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Von den Türmen bis zu den BänkenKirche St. Nikolaus in Leverkusen ist rundum erneuert

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Die Kirche St. Nikolaus in Neuboddenberg

Die Kirche St. Nikolaus in Neuboddenberg ist nach zwei Jahren Arbeit saniert. An der nach Südwesten ausgerichteten Portalseite gab es besonders viel zu tun.

Die neoromanische Kirche an der Berliner Straße wirkt trotz ihrer 131 Jahre seit der Sanierung fast wie neu.

An der Ostseite der Kirche St. Nikolaus in Neuboddenberg sind Gärtner damit beschäftigt, letzte Arbeiten für die feierliche Wiedereröffnung am kommenden Sonntag zu erledigen. Das Gerüst, das fast zwei Jahre lang den Blick auf die Fassade verdeckte, ist seit einiger Zeit wieder abgebaut. Der Blick ist frei auf das restaurierte und in Teilen neu verfugte Backsteinmauerwerk der Kirche, das in einem frischen, kräftigen Rot in der Aprilsonne strahlt.

Über die kleine Holztür an der Westseite ins Innere gelangt, sind dort Orgeltöne zu hören. Einzele Töne wie auf einer Tonleiter wechseln sich mit kurzen Tonfolgen ab. Josef Potthoff vom gleichnamigen Orgelbauer aus Kürten-Dürscheid intoniert die neue Orgel von St. Nikolaus. Direkt links, wenn man vom Hauptportal in Richtung Altar schaut, scheint Tageslicht durch ein schmales Fenster in eine kleine Nische – wie von 1895 bis Anfang der 1960er-Jahre, als das Fenster bei einer damaligen Sanierung zugemauert und anschließend seine Existenz gründlich vergessen wurde.

Das wiedergefundene Fenster in der früheren Taufstein-Nische

Das wiedergefundene Fenster in der früheren Taufstein-Nische

Das Fenster entdeckten die Restauratoren bei den jetzigen Restaurierungsarbeiten jedenfalls im September 2024 wieder. Sogar die ursprüngliche Bemalung mit floraler Ornamentik war noch erhalten. Die Frage war nur: Wie wird das Fenster selbst gestaltet? Die Restauratoren hätten es am liebsten gesehen, wenn das erhaltene alte Fenster wieder eingesetzt worden wäre. Es zeigt die Taufe Jesu durch Johannes den Täufer. Das Problem ist allerdings, dass dieses eben seit den 1960er-Jahren als Teil eines viel größeren Fensters im rechten Seitenschiff Verwendung fand, dort, wo seitdem auch der Taufstein aus der mittelalterlichen Vorgängerkirche von St. Nikolaus steht.

Die Restauratoren behalfen sich nach Schilderung von Wolfgang Müller, Kirchenvorstandsvorsitzender der Gemeinde, mit einem Kunstgriff. Sie fertigten eine Fotografie des Originals an und übertrugen diese auf neues Fensterglas. Und so ist die exakt gleiche Darstellung der Taufe Jesu nun an zwei Stellen in der Kirche zu betrachten. Rechts in der Nische mit dem wiederentdeckten Fenster, wo einst auch der uralte Taufstein stand, und links am aktuellen Standort des Taufsteins. 

Müller ist beim Rundgang die Freude über die frisch sanierte und restaurierte Kirche anzumerken. Immerhin hatte die Kirchengemeinde vor 18 Jahren bereits mit der Planung der Sanierung angefangen. Auch da war der 71-Jährige bereits Kirchenvorstandschef. Ursache für die Sanierung sei das durch lange Risse stark gefährdete Innengewölbe der Kirche gewesen, berichtet er. Die summierten sich auf eine Gesamtlänge von mehr als 500 Metern. Jetzt ist davon nichts mehr zu sehen. Das Gewölbe ist komplett ausgemalt. Sterne aus Blattgold glitzern auf Blau. 

Hauptschiff der Kirche St. Nikolaus

Zuganker sichern das Kirchengewölbe.

Das Gewölbe im Hauptschiff ist mit Auflasten und Zugankern stabilisiert. Zuganker sind auch in den Bögen zu den Seitenschiffen zu sehen. In 6000 Bohrungen verpresserter Spezialkleber sorgt zusätzlich für Stabilität. Den aufwändigen Arbeiten innen entsprechen die komplexen Sanierungseingriffe am Dach außen. Der Dachschiefer wurde repariert, alle Dachgauben erneuert, Fallrohre und Rinnen ausgewechselt und ein neuer Blitzschutz installiert. Die beiden Türmchen über dem Kirchenportal mussten wegen erheblicher Feuchtigkeitsschäden komplett saniert, an der Westseite der Kirche Backsteine wegen Witterungsschäden ausgetauscht werden. 

Ein Mann zeigt auf eine Marienstatue in einer Kirche.

Die Madonna mit der Mondsichel, die der Kirchenvorstandsvorsitzende Wolfgang Müller hier zeigt, ist eines der wenigen Ausstattungsstücke, das aus der mittelalterlichen Vorgängerkirche erhalten geblieben ist.

Die Feuchtigkeit gerade an dieser Seite aus dem Mauerwerk der Kirche herauszubekommen, war auch deshalb wichtig, weil hier über dem Kirchenhaupteingang die Orgel steht, erläutert Müller. Wer vom Altarraum in Richtung Eingangsportal blickt, sieht die neuen Orgelpfeifen. Sie steigen in der Größe vom Zentrum zu den beiden Seiten an und lassen so den Blick frei auf die Fensterrosette in der Portalwand, die die heilige Cäcilia beim Orgelspiel zeigt. Auch das eine Vorgabe der Denkmalschützer beim Landschaftsverband Rheinland. Denn die neoromanische Backsteinbasilika ist seit 1987 ein Baudenkmal.

Die Orgel erfüllt Müller mit besonderer Freude, denn das Vorgängerinstrument war nicht mehr zu sanieren. Müller: „Das ist eine gebrauchte Orgel aus der ehemaligen Kirche St. Maria Königin in Bergisch Gladbach-Frankenforst. Wir konnten sie für 5000 Euro  erwerben. Wenn wir eine neue Orgel gekauft hätten, hätte uns das sicher mehrere Hunderttausend Euro gekostet.“ Zudem hatte die alte Orgel nur zwölf Register, das neue Instrument hingegen 21: „Das ist eine enorme klangliche Erweiterung.“ Der Kirchenvorstandschef ist voll des Lobes über die Orgelbauer aus Kürten: „Die haben das mit Herzblut gemacht.“

Ein Mann sitzt an einer Orgel in einer Kirche.

Josef Potthoff intoniert die Orgel in St. Nikolaus.

Das Geld für die Überarbeitung, den Einbau und die musikalische Einrichtung der Orgel brachte die kleinste Gemeinde Leverkusens – Müller: „Wir haben 805 Mitglieder“ – durch Spenden selbst auf: 20.000 Euro. Die Sanierung insgesamt mit Kosten von 2,7 Millionen Euro trägt vor allem das Erzbistum. 200.000 Euro steuert der Landschaftsverband bei.

Zwei Jahre lang fanden die Gottesdienste der Gemeinde nun nebenan im Gemeindehaus statt. Bei der Wiedereinrichtung von St. Nikolaus packten am Montag viele Männer und Frauen aus der Gemeinde mit an. „Wir haben zum Beispiel zusammen die Kirchenbänke gesäubert, die während der Sanierung im früheren St. Josef-Krankenhaus in Wiesdorf eingelagert waren“, erzählt Müller. Am Sonntag, 19. April, wird die Kirche feierlich wieder eröffnet.


Festgottesdienst

Zum Festgottesdienst mit Orgelweihe am Sonntag, 19. April, 10 Uhr, in St. Nikolaus, Berliner Straße 173, hat sich Weihbischof Rolf Steinhäuser angekündigt. Der Cäcilienchor St. Nikolaus singt die „Missa Terra Supermontale“ („Messe des Oberbergischen Landes“) von Thomas Gabriel. 

Die Gemeinde feiert das Jubiläum des Chores, er besteht seit 125 Jahren, und den Einbau der neuen Orgel mit einer Reihe weiterer Konzerte im Jahreslauf. Als nächstes findet am Sonntag, 3. Mai, 17 Uhr in der Kirche unter dem Titel „Dialog Brass und Orgel“ ein Konzert mit dem Bläserquartett Quartok und der Orgel statt. Der Eintritt ist frei, Spenden sind willkommen. Informationen zu den Konzerten gibt es auch auf der Webseite des Kirchenchores. (ps)

https://www.lev-suedost.de/musik/erwachsenen-kirchenchoere/kirchenchor-st.-nikolaus-/