Trotz der jüngsten US-Friedensbemühungen kommen aus Russland neue Verbalattacken. Insbesondere eine Aussage lässt Experten aufhorchen.
„Hitler nutzte die gleichen Argumente“Ukraine, Europa, Merz – Moskau wählt bedrohliche Worte

Kremlchef Wladimir Putin zusammen mit Moskaus Außenminister Sergej Lawrow. (Archivbild)
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Russland setzt weiterhin auf bedrohliche Töne – den jüngsten Verhandlungsversuchen einer US-Delegation zum Trotz. Moskaus Außenminister Sergej Lawrow nutzte nun ein TV-Interview für weitere Frontalattacken auf die Ukraine, Europa und Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU). „Dass die Ukraine, die wir als legitimes Phänomen in der Weltpolitik anerkannt haben, nicht mehr existiert, ist eine Tatsache“, erklärte Lawrow – und sprach dem von Russland angegriffenen Nachbarland somit das Existenzrecht ab.
„All jene Merkmale, die als Grundpfeiler des ukrainischen Staates proklamiert wurden und die es uns ermöglichten, ihn als unabhängigen Akteur der internationalen Beziehungen anzuerkennen, sind verloren gegangen“, führte der Außenminister aus. „Russland benötigt eine Pufferzone, lasst die Ukraine dieser Puffer werden“, hieß es außerdem von Lawrow, der mit Blick auf die Ukraine zudem von „ursprünglich russischem Territorium“ sprach.
Moskau attackiert Europa: „Ausgeburt der Hölle“
Der dienstälteste russische Minister nahm erneut auch Europa ins Visier. Die europäischen Länder hätten zwei Weltkriege zu verantworten und hätten zudem jahrhundertelang Ausbeutung und Sklaverei betrieben. „Daher wird Europa von vielen als Ausgeburt der Hölle der Weltgeschichte angesehen“, sagte Lawrow.

Kremlsprecher Dmitri Peskow. (Archivbild)
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Auch Dmitri Peskow legte gegen die europäischen Staaten nach. „Die Europäer befinden sich derzeit in einer sehr schwierigen Lage, sie haben Probleme, ihre Gasspeicher zu befüllen“, erklärte der Kremlsprecher – und brachte die Wiederinbetriebnahme der Nordstream-Pipeline ins Spiel. Würde Europa „gesunden Menschenverstand“ nutzen, könnte die Pipeline „sozusagen über Nacht in Betrieb genommen werden“, erklärte Peskow, der auf persönliche Attacken gegen europäische Staatschefs verzichtete.
Sergej Lawrow unterstellt Merz Verehrung von Nazi-Vorfahren
Bei Lawrow sah das anders aus: Der russische Außenminister attackierte in seinem Interview erneut Bundeskanzler Merz. „Ich schließe nicht aus, dass Menschen wie der deutsche Bundeskanzler Merz erneut versuchen könnten, die Heldentaten ihrer Vorfahren zu wiederholen“, sagte Lawrow. Moskaus Top-Diplomat rückte den CDU-Politiker damit wie bereits mehrfach in früheren Aussagen in den Kontext Hitlerdeutschlands.
Merz habe betont, dass Deutschland „erneut zur führenden Militärmacht auf dem Kontinent“ werden solle, führte Lawrow aus. Diesen Anspruch habe es in Deutschland bereits „am Vorabend des Ersten und später des Zweiten Weltkriegs“ gegeben.
Es handele sich bei Merz’ Worten nicht um „einen Freudschen Versprecher“, behauptete Lawrow. „Sie sind tatsächlich dieser Meinung, sie verehren nach wie vor ihre Vorfahren, die dem Nationalsozialismus treu gedient und an Kriegsverbrechen teilgenommen haben, und sind der Ansicht, dass diese das Richtige getan haben“, zitierte die Nachrichtenagentur Tass den Minister.
Moskau droht Norwegen: „Das ist keine bloße Redewendung“
Deutliche Worte wählte Lawrow unterdessen auch für Norwegen, das jüngst das russische Schiff „Professor Molchanov“ in der Arktis auf Betreiben des staatlichen ukrainischen Energiekonzerns Naftogaz beschlagnahmt hat.
Moskaus Außenminister sieht darin eine Eskalation – und verwies auf eine Aussage von Kremlchef Wladimir Putin, der zuletzt mit einer Tier-Allegorie über Orcas und Eisbären erklärt hatte, dass jeder, der versuche, Russland zu „verschlingen“, einen „Schlag ins Gesicht“ bekommen werde. „Das ist keine bloße Redewendung, sondern eine eindeutige Position“, bekräftigte Lawrow nun.
Trotz der jüngsten Friedensbemühungen der USA am Wochenende bekräftigt Lawrow Moskaus Konfrontationskurs. Nach einer längeren Pause waren zuletzt die US-Unterhändler Steve Witkoff und Jared Kushner zunächst nach Moskau und dann in die ukrainische Hauptstadt Kyjiw gereist. Zudem telefonierten Putin und US‑Präsident Donald Trump erneut miteinander. Konkrete Ergebnisse der Gespräche wurden bisher nicht bekannt.
„Hitler nutzte 1939 exakt die gleichen Argumente“
Historiker wie Matthäus Wehowski zeigten sich unterdessen alarmiert angesichts der Worte aus Moskau, insbesondere hinsichtlich der Aussagen über die Ukraine. „Hitler nutzte 1939 exakt die gleichen Argumente, um Polen und der Tschechoslowakei das Existenzrecht abzusprechen“, erklärte Wehowski auf der Plattform X.
Der Russland-Experte erinnerte zudem an die klare Unabhängigkeit des russischen Nachbarlandes: „Die Bevölkerung der Ukraine hat sich 1991 per Volksabstimmung mit klarer Mehrheit (aller Regionen, knapp auch auf der Krim) für die Eigenstaatlichkeit ausgesprochen“, so Wehowski.
