Jahrzehnte nach Tschernobyl sind Wildschweine in manchen Regionen Deutschlands weiterhin radioaktiv belastet.
Radioaktive WildschweineTschernobyl-Folgen in deutschen Wäldern noch immer messbar

Ein Wildschwein im Wasser. (Symbolbild)
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Der 26. April 2026 ist der 40. Jahrestag des Nuklearunglücks von Tschernobyl. Auch hierzulande sind die Auswirkungen noch immer spürbar: Laut „bild.de“ weist der Boden in den Wäldern mancher Regionen weiterhin eine Kontamination mit radioaktivem Cäsium-137 auf. Dadurch überschreitet das Fleisch einiger Wildschweine den erlaubten Grenzwert von 600 Becquerel pro Kilogramm; der Verkauf ist entsprechend untersagt. Vor allem betroffen sind Tiere aus Bayern, Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Thüringen und Sachsen.
Tschernobyl-Jahrestag 40 Jahre später: Wildschweinfleisch teils weiter belastet
Eine Entschädigung erhalten Jäger, wenn erlegtes Wild wegen zu hoher Strahlenbelastung nicht vermarktet werden darf. Wie das Bundesverwaltungsamt mitteilt, beträgt sie 204,52 Euro für ein adultes Tier und 102,26 Euro für ein Jungtier. Deutschlandweit wurden 2022 insgesamt 7.539 solcher Tiere entsorgt, 2020 waren es 7.235. Bei Schwarzkitteln lag die zuletzt bekannte Zahl ungenießbarer Tiere bei 2.927.

Symbolisches Bild eines verrosteten gelben Strahlungsschilds in der Tschernobyl-Sperrzone.
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Regional betrachtet gibt es demnach bei den Fallzahlen deutliche Unterschiede: Am häufigsten ist das Problem in Bayern. Dort wurden 2022 allein 6.227 kontaminierte Schwarzkittel erfasst. Die jüngste Zählung nennt 2.308 Tiere aus Bayern sowie 491 aus Baden-Württemberg.
Insgesamt seltener waren die Vorkommnisse in Sachsen (109), Thüringen (18) sowie in Rheinland-Pfalz, wo lediglich ein einziges Tier gemeldet wurde. Rehe gelten dagegen als kaum betroffen; 2023 meldete Bayern vier Exemplare mit Werten über dem Grenzwert.
Cäsium-137 bleibt im Boden: Warum vor allem Wildschweine betroffen sind
Die Ursache der fortdauernden Kontamination liegt laut „Bild“ im Boden. Laut einer Sprecherin des Bundesamtes für Strahlenschutz wird Cäsium-137 in Ackerböden besonders stark von Tonmineralen gebunden. Dadurch können Pflanzen es nur in sehr geringem Maße aufnehmen.
In Wäldern ist die Situation dagegen anders: Dort nehmen Pflanzen und vor allem Pilze das Cäsium weiter auf. Dass Wildschweine besonders betroffen sind, hängt damit zusammen, dass sie große Mengen an Pilzen fressen. Weil Cäsium-137 eine Halbwertszeit von rund 30 Jahren hat, sind von der 1986 freigesetzten Menge heute noch etwa 40 Prozent vorhanden.
Laut dem Bundesamt für Strahlenschutz zählen zu den Gebieten mit besonders starken Ablagerungen von Cäsium-137 der Bayerische Wald, das Donaumoos bei Ingolstadt, die Region um Mittenwald sowie das Berchtesgadener Land. In Baden-Württemberg wurden die höchsten Werte zuletzt mit 5.362 Becquerel pro Kilogramm im Landkreis Freudenstadt und mit 4.005 Becquerel pro Kilogramm im Alb-Donau-Kreis gemessen. (jag)
