Der katholische Friedhof am Stadtrand ist in mehrfacher Hinsicht ein besonderer unter den Friedhöfen der Stadt.
Friedhöfe in LeverkusenIn Steinbüchel blieb der Friedhof dort, wo die Kirche früher stand

Der katholische Friedhof in Steinbüchel liegt am Hang zwischen Steinbüchel und Mathildenhof.
Copyright: Peter Seidel
Auf’m Berg heißt die Straße, die am katholischen Friedhof Steinbüchel entlangführt. Und auch wenn das Friedhofsgelände nicht wirklich auf einem Berg oder einer Hügelkuppe liegt, sondern sich in nord-südlicher Richtung einen Hang hinaufzieht: Der Friedhof, einst zur Pfarrgemeinde St. Nikolaus gehörig und jetzt dem Seelsorgebezirk Leverkusen-Südost zugeordnet, ist tatsächlich der höchstgelegene im Stadtgebiet. Der Höhenmesser meldet an seinem oberen Ende 131 Meter über Normalnull.
Zwei Bänke laden hier im Schatten der Bronzeskulptur des Leverkusener Bildhauers Bernhard Guski zum Verweilen ein. Die Skulptur steht hier seit 2013. Damals ließ die Kirchengemeinde den Friedhof zum bislang letzten Mal erweitern, der beauftragte Landschaftsarchitekt machte Vorschläge für eine Plastik, „aber die gefielen uns alle nicht“, so Wolfgang Müller, Kirchenvorstandsvorsitzender von St. Nikolaus. Über persönliche Verbindungen kam dann der Kontakt zu Guski zustande, der die tonnenschwere Metallskulptur mit der Kreuzaussparung schuf.

Die Skulptur von Bernhard Guski steht am oberen Ende des Friedhofs Steinbüchel.
Copyright: Peter Seidel
Der Blick schweift nach Norden über die Gräber, das Tal des Mühlenbachs jenseits des Friedhofs und den in seinen Ursprüngen auf das 12. Jahrhundert zurückgehenden Rittersitz Steinbüchel hinüber zum gleichnamigen Stadtteil. Der Friedhof am Stadtrand ist im Unterschied zu den meisten innerstädtischen Gottesackern tatsächlich ein recht stiller Ort ohne Verkehrslärm. Das hat auch mit seiner Lage abseits des eigentlichen Stadtviertels zu tun. Die wiederum, das wissen neben Müller auch Angela Schwarzenthal und Marlies Winkes von der Pfarrgemeinde St. Nikolaus und Reinhold Braun vom Bergischen Geschichtsverein, Abteilung Niederwupper, bei einem Besuch auf dem Friedhof zu berichten, hängt eng mit dem Rittersitz zusammen. Und mit der ersten Kirche St. Nikolaus, die seit dem Mittelalter direkt neben dem Rittersitz stand und an deren Standort heute nur noch ein Kreuz erinnert.

Wolfgang Müller, Marlies Winkes und Angela Schwarzenthal von der Pfarrgemeinde St. Nikolaus und Reinhold Braun vom Bergischen Geschichtsverein auf dem Friedhof Steinbüchel (v.l.)
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Diese Kirche umgab, wie auf einer Lithografie des Opladener Heimatforschers Peter Josef Heinrichs aus der Mitte des 19. Jahrhunderts zu sehen, ein von einer Mauer umschlossener Hof, der jahrhundertelang auch als Friedhof diente. Doch zu Beginn der 1840er-Jahre wurde der Kirchhof zu klein, zudem drängte die preußische Obrigkeit darauf, wegen der Seuchengefahr einen Friedhof außerhalb der kleinen Siedlung anzulegen. Deshalb kaufte die Gemeinde ein erstes Stück Land jenseits des Bachlaufs. Im Jahr 1842 begrub die Gemeinde hier ihren ersten Toten.
Der Friedhof musste seitdem mehrfach erweitert werden, weil der Platz für die Bestattungen nicht mehr genügte. Schon Jahrzehnte vor der Einweihung des Friedhofs musste auch die alte Pfarrkirche neben dem Rittergut neu aufgebaut werden, nachdem in der Neujahrsnacht 1778/79 der Blitz in den Kirchturm einschlug und ein Brand den Dachstuhl zerstörte. 1788 wurde sie erneut eingeweiht, doch gut 100 Jahre später hätten wieder aufwendige und kostspielige Reparaturen an der Kirche in Alt-Steinbüchel angestanden. In dieser Situation entschied sich die Gemeinde für den Neubau von Kirche, Pfarrhaus und Küsterei direkt an der Bergischen Landstraße, der damals wie heute wichtigen Verkehrsverbindung aus dem Rheintal ins Bergische. Die alte Kirche riss man 1897, zwei Jahre zuvor war St. Nikolaus in Neuboddenberg geweiht worden, einfach ab, der Kirchenkeller mit allen alten Gräbern wurde mit Abbruchmaterial und Erde verfüllt.

Das Rittergut Steinbüchel mit dem damals noch ziemlich neuen Friedhof auf einer Lithografie aus der Mitte des 19. Jahrhunderts
Copyright: Wolfgang Müller
Die Kirche zog also um, der Friedhof der Gemeinde blieb jedoch an Ort und Stelle. Flächenmäßig gehört er zu den kleinsten auf dem Stadtgebiet. Ein Kolumbarium gibt es bisher nicht, das solle aber eingerichtet werden, erzählt Kirchenvorstand Müller, auf einer Fläche in der Nähe der Friedhofskapelle. Felder für Urnengräber sind vorhanden, auf einer freien, dreieckigen Fläche wird demnächst zudem Platz geschaffen für die teilanonyme Bestattung von Urnen. Angehörige können dort ihre Toten begraben, am Rand des kleinen Areals wird dann mit Namensplaketten angegeben, wer dort liegt – nur wo genau, das bleibt bei dieser Bestattungsform offen. Der Vorteil liegt auf der Hand: Die Kosten und der Aufwand für die Grabpflege entfallen.

Ein Felsendorf ziert die Krone dieses Grabsteins auf dem Friedhof.
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Der Wandel im Umgang mit dem Tod eines geliebten Menschen zeigt sich in Steinbüchel immer wieder auch in der Gestaltung von Grabsteinen und Gräbern insgesamt. Im unteren Teil etwa findet sich ein Grabstein, der vom himmlischen Jerusalem, einem veritablen Felsendorf, gekrönt wird. Etliche hohe, pittoresk windschiefe Häuser drängen sich auf schmalem Plateau aneinander.
Am Hang hinauf spricht auf einem Grab einer jung gestorbenen Frau, dessen Stein kein Stein ist, sondern ein stilisierter Schmetterling aus einem transparenten Material, Rainer Maria Rilke den Besuchern Trost zu. Eingraviert in das Grabmal ist ein Kreuz. Dessen Umrisse werden von den ersten Zeilen eines Rilke-Gedichtes gebildet: „Überfließende Himmel verschwendeter Sterne/prachten über der Kümmernis. Statt in die Kissen,/ weine hinauf. Hier, an dem weinenden schon,/ an dem endenden Antlitz,/ um sich greifend, beginnt der hin-/ reißende Weltraum. Wer unterbricht,/ wenn du dort hin drängst,/ die Strömung?“

Kräftige, leuchtende Farben signalisieren Freude über die Auferstehung
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Das Modell der Kirche St. Matthias in Mathildenhof ziert das Grab der früheren langjährigen Küsterin der Kirche, davor in kräftigem Rot, Blau und Gelb das Erkennungszeichen des Weltjugendtages 2005, eine Skulptur, die Kreuz, Weltenrund und Stern von Bethlehem miteinander verbindet.
Am Ende einer Grabreihe baumeln kleine Plüschtiere von den Zweigen einer Hainbuche, ein Glasmobilee und bunt bemalte hölzerne Herzen für das Kind, das jung gestorben ist. Vor dem liebevoll gestalteten Grab daneben steht mit Kreide auf die Steinplatten geschrieben: „Dicker Kuß – Sonnenschein“.
Ein Familiengrab, das nicht nur für die Geschichte von Alt-Steinbüchel wichtig ist, sondern weit darüber hinaus, liegt nicht, wie zu erwarten wäre, prominent an einem der Hauptwege. Dort sind auch in Steinbüchel die Begräbnisstätten wichtiger Familien aus dem Stadtteil. Das Grab der Familie Weskott hingegen drückt sich fast an die den Friedhof umfriedende Hecke. Dichte Eibenbüsche schützen den großen Naturstein mit dem Familiennamen und die schlichten Grabplatten vor Blicken von der Seite. Einzig zwei weitere Eiben, säulenförmig geschnitten und mehrere Meter hoch, bilden ein gewisses optisches „Ausrufezeichen“.

Die Grabstätte der Familie Weskott
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Der 1850 geborene Friedrich Richard Weskott, Sohn des Mitgründers der Farbenfabriken vorm. Friedrich Bayer & Co. Johann Friedrich Weskott, hatte 1890 den Rittersitz Steinbüchel erworben und umbauen lassen. Die kurze Bayer-Karriere des gerade 40-Jährigen war da schon wieder vorbei. Nach einigen Jahren im Vorstand des Unternehmens schied er bereits 1887 wieder aus und lebte fortan von den Erträgen aus seinen Anteilen an dem aufstrebenden Chemieunternehmen.
Die Grabstätte wird von der Familie weiterhin genutzt. Ein Nachfahre fand hier erst 2025 seine letzte Ruhestätte. Wer dem Familiengrab den Rücken zuwendet, sieht zwischen hohen Bäumen die Dächer des Ritterguts Steinbüchel. Womöglich, das vermutet auch Angela Schwarzenthal, erklärt sich die Randlage des Familiengrabes genau daraus: Wer vom Rittersitz in Richtung des Friedhofs blickte, konnte das Familiengrab dort liegen sehen. Die Familie brauchte nur aus dem Fenster zu schauen und stand so im Kontakt mit ihren Toten.
