Niedrigwasser und Schlick behindern die Rettung des Buckelwals vor der Insel Poel. Unterdessen gibt es Streit unter den Rettern.
Drama um gestrandeten WalHelfer eilen zu bewegungslosem „Timmy“ – Streit im Rettungsteam eskaliert
Ein stark gesunkener Wasserstand bereitet den Helfern des in einer Bucht vor der kleinen Ostsee-Insel Poel gestrandeten Buckelwals „Timmy“ weiterhin erhebliche Probleme. Über die Nacht hat sich der Meeressäuger nicht von der Stelle bewegt. Unterdessen eskaliert der Streit im Rettungsteam.
Die private Rettungsinitiative bemühte sich weiter um den festliegenden Buckelwal. Auf Livebildern war unter anderem zu sehen, wie ein Helfer den aus dem flachen Wasser ragenden Tierrücken mit nassen Tüchern bedeckte. Laut Fachleuten befinde sich der Meeressäuger in einem „besorgniserregenden Zustand“.
Rettungsaktion für Wal „Timmy“: Wasserstand erneut unter Normal
Einsatzkräfte und Unterstützer hatten am Dienstag Schlick unter dem tonnenschweren Tier abgesaugt und weggeblasen. Am Abend lag der Wal – wie erhofft – etwas tiefer im Wasser. Das gilt als entscheidend, weil ein Wal in zu flachem Wasser durch sein eigenes Gewicht lebensgefährlich belastet werden kann.

Helfer arbeiten in direkter Nähe des Wals.
Copyright: Marcus Golejewski/dpa
In der Abenddämmerung wurde der rund zwölf Meter lange Meeressäuger mit Makrelen gefüttert. Nach Angaben von Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) diente dies vor allem dazu, das Tier zu animieren. Die zuständigen Behörden seien über die Schritte der privaten Rettungsinitiative informiert und entschieden letztlich darüber, welche Maßnahmen zulässig seien und was dem Tier nicht zugemutet werden sollte.
Das Niedrigwasser dürfte die kostspieligen Rettungsarbeiten weiter erschweren. Das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie erwartet für Mittwoch erneut einen Wasserstand von bis zu 30 Zentimetern unter dem Normalwert. Da der Wal inzwischen in einer künstlich freigeblasenen Vertiefung liegt, könnte es für ihn zusätzlich schwierig werden, sich aus eigener Kraft daraus zu lösen.
Um zu verhindern, dass das Tier weiter in den ausgedehnten Flachwasserbereich am Ausgang der Bucht gerät, sollten Sandsäcke hinter dem Wal im Wasser platziert werden. Bis zum Einbruch der Dunkelheit war dies in Livestreams jedoch nicht zu sehen. Die Idee dahinter: Die Säcke sollen den Wal daran hindern, sich vom tieferen Fahrwasser wegzubewegen. In der Nacht zuvor habe sich das Tier unter dem Einfluss von Wind und Wellen „im Rückwärtsgang“ verlagert, sagte Backhaus – um etwa 80 Meter.
Kölner Umweltschützer rechnet mit Wal-Rettern ab
Christian Stock, Gründer des Kölner Vereins „K.R.A.K.E.“ (Kölner Rhein Aufräum Kommando Einheit), macht seinem Ärger Luft. Das Chaos bei den Versuchen, das entkräftete Tier zu bergen, lässt ihn fassungslos zurück. „Mir als Krakenpapa ist es völlig unbegreiflich, wie in einer solchen Situation absolute Unwissenheit, Profitgier, Bürokratie und letztlich leider auch diverse Egos eine Rettung stark verzögern/unmöglich machen“, schrieb er in einem Instagram-Post.
Zoff im Rettungsteam: US-Tierärztin erhebt schwere Vorwürfe gegen Helfer
Die inzwischen abgereiste US-Tierärztin Jenna Wallace hat deutliche Kritik am Rettungsteam geübt. Insbesondere Sergio Bambarén, Vizepräsident der Umweltschutzorganisation „Mundo Azul“, sowie der Influencer Danny Hilse würden nach ihrer Einschätzung den gesamten Einsatz gefährden. Die Helfer arbeiteten unter teils massiven Einschränkungen, sagte Wallace dem NDR. Umso unverständlicher sei es, dass zwei Personen Teil des Teams seien, „die dort auf keinen Fall hingehören“.
Drama um Wal in Ostsee: Peilsender angebracht – Zustand weiter kritisch
Der Wal war am Montagmorgen nach rund drei Wochen an derselben Stelle bei steigendem Wasserstand plötzlich losgeschwommen. Von Booten aus wurde versucht, ihn in Richtung Ostsee zu treiben. Nach etwa zwei Stunden stoppte das vermutlich erschöpfte Tier jedoch am Übergang der Kirchsee in die Wismarbucht, wo deutlich tieferes Fahrwasser Richtung Ostsee verläuft.
Inzwischen sei ein Sender am Tier angebracht worden, so Backhaus. Sollte sich der Wal befreien und weiter schwimmen, könne sein Weg verfolgt werden. Ob es dazu kommt, ist offen: Der Minister beschrieb den Wal als kurzatmig und in einem kritischen Zustand, zugleich aber als vital – mit einer Chance. Der Walforscher Fabian Ritter sprach sich erneut dafür aus, das Tier möglichst in Ruhe zu lassen, um zusätzlichen Stress zu vermeiden.
Vorgeschichte: Sichtungen seit Anfang März
Erste Sichtungen des Buckelwals gab es Anfang März. Am 3. März tauchte er im Hafen von Wismar auf; in den folgenden Tagen wurde er vor der Ostseeküste Schleswig-Holsteins sowie vor Mecklenburg-Vorpommern beobachtet. Nach Einschätzung von Experten verfing sich das Tier wiederholt in Netzen. Einsatzkräfte und Meeresschützer der Organisation Sea Shepherd befreiten es von einem Teil des Materials.
Am 23. März strandete der Wal erstmals auf einer Sandbank vor Timmendorfer Strand in der Lübecker Bucht. Nach umfangreichen Rettungsversuchen schwamm er schließlich aus eigener Kraft weiter. Wenige Tage später folgte eine erneute Strandung in der Wismarbucht. Bei steigendem Wasserstand löste sich das Tier in der Nacht kurzzeitig, lag jedoch kurz darauf wieder auf und schwamm erneut weiter. Seit dem 31. März saß der Wal dann erneut fest, diesmal in der Kirchsee-Bucht. Am Montag kam es am Ausgang der Bucht zur inzwischen fünften Strandung. (mbr/dpa/afp)

