Sechs Tage nach dem verheerenden Doppel-Beben werden weiterhin zehntausende Menschen vermisst.
Schwere ErdbebenRetter graben immer noch Überlebende aus den Trümmern Venezuelas

Rettungskräfte durchsuchen die Trümmer eines Gebäudes, das bei den Erdbeben in Catia La Mar, Venezuela, eingestürzt ist.
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Zwischen eingestürzten Häusern, Betonplatten und Staub gibt es in Venezuela weiter Momente, die den Rettungskräften neue Kraft geben. Knapp eine Woche nach den schweren Erdbeben bergen Einsatzteams noch immer Menschen lebend aus den Trümmern – kleine Hoffnungsschimmer in einer Katastrophe mit inzwischen mindestens 1719 Toten.
In der Küstenstadt Maiquetía erreichten Rettungskräfte aus El Salvador in der Nacht auf Dienstag (Ortszeit) einen 44-jährigen Mann, der unter den Trümmern eines Einkaufszentrums eingeschlossen war. Über einen Schlauch wurde er während der aufwendigen Rettungsarbeiten mit Wasser versorgt.
Auch ein zwölfjähriger Junge wurde nach Angaben der Feuerwehr der ecuadorianischen Hauptstadt Quito lebend gefunden. „Fünf Tage nach dem Erdbeben sind Lebenszeichen der größte Ansporn, weiterzumachen“, schrieben die Einsatzkräfte auf der Plattform X. „Solange es noch eine Chance gibt, werden wir weiter suchen.“
Jede erfolgreiche Bergung schenkt Hoffnung
Selbst zwischen den Trümmern gibt es bewegende Bilder: Nach Angaben des salvadorianischen Präsidenten Nayib Bukele wurde auch der Hund „Giselle“ nach einem fünfstündigen Einsatz gerettet. In einem Video ist zu sehen, wie das Tier seinem Retter über das Gesicht leckt. Die Berichte über die jüngsten Rettungen ließen sich zunächst nicht unabhängig überprüfen.
Doch jeder Fund macht auch deutlich, wie unerbittlich die Zeit gegen die Verschütteten arbeitet. „Falls es noch Überlebende unter den Trümmern geben sollte, zählt für sie jetzt jede Sekunde“, sagte Simone Walter, Nothilfekoordinatorin der Organisation Help. Aus Erfahrungen früherer Erdbeben wisse man, „dass nur circa zehn Prozent aller Vermissten noch lebend geborgen werden können“.
Die Suche wird zusätzlich durch mehr als 600 Nachbeben erschwert. Immer wieder erschüttern weitere Erdstöße die Region und machen den Einsatz für die Helfer gefährlicher.
Satellitendaten zeigen das gewaltige Ausmaß der Zerstörung
Während internationale Rettungsteams weiter nach Vermissten suchen, wächst bei vielen Angehörigen die Verzweiflung. Nach Angaben einer inoffiziellen Suchplattform gelten noch immer mehr als 45.000 Menschen als vermisst. Viele hoffen, auf den Listen der Notunterkünfte einen vertrauten Namen zu entdecken.
Das Ausmaß der Zerstörung wird erst allmählich sichtbar. Nach einer vorläufigen Auswertung von Satellitendaten der US-Raumfahrtbehörde Nasa könnten rund 58.870 Gebäude beschädigt oder zerstört worden sein. Die Wissenschaftler betonen jedoch, dass es sich um eine erste Einschätzung handelt, die bislang nicht vor Ort überprüft wurde.
Auch die humanitäre Lage bleibt dramatisch. Zahlreiche Menschen leben unter freiem Himmel oder in Notunterkünften. Strom- und Wasserversorgung, Telekommunikation und Verkehrswege sind vielerorts unterbrochen, Krankenhäuser arbeiten an ihrer Belastungsgrenze. Die Europäische Union hat eine humanitäre Luftbrücke angekündigt und will Hilfsgüter sowie fünf Millionen Euro für die besonders betroffenen Regionen bereitstellen. (dpa/afp/sbo)
