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Abgründe des RuhmsTake That sprechen erstmals über Suizidgedanken, Hass und Zerfall

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Take That gemeinsam mit Robbie Williams beim Photocall anlässlich des ECHO – Deutscher Musikpreis 2011 in Berlin.

Take That gemeinsam mit Robbie Williams beim Photocall anlässlich des ECHO – Deutscher Musikpreis 2011 in Berlin. (Archivbild)

Gary Barlow und seine Take-That-Kollegen sprechen in einer neuen Netflix-Doku offen über Abstürze, Krisen und den hohen Preis des Ruhms.

Take That gewähren in einer neuen, als sehr persönlich angelegten Netflix-Dokuserie tiefe Einblicke in die Krisenjahre der Band. Im Mittelpunkt stehen psychische Belastungen, finanzielle Ängste und interne Konflikte, die insbesondere nach dem Ausstieg von Robbie Williams 1995 eskalierten. Erzählt wird die Serie von Gary Barlow, Howard Donald und Mark Owen, ergänzt durch Archivmaterial und Interviews mit Jason Orange und Robbie Williams.

Ausstieg von Robbie Williams und die Folgen

Robbie Williams’ Zeit in der Band war von Alkohol- und Drogenproblemen geprägt. Rückblickend räumt Gary Barlow ein, die emotionale Verletzlichkeit seines Bandkollegen unterschätzt zu haben. Spannungen verschärften sich, als Robbie nach einem exzessiven Glastonbury-Besuch offen Desinteresse zeigte und kurz darauf seinen Ausstieg erklärte – ein Schritt, der laut den verbliebenen Mitgliedern ungeplant und überstürzt erfolgte.

Nach der Trennung kämpften die Bandmitglieder mit erheblichen persönlichen Problemen. Howard Donald beschreibt depressive Phasen und suizidale Gedanken, ausgelöst durch den plötzlichen Karrierebruch, Identitätsverlust und finanzielle Sorgen nach der Geburt seiner Tochter.

Öffentliche Häme und Essstörung: Gary Barlows persönlicher Absturz

Auch Mark Owen geriet in eine tiefe Krise. Nach dem Scheitern seiner Solokarriere wurde er von seinem Plattenlabel fallen gelassen, was sein Selbstwertgefühl nachhaltig beschädigte und zu einer Phase starker Verunsicherung führte.

Gary Barlow hatte ebenfalls mit massiven Problemen zu kämpfen. Der langfristig ausbleibende Soloerfolg, öffentliche Spottkampagnen und der Vergleich mit Robbie Williams führten zu sozialem Rückzug, starkem Gewichtszuwachs und einer Bulimie-Erkrankung, wegen der er sich später in Behandlung begab.

Rivalität statt Zusammenhalt: Der eskalierte Konflikt mit Robbie Williams

Parallel verschärfte sich die Rivalität zwischen Barlow und Williams. Öffentliche Sticheleien, Konkurrenzdenken und gegenseitige Verletzungen belasteten nicht nur ihr Verhältnis, sondern auch die Dynamik innerhalb der Band erheblich.

Erst Jahre später kam es zu einer Annäherung, als Berichte über Robbie Williams’ erneute Suchtprobleme bekannt wurden. In Los Angeles führten die Beteiligten ein offenes Gespräch, in dem langjährige Konflikte und Kränkungen erstmals ausgesprochen und aufgearbeitet wurden.

Die Aussprache ebnete den Weg für die gemeinsame Tour 2006. Gary Barlow beschreibt diese Phase rückblickend als den Moment, in dem sich Take That erstmals wirklich als Band angefühlt habe und ein neuer Zusammenhalt entstanden sei.

Die Dokuserie „Take That“ startet am 27. Januar bei Netflix. Sie zeichnet den Weg der Band von extremem Erfolg über persönliche Abstürze bis hin zur Versöhnung und Neubewertung ihrer gemeinsamen Geschichte nach. (jag)