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„Ich bin nicht die ...“Tochter von Prinzessin Caroline wettert gegen royales Leben

3 min
Charlotte Casiraghi lächelt in die Kamera.

Charlotte Casiraghi blickt kritisch auf ihre Rolle innerhalb der monegassischen Fürstenfamilie und sieht darin kaum Lichtseiten. (Archivbild)

Charlotte Casiraghi rechnet ab: In einem Buch beschreibt die Tochter von Caroline von Monaco die Schattenseiten ihres royalen Lebens.

In einem aktuellen Interview mit „Madame Figaro“ erläutert die Philosophin Charlotte Casiraghi, Tochter von Caroline von Monaco, die Kernthesen ihres ersten Solowerks „La fêlure“ (Deutsch: „Der Riss“) und gibt Einblicke in ihre Sicht auf die menschliche Zerbrechlichkeit. Zugleich macht die Gründerin der Philosophischen Begegnungen von Monaco deutlich, dass sie sich bereits im Vorwort des Buches von einer oberflächlichen Wahrnehmung ihrer Person abgrenzt.

Charlotte Casiraghi: Tochter von Caroline von Monaco veröffentlicht Buch

„Man hat mich oft auf ein Bild auf Hochglanzpapier reduziert, auf ein privilegiertes Traumleben“, beklagt die Autorin die öffentliche Darstellung. Sie nutzt den Begriff des Risses, um jene verborgenen Momente im Leben zu beschreiben, in denen die Fassade der vermeintlich stabilen Identität zu bröckeln beginnt.

Casiraghi betont, dass diese Brüche oft lange Zeit unterirdisch existieren, bevor sie durch eine existenzielle Krise an die Oberfläche treten. Das Buch fungiert als literarische Galerie von Persönlichkeiten, die ihre Wunden in kreative Energie umgewandelt haben, anstatt sie hinter einer glatten Oberfläche zu verbergen.

Charlotte Casiraghi rechnet mit ihrem Image als Royal ab

Ein zentraler Aspekt des Werkes ist die kritische Reflexion ihrer Rolle innerhalb der monegassischen Königsfamilie. Die ihr qua Geburt verliehenen Privilegien seien für sie durchaus eine Belastung, wie sie teilt: „Sie sind mein Glück, doch ich empfinde keinerlei Stolz darauf, da ich von ihnen profitiere, ohne dass sie das Ergebnis irgendeines Verdienstes wären.“

Ihr wahres Ich komme dabei kaum zur Geltung, da „alles, was mir wirklich wichtig ist – meine Überzeugungen, meine Persönlichkeit –“ durch dieses verzerrte Bild von kaum jemandem wahrgenommen werde. Durch ihre exponierte Rolle sehe sich Casiraghi gezwungen, „Stereotype zu verkörpern“, und müsse zudem „akzeptieren, dass mein Privatleben den absurdesten Kommentaren ausgesetzt ist“.

Diese Umstände haben ihr Selbstbewusstsein beeinträchtigt. Die 39-Jährige, die seit Kindheitstagen im Rampenlicht steht, hatte laut eigener Aussage „oft das Bedürfnis, zu schreien: Ich bin nicht die, für die ihr mich haltet.“

Wie persönliche Krisen zur Chance für einen Neuanfang werden

In der Analyse ihrer literarischen Vorbilder zeigt Casiraghi auf, wie unterschiedlich Autoren wie George Sand oder Marguerite Duras mit ihren individuellen Traumata umgegangen sind. Während Colette ihre Trauer durch das Schreiben maskierte, nutzte Duras die Zerstörung direkt als Markenzeichen.

Ein besonderes Augenmerk legt Casiraghi auf den Segler Bernard Moitessier, der eine Linie der Flucht zeichnete, indem er den Erfolg ausschlug. Das Werk schließt mit den Gedanken von Blaise Pascal, der die menschliche Ohnmacht als Chance für Hoffnung begreift. Casiraghi resümiert, dass man das Gehen im Hinken lernen muss, wie es Freud einst formulierte.

Die Auseinandersetzung mit diesen Biografien verdeutlicht ihr Credo: „On ne redresse pas ce qui va de travers... On fait avec“ (Man biegt nicht gerade, was schief läuft... Man lebt damit). Der Riss fungiert somit nicht als Makel, sondern als notwendiger Einstiegspunkt für echte Kreation und als Motor einer neuen, schöpferischen Energie. (jag)