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„Ikone der Freiheit“ wird 80Was macht eigentlich Uschi Obermaier? – So sieht sie heute aus

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Uschi Obermaier lacht mit Sonnenbrille in die Kamera.

Uschi Obermaier lebt heute an der Algarve. (Archivbild)

Von München über Berlin bis an die Algarve: Das Gesicht der 68er-Rebellion feiert 2026 einen runden Geburtstag.

Wenn man heute an Uschi Obermaier denkt, haben viele noch immer ein Schwarz-Weiß-Bild vor Augen: wilde Locken, ein herausfordernder Blick, nackte Haut in der Berliner Kommune I. Es ist das Bild einer Frau, die in der Zeit der 68er-Bewegung zum Poster-Girl einer Generation und zur Ikone der sexuellen Revolution in Deutschland wurde.

Doch wer Uschi Obermaier im Januar 2026 in ihrer Wahlheimat Portugal besuchen würde, träfe nicht auf ein Denkmal, sondern auf eine Frau, die mit 79 Jahren – kurz vor ihrem 80. Geburtstag im September – eine ganz neue Form der Freiheit gefunden zu haben scheint.

Uschi Obermaier lebt heute als „Landfrau“

„Ich bin jetzt eine Landfrau“, erklärte sie bereits nach ihrem Umzug im Jahr 2020 gegenüber dem SWR. Seit nunmehr sechs Jahren lebt sie auf einem zwei Hektar großen Anwesen an der Algarve. Kalifornien, wo sie fast 30 Jahre lang in Topanga Canyon zu Hause war, wurde ihr zu unruhig und durch die ständigen Waldbrände zu gefährlich.

Uschi Obermaier beim FFF-Bayern-Empfang am 4. Juli 2024 im Rahmen des Filmfests München.

Uschi Obermaier beim FFF-Bayern-Empfang am 4. Juli 2024 im Rahmen des Filmfests München. Öffentliche Auftritte auf dem roten Teppich sind für die Ikone der 68er-Bewegung inzwischen eine Seltenheit. (Archivbild)

In Portugal hat sie das gefunden, wonach sie im Rausch der 60er Jahre vielleicht unbewusst immer suchte: Autonomie. Ihr Alltag im Jahr 2026 ist geprägt von der Natur und ihren Hunden. In einem Porträt von T-Online beschreibt sie die „Kompromisslosigkeit des Alleinseins“ heute als Luxus. „Wenn ich keinen Boyfriend habe, dann stelle ich mich draußen in den Wind – und der streichelt meine Haut. Oder ich gehe in den Pool und genieße, wie das Wasser an mir entlangschmeichelt“, zitierte die „Bild“-Zeitung Obermaier 2025.

Die Jagd nach dem nächsten Rockstar-Abenteuer ist längst der Ruhe zwischen Oliven- und Orangenbäumen gewichen. Was allerdings nicht heißt, dass sie nicht viel zu tun hat: „Ich habe (...) neu angefangen. Das hält mich in Atem, ich mache hier ja keinen Urlaub, sondern muss mich ständig kümmern“, sagte Obermaier 2025 in einem Interview mit dem „Spiegel“.

Zwischen den Rolling Stones und Rainer Langhans

Ihr Weg dorthin war eine Achterbahnfahrt der Popkultur. Entdeckt im Münchner Klub „Big Apple“, stieg sie zum bestbezahlten Fotomodell Deutschlands auf. Doch Obermaier wollte mehr. Sie zog in die Kommune I, liebte Rainer Langhans und praktizierte die freie Liebe vor den Augen einer schockierten Bundesrepublik.

Diese Jahre dokumentierte sie bereits 1994 ausführlich in ihrer Biografie „Das wilde Leben“. Es folgten die Jahre mit den Rolling Stones. Mick Jagger und Keith Richards verfielen ihr gleichermaßen. Doch Obermaier ließ sich nie besitzen.

Als ihr der Rock-Zirkus zu eng wurde, brach sie mit Dieter Bockhorn zu einer Weltreise in umgebauten Bussen auf – eine Odyssee, die 1983 durch Bockhorns Unfalltod in Mexiko ein tragisches Ende fand, wie sie in ihrem zweiten Buch „Expect Nothing“ reflektiert.

Doku von Sandra Maischberger soll noch 2026 folgen

Heute wird Obermaier nicht mehr nur als Muse wahrgenommen. In den vergangenen Jahren hat eine Neubewertung ihrer Person eingesetzt. Das für 2026 angekündigte Dokumentarfilm-Projekt „Uschi“, produziert von Sandra Maischberger und ihrer Firma Vincent TV, könnte sie als Pionierin der weiblichen Selbstbestimmung zeigen – als eine Frau, die „Nein“ sagte, als das Patriarchat noch ein „Ja“ erwartete.

Auch als Geschäftsfrau blieb sie eigenwillig. Ihr in den USA kreierter Schmuck ist bei Sammlern begehrt, und gelegentlich kehrt sie als Model für ausgewählte Kampagnen zurück – wie zuletzt für die „True Denim“-Serie des Herstellers Mustang.

Es sind Auftritte einer Frau, die nichts mehr beweisen muss. Wenn Uschi Obermaier im September 2026 ihren 80. Geburtstag feiert, wird es vermutlich keine laute Party in Berlin geben. Sie wird an der Algarve sein. Die Männer, die Drogen, der Ruhm – das alles ist Teil ihrer Geschichte, aber es definiert sie nicht mehr. Sie ist die letzte große Abenteurerin einer Ära, die davon träumte, die Welt zu verändern – und die am Ende sich selbst treu geblieben ist.