wir sind natürlich ein bisschen überspitzt, ein bisschen mehr inszeniert. Aber wir spiegeln den Ton der Gesellschaft wider.“

Das, so Maischberger weiter, sei nicht unbedingt etwas Schlechtes. In der BR-Jugendsendung „Live aus dem Schlachthof“ habe sie in den 80er-Jahren einmal „durchgekämpft“, einen offen schwulen Gast zum Thema Homosexualität zu interviewen. „Das durften wir nur, wenn ein Vertreter der katholischen Kirche dabei war.“ Im Kern habe es damals eine stark konservative Grundstimmung in der Gesellschaft gegeben, die habe man erst durchbrechen müssen.

Maischberger: „Der Talk in dem Maße wie die Gesellschaft sich verändert“

Sandra Maischberger ist Jubiläumsgast bei „Käpt'ns Dinner“ im NDR. (Bild: NDR / Marc Huth)

Sandra Maischberger ist Jubiläumsgast bei „Käpt'ns Dinner“ im NDR. (Bild: NDR / Marc Huth)

„Ich glaube, wir bilden ab“, überlegt Maischberger bei „Käpt'ns Dinner“. „Deshalb verändert sich der Talk in dem Maße wie die Gesellschaft sich verändert.“ Allerdings beobachte sie auch eine mediale Gegenbewegung zur allseits beklagten Verrohung der Debattenkultur: „Werden wir im Talk gerade ein bisschen netter zueinander? Ich glaube ja“, meint die 59-Jährige. „Als Reaktion auf das Geschrei und diesen Hass, den wir im Internet haben.“

Mit Blick auf die politische Weltlage räumt die in München geborene und in Italien aufgewachsene Journalistin ein, dass ihr der Optimismus zunehmend schwerfalle. „Natürlich mache ich mir Sorgen, ich finde es wirklich beunruhigend“, bestätigt sie. „Nach der Sendung gibt es manchmal Gespräche mit Gästen, wo du dann in so eine Spirale kommst und andere Szenarien auftauchen, und dann gehst du nach Hause und denkst: So viel Schnaps kann ich gar nicht trinken, um nicht selber zu düster zu werden.“

Das aber verbiete sich. Erst recht, „wenn man Kinder hat, die gerade anfangen.“ Ihr Sohn, den sie mit ihrem Ehemann, dem Kameramann Jan Kerhart, hat, sei 19. „Da denke ich mir immer: Lass den bitte nicht zu tief blicken in das, was ich mir so vorstelle.“

Die 100. Folge „Käptn's Dinner“ mit Jubiläumsgast Sandra Maischberger ist am Freitag, 17. April, um 0 Uhr im NDR-Fernsehen zu sehen. (tsch)