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Vermisste MicheleGeriet eine junge Deutsche in den Sog des Epstein-Rings?

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Sie verschwand spurlos. Nach mehr als 10 Jahren taucht ihr Name plötzlich in den Epstein – Files auf. Was geschah mit der damals 22-jährigen Michele?

Sie verschwand spurlos. Nach mehr als 10 Jahren taucht ihr Name plötzlich in den Epstein – Files auf. Was geschah mit der damals 22-jährigen Michele? (Archivbilder)

Die ZDF-Doku „Die Spur“ enthüllt brisante Details: Führte der Weg der vermissten Michele direkt in Jeffrey Epsteins Netzwerk?

Das Verschwinden der deutschen Michele im September 2015 könnte in direktem Zusammenhang mit dem weltweiten Ring zur sexuellen Ausbeutung von Jeffrey Epstein stehen. Das dokumentiert die ZDF-Sendung „Die Spur“ in dem Film „Vermisst: Die Deutsche aus den Epstein-Files“ von Lucas Eiler, Tim Gorbauch und Alina Reissenberger zusammen mit dem „Spiegel“ und paper trail media. Für Micheles Eltern, Annett und Vlado, die ihre Tochter vor elf Jahren das letzte Mal sahen, wirft die Recherche völlig neue, schmerzhafte Fragen auf.

Ein plötzliches Verschwinden im September 2015

Die Spur von Michele verliert sich im September 2015, als sie mit einem Koffer die Wohnung ihrer Mutter verließ. Im Oktober 2015 meldete die Familie die damals 22-Jährige vermisst. Die Polizei überprüfte zwar angrenzende Bundesländer und Nachbarstaaten, stand aber vor einem Rätsel: Da es keinerlei Hinweise auf ein Verbrechen gab, blieb eine aktive Suche aus.

Zuvor hatte die junge Frau, die schon als Kind von einer Modelkarriere träumte, zeitweise in Dubai gelebt. Dort lernte sie in einer Tanzbar den schwedischen Model-Vermittler algerischer Herkunft, Daniel Siad, kennen. Gegenüber ihren Eltern berichtete sie von einem scheinbaren Glamour-Leben mit Luxushotels und teuren Reisen. Doch die Realität sah offenbar düsterer aus.

Gegenüber dem „Spiegel“ berichteten die Angehörigen, Michele habe unter Alkohol- und Drogensucht gelitten und sich mehrfach in klinischer Behandlung beziehungsweise Entzugskliniken befunden. Es steht der Verdacht im Raum, dass diese emotionale und gesundheitliche Instabilität von mutmaßlichen Tätern gezielt ausgenutzt wurde, um sie in die Prostitution zu drängen.

Der Modelscout Daniel Siad: Ein mutmaßlicher Rekrutierer

Die Wende in dem Fall brachten die sogenannten „Epstein-Files“ – Gerichtsakten, die das US-Justizministerium seit Dezember 2025 schrittweise freigibt. In diesen Dokumenten wird der Name Daniel Siad sage und schreibe 1.840-mal erwähnt, darunter in Anrufprotokollen und E-Mails.

Die Ermittler vermuten, dass Siad als Rekrutierer für Epsteins Missbrauchsring agierte. In den Akten finden sich zahlreiche Nachrichten, in denen er Epstein junge Frauen und Minderjährige anbietet (etwa: „Die Französin ist 15. Ihre Eltern sind sehr glücklich, dass ihre Tochter Model wird“).

Jeffrey Epstein zusammen mit Donald Trump auf einer Archivaufnahme.

Jeffrey Epstein zusammen mit Donald Trump auf einer Archivaufnahme.

In Frankreich haben mittlerweile fünf Frauen Anzeige gegen Siad wegen Vergewaltigung und Menschenhandels erstattet; dort laufen Vorermittlungen. Siad bestreitet die Vorwürfe und gibt an, nichts von den Missbräuchen durch Epstein gewusst zu haben. Für ihn gilt die Unschuldsvermutung.

Die Spur in den E-Mails

Durch einen Anruf der ZDF-Redaktion erfuhr Micheles Familie, dass auch ihr Name in den Akten auftaucht. Im Februar 2014 hatte Siad Fotos von Michele an Jeffrey Epstein gemailt. Nur einen Monat später fragte er Epstein per Mail:

„Ich habe mich gefragt, ob du ein Ticket für Michele schicken möchtest, das Mädchen aus Deutschland, das du verpasst hast. Sie ist ein Mädchen, das ich sehr gut kenne, großartige Person. Du wirst sie lieben.“

Ob es tatsächlich zu einem Treffen mit Epstein kam, ist unklar. Doch die Eltern berichten von besorgniserregenden Vorfällen kurz vor Micheles Verschwinden. Vater Vlado erinnert sich an ein Telefonat zwischen Michele und Siad: „Von Weitem habe ich im Telefon gehört, wie er mit ihr schimpft. Und dann ist das so gewesen, dass sie da Angst hatte.“ Michele habe ihm damals anvertraut, Siad betreibe einen Escortservice, und angedeutet, dass es dabei auch um Sex ging. Ein Ex-Freund Micheles bestätigte dem Rechercheteam ähnliche Telefonate.

Anfragen von ZDF und „Spiegel“ zu dem Fall ließen Daniel Siad und seine Anwältin unbeantwortet.

Monatelange Suche ohne Ergebnis

Trotz monatelanger, intensiver Recherchen von ZDF und „Spiegel“ – unter Einsatz von Gesichtserkennungstools, forensischen Handyanalysen und dem Abgleich von Datenleaks – konnten keine Lebenszeichen von Michele nach September 2015 gefunden werden.

Für die Eltern Annett und Vlado bleibt die Ungewissheit unerträglich, doch die Akten liefern ihnen zumindest eine konkrete Spur. Micheles Nachname und ihr Wohnort in Deutschland werden zum Schutz der Familie weiterhin nicht genannt. (jag)