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Ein Dutzend GeschosseTerrorverdacht nach Angriff auf Umspannwerk in Brandenburg

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Wasserdampf steigt aus den Kühltürmen des Kraftwerks Jänschwalde. Nach der Sabotage am Stromnetz in Südbrandenburg sucht die Polizei vor Ort weiter nach Spuren, um die Täter ermitteln zu können.

Wasserdampf steigt aus den Kühltürmen des Kraftwerks Jänschwalde. Nach der Sabotage am Stromnetz in Südbrandenburg sucht die Polizei vor Ort weiter nach Spuren, um die Täter ermitteln zu können. 

Mehr als ein Dutzend Flugkörper waren offenbar bereits Tage zuvor am Umspannwerk platziert worden.

Nach dem Angriff auf ein Umspannwerk am Kohlekraftwerk Jänschwalde in Brandenburg ermittelt die Polizei nun auch wegen des Verdachts der Bildung einer terroristischen Vereinigung. Das teilte das Brandenburger Polizeipräsidium am Mittwoch in Potsdam mit. Daneben geht es um den Verdacht der Störung öffentlicher Betriebe, des Herbeiführens einer Sprengstoffexplosion und der Zerstörung wichtiger Arbeitsmittel.

Die Suche nach Beweismitteln am Tatort dauert unterdessen an. Der Angriff hatte am Dienstagmorgen (1. September) zu einer kurzzeitigen Unterbrechung von Stromleitungen geführt. Am gleichen Tag ereignete sich der Vorfall an einem Umspannwerk in Bergheim. Laut NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) stehen zwei mögliche Richtungen im Fokus: fremdstaatliche Akteure und Linksextremismus.

Mehr als ein Dutzend Geschosse unter Leitungen platziert

Nach Angaben von Brandenburgs Innenminister Jan Redmann (CDU) haben die bislang unbekannten Täter „leitfähiges Material“ in Höchstspannungsleitungen eingebracht. Dadurch kam es in zwei Fällen zu Kurzschlüssen.

Nach dem derzeitigen Ermittlungsstand waren die Täter offenbar mit mehreren Vorrichtungen vorgegangen. Redmann sagte im Innenausschuss des Landtags, es seien mehr als ein Dutzend „raketenähnliche Gegenstände, die einen Treibsatz hatten“, unter den Stromleitungen positioniert worden. Nur einer davon habe nach jetzigem Stand tatsächlich sein Ziel erreicht.

Blick auf die Kraftwerksblöcke im Kraftwerk Jänschwalde.
Das Kraftwerk Jänschwalde wurde in den Jahren 1976 bis 1989 als letzter Kraftwerksneubau der DDR errichtet.

Blick auf die Kraftwerksblöcke im Kraftwerk Jänschwalde. Das Kraftwerk Jänschwalde wurde in den Jahren 1976 bis 1989 als letzter Kraftwerksneubau der DDR errichtet.

„Wir haben da verdammtes Glück gehabt“, sagte der Minister. Ein Geschoss habe es am Dienstagmorgen geschafft, ein Kabel in die Höchstspannungsleitung zu transportieren. Dadurch sollte eine leitende Verbindung mit dem Erdboden hergestellt werden.

Vorrichtungen waren offenbar Tage vorher installiert worden

Bei den Geschossen habe es sich nicht um handelsübliche Silvesterraketen gehandelt, erklärte Redmann. Sie seien diesen jedoch vergleichbar gewesen. Die Täter hätten die Vorrichtungen direkt unter den Leitungen in der Nähe des Umspannwerks Turnow-Preilack an der Grenze zu Sachsen aufgestellt. Das Umspannwerk liegt unweit des Kraftwerks Jänschwalde.

Auch Netzbetreiber 50Hertz hatte mitgeteilt, dass selbstgebaute, an Silvesterraketen erinnernde Flugkörper eingesetzt worden seien.

Nach Einschätzung des Innenministers waren die Täter nicht erst am Tag des Angriffs vor Ort. „Wir müssen gegenwärtig davon ausgehen, dass die Täter schon mehrere Tage vorher dort vor Ort unterwegs waren und die entsprechenden Anlagen installiert haben“, sagte Redmann. Der Bau und die Installation der Vorrichtungen hätten einiges „an technischem Know-how“ vorausgesetzt.

Kein Bekennerschreiben – Ermittlungen in alle Richtungen

Nach Tatverdächtigen wird weiter gesucht. Die Ermittlungen liefen in alle Richtungen, betonte Redmann. Zugleich grenzte er den Vorfall von früheren Angriffen auf die Stromversorgung ab, die der linksextremistischen Szene zugeordnet werden. Die Tatausführung sei anders gewesen.

Ein Bekennerschreiben gibt es bislang nicht. Auch Hinweise darauf, dass eine ausländische Macht hinter dem Angriff steht und dabei Geheimdienstmittel eingesetzt wurden, liegen nach Angaben des Ministers derzeit nicht vor. Unklar ist auch, ob der Vorfall in einem Zusammenhang mit dem Anschlag auf das Umspannwerk in Bergheim gebracht wird.

Bereits im Juni gab es einen Brand in einem Umspannwerk in Reutlingen. Neben dem Vorfall in Brandenburg und dem mutmaßlichen Sabotageversuch in Bergheim tauschen sich die Ermittler in den betroffenen Bundesländern aus: Das baden-württembergische Landeskriminalamt (LKA) steht nach eigenen Angaben mit den ermittelnden Dienststellen in Brandenburg und Nordrhein-Westfalen im Informationsaustausch.

Der Brand in Reutlingen hatte im Juni rund 7600 Gebäude und etwa 40.000 Menschen zeitweise ohne Strom zurückgelassen. Die Ermittler gehen von Brandstiftung aus. Einen Tatverdächtigen gibt es bislang nicht.(dpa/afp/sbo)