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„Ziemlich hohes Ross, auf dem Sie da sitzen“CDU-Politiker Strobl legt sich mit Grünen-Chefin Brantner an

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CDU-Innenminister Thomas Strobl (Mitte) kritisierte bei „Markus Lanz“, dass es eine „Kampagne“ der Grünen gegen den CDU-Spitzenkandidaten Manuel Hagel gegeben habe. (Bild: ZDF / Cornelia Lehmann)

CDU-Innenminister Thomas Strobl (Mitte) kritisierte bei „Markus Lanz“, dass es eine „Kampagne“ der Grünen gegen den CDU-Spitzenkandidaten Manuel Hagel gegeben habe. (Bild: ZDF / Cornelia Lehmann)

Nach der hauchdünn entschiedenen Landtagswahl in Baden-Württemberg ist der Ton zwischen CDU und Grünen rauer denn je. Bei „Markus Lanz“ eskalierte die Debatte, als CDU-Politiker Thomas Strobl den Grünen eine Kampagne gegen seine Partei vorwarf, während Franziska Brantner versuchte, dagegenzuhalten.

Die Landtagswahl in Baden-Württemberg ist entschieden: Die Grünen landeten mit 30,2 Prozent überraschend auf Platz eins, knapp vor der CDU mit 29,7 Prozent. Am Ende machten rund 27.000 Stimmen den Unterschied. Zwischen beiden Lagern ist die Stimmung seither frostig, da sich die CDU als Opfer einer „Schmutzkampagne“ sieht. Bei „Markus Lanz“ wurde das knappe Ergebnis zum Ausgangspunkt für eine Debatte über den Wahlkampf von Grünen-Spitzenkandidat Cem Özdemir.

Markus Lanz und Grünen-Chefin Franziska Brantner stritten darüber, ob Cem Özdemir im Wahlkampf seiner Partei verleugnet habe. (Bild: ZDF / Cornelia Lehmann)

Markus Lanz und Grünen-Chefin Franziska Brantner stritten darüber, ob Cem Özdemir im Wahlkampf seiner Partei verleugnet habe. (Bild: ZDF / Cornelia Lehmann)

In seiner Sendung sagte Lanz zunächst stichelnd, Özdemir sei nur Ministerpräsident geworden, „weil er sehr erfolgreich so getan hat, als hätte er mit den Grünen nichts zu tun“. An Grünen-Chefin Franziska Brantner gerichtet, fragte er: „Wie sehr stößt Ihnen das auf? Damit meint er ja Sie.“ Brantner schüttelte mit dem Kopf und stellte klar: „Nein, ich freue mich sehr über den wirklich fulminanten Sieg und die Aufholjagd, die Cem hingelegt hat.“

Lanz blieb jedoch skeptisch und verwies auf die Außenwirkung der Kampagne: Özdemir habe immerhin auf keinem seiner Wahlplakate „Die Grünen“ erwähnt. Brantner reagierte nüchtern und beteuerte: „Er ist ein Grüner durch und durch und tritt als solcher an.“ Lanz konterte daraufhin scharf: „Frau Brantner, was erzählen wir uns jetzt hier gerade gegenseitig für Geschichten? Das ist doch Quatsch!“

Journalist Michael Bröcker erklärte, dass Özdemir einen „maximal“ freiheitlichen Wahlkampf bestritten habe. (Bild: ZDF / Cornelia Lehmann)

Journalist Michael Bröcker erklärte, dass Özdemir einen „maximal“ freiheitlichen Wahlkampf bestritten habe. (Bild: ZDF / Cornelia Lehmann)

Er frage sich nur, warum der Spitzenkandidat in Baden-Württemberg „offensichtlich“ nichts mit seiner Partei zu tun haben wolle. Dann der nächste Seitenhieb: „Das klingt so wie Markus Söder.“ Brantner widersprach sofort: „Nein, es ist nicht Markus Söder!“ Als Lanz Özdemir schließlich erneut als „der Söder der Grünen“ bezeichnete, stellte er die Frage, die über der Debatte hing: „Hat Cem Özdemir die grüne Partei verleugnet?“

Thomas Strobl: „Legen Sie mir bitte nicht Worte in den Mund, die ich nicht gesagt habe“

Iran-Expertin Azadeh Zamirirad stellte besorgt fest, dass es derzeit „sehr viel Angst“ im Iran gebe. (Bild: ZDF / Cornelia Lehmann)

Iran-Expertin Azadeh Zamirirad stellte besorgt fest, dass es derzeit „sehr viel Angst“ im Iran gebe. (Bild: ZDF / Cornelia Lehmann)

Journalist Michael Bröcker antwortete deutlich, es sei der maximal „freiheitlichste Wahlkampf gegen die eigene Bundespartei“ gewesen. Bröcker machte daraus eine strategische Grundsatzfrage, denn: „Die Frage für die Grünen ist eine strategische jetzt. Wollen die Grünen mehr Özdemir wagen? Dann werden sie radikal in die Mitte rücken müssen.“

Für die CDU reagierte Thomas Strobl, der Innenminister Baden-Württembergs, mit deutlicher Kritik auf die letzten Wochen des Wahlkampfs. Er stellte klar: „Ich bedaure ein wenig, dass gerade in den letzten Wochen aus den Reihen der Grünen das politische Klima in Baden-Württemberg tatsächlich ziemlich vergiftet worden ist.“ Strobl sprach in dem Zusammenhang von einem „schmutzigen Wahlkampf“ und behauptete, selbst nach dem Wahltag werde „weiter dieses grüne Gift versprüht“.

Markus Lanz (zweiter von links) diskutierte am Dienstagabend mit Grünen-Chefin Franziska Brantner (links),  Journalist Michael Bröcker (dritter von links), Iran-Expertin Azadeh Zamirirad (dritte von rechts), CDU-Politiker Thomas Strobl (zweiter von rechts) und Sicherheitsexperte Nico Lange. (Bild: ZDF / Cornelia Lehmann)

Markus Lanz (zweiter von links) diskutierte am Dienstagabend mit Grünen-Chefin Franziska Brantner (links), Journalist Michael Bröcker (dritter von links), Iran-Expertin Azadeh Zamirirad (dritte von rechts), CDU-Politiker Thomas Strobl (zweiter von rechts) und Sicherheitsexperte Nico Lange. (Bild: ZDF / Cornelia Lehmann)

Grünen-Chefin Brantner hielt mit ernster Miene dagegen: „Herr Strobl hat ja gerade unterstellt, wir hätten das Ganze in Auftrag gegeben.“ Strobl fuhr ihr wütend dazwischen: „Legen Sie mir bitte nicht Worte in den Mund, die ich nicht gesagt habe! (...) Das ist ein ziemlich hohes Ross, auf dem Sie da sitzen. (...) Es gab eine Kampagne, die Sie haben treiben lassen!“ Der CDU-Mann ergänzte mahnend: „Hochmut kommt vor dem Fall! Und diese Wortwahl, diese arrogante Art, das geht (...) gar nicht.“

Statt dagegen zu halten, versuchte Franziska Brantner, die Wogen zu glätten: „Ich finde es schwierig, wenn die Dynamik jetzt nur noch ist: Schwarz gegen Grün.“ Lanz nahm dies als Vorlage, um nach den politischen Konsequenzen zu fragen: „Ist es für Sie klar, dass es eine Koalition mit den Grünen wird oder schließen sie auch Neuwahlen nicht aus?“ Thomas Strobl antwortete überraschend offen: „Klar ist mal in einer Demokratie gar nichts!“

Iran-Expertin sieht „eine stärkere Mobilisierung der Anhängerschaft“

Neben der Wahl in Baden-Württemberg wurde auch die Lage in Iran und im Nahen Osten diskutiert. „Teheran steht in Flammen“, sagte Iran-Expertin Azadeh Zamirirad besorgt: „Es hat was Apokalyptisches. Es gibt sehr viel Angst.“ Sicherheitsexperte Nico Lange ordnete derweil ein: „Das ist jetzt ein großer Krieg, wo eine Seite noch sehr stark mit dem alten Konzept dieser militärischen Überlegenheit versucht zu operieren und die andere Seite im Grunde asymmetrisch auf Drohnen, kleine Boote und viele Raketen setzt.“ Lanz fragte Zamirirad in dem Zusammenhang, ob militärischer Druck am Ende sogar das Regime stärken könne.

Die Politologin sagte zunächst: „Ich habe in den Protesten von Januar erste Erosionserscheinungen gesehen in der Anhängerschaft. Nichts in diesem Land hat eigentlich mehr funktioniert - selbst aus Sicht der Anhänger dieses Systems.“ Nun sehe man aber nach diesen Angriffen „eher eine stärkere Mobilisierung der Anhängerschaft“, ausgelöst „gerade durch die Tötung Chameneis“. Jener hätte nicht besser können „aus Sicht dieses Systems. Er hat den Märtyrer-Tod gefunden aus Sicht seiner Anhängerschaft“. Zum Schluss wollte Lanz wissen: „Was ist das schlechteste Szenario?“ Zamirirad antwortete klar: Es werde „eine massive Rüstungsspirale“ geben - und „wir werden vermutlich mehr Anreiz sehen für nuklearen Rüstungswettlauf“. (tsch)