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Ansturm auf CeutaViel spricht für einen hybriden Angriff auf Spanien – und die EU

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Migranten, die aus Marokko nach Spanien eingereist sind, schlafen an einem Strand in der spanischen Exklave Ceuta.

Migranten, die aus Marokko nach Spanien eingereist sind, schlafen an einem Strand in der spanischen Exklave Ceuta.

Bis zu 60.000 Menschen haben sich aus Marokko auf den Weg in die spanische Exklave gemacht. Es gibt Indizien dafür, dass das kein Zufall war.

Angesichts des Ansturms von bis zu 60.000 Migranten aus Marokko auf die spanische Exklave Ceuta gibt es zwei Interpretationen. Die erste Interpretation lautet, der Ansturm sei die Schuld Spaniens mit der zu liberalen Migrationspolitik seiner sozialistischen Regierung unter Pedro Sánchez. Entsprechend äußerten sich 22 Staats- und Regierungschefs der EU in einem offenen Brief. Die zweite Interpretation geht davon aus, dass es sich um einen hybriden Angriff gehandelt haben könnte – gesteuert von Marokko, Russland oder beiden.

Was deutet auf einen hybriden Angriff hin?

Spanischen Medienberichten zufolge soll die Guardia Civil auf Überwachungskameras an der Grenze marokkanische Geheimdienstagenten identifiziert haben, die sich unter den Migranten befanden. Ein derartiger Massenansturm sei kaum möglich, ohne dass marokkanische Sicherheitskräfte weggeschaut hätten, hieß es. „Die Passivität der marokkanischen Sicherheitskräfte, die in zahlreichen Videos dokumentiert ist, lässt keinen Zweifel an ihrer Mitschuld oder Gleichgültigkeit gegenüber dem Massenangriff“, schreibt Jorge Dezcallar, ehemaliger spanischer Botschafter in Marokko sowie Ex-Chef des Geheimdienstes CNI, in „El País“.

Hinzu kommt, dass die Empörungswelle im Netz offenbar gezielt von Russland gesteuert wurde. Der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha veröffentlichte auf X Daten zu einer großangelegten russischen Propagandakampagne in ganz Europa. Demnach sei die Migrationskrise in Ceuta genutzt worden, um die EU zu destabilisieren. Bereits 2021 holten Russland und Belarus gezielt Menschen aus dem Nahen und Mittleren Osten nach Belarus, damit diese in Polen eindringen und im Westen Unruhe schüren sollten.

Nicht zu vergessen: Im Oktober 2025 gab es Berichte über einen Besuch des marokkanischen Außenministers Nasser Bourita bei seinem russischen Amtskollegen Sergej Lawrow in Moskau. Dabei wurde mitgeteilt, es seien internationale Themen von gemeinsamem Interesse besprochen worden – und man wolle die bilateralen Beziehungen auf eine neue Stufe heben.

Was könnte die Motivation sein?

Sánchez hatte die Beziehungen zu Algerien – Marokkos Nachbar und größter Feind in der Region – kürzlich bei einem Besuch gestärkt. Neben dem Streit der afrikanischen Nachbarn über die frühere spanische Kolonie Westsahara betrachtet Marokko die beiden spanischen Exklaven als „besetzte marokkanische Städte“. Es gilt als möglich, dass Marokko Spanien mit einer Lockerung der Grenzkontrollen ein Signal senden wollte. 2021 warf Spanien Marokko ebenfalls vor, im Streit um die Westsahara Migration als Druckmittel eingesetzt zu haben.

Womöglich ist beides zusammengekommen: der Frust Tausender Marokkaner über das eigene Land – und die Passivität der marokkanischen Regierung, die eine Gelegenheit sah, Sánchez „eins auszuwischen“ und in der EU noch unbeliebter zu machen, als er schon ist.

Was sagen Experten?

Der Vorsitzende des Parlamentarischen Kontrollgremiums (PKGr) im Bundestag, Marc Henrichmann (CDU), sagte dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND): „Die Ereignisse sind und bleiben undurchsichtig: Eine Ursache könnten die Spannungen zwischen Spanien und Marokko sein, auf die Marokko jetzt wie bereits im Jahr 2021 durch den gesteuerten Ansturm reagiert hat. Es könnten ebenso gut Schleuserbanden verantwortlich sein. Und schließlich könnte zutreffen, was die Ukrainer sagen: Dass Russland den Ansturm durch Social Media Bots initiiert hat, um die EU unter Druck zu setzen. An einer Destabilisierung Europas könnten vor allem Russland und seine Proxys ein Interesse haben. Alle drei Varianten sind plausibel. Aber die Smoking Gun fehlt noch.“ Er sprach von einem neuen Warnschuss, den man ernst nehmen müsse.

Wie geht es weiter?

Sánchez dankte Marokko für die Zusammenarbeit bei der Entschärfung der Krise. Die EU-Kommission weigerte sich zunächst, von einem hybriden Angriff zu sprechen. Eine solche Einordnung würde sie nämlich zum Handeln zwingen. Die Instrumentalisierung von Migranten als Waffe durch Russland und Belarus ahndet die EU mit Sanktionen und dem Abbruch diplomatischer Beziehungen. Stattdessen betont die EU-Kommission, Marokko sei ein verlässlicher Partner. König Mohammed VI. gilt als äußerst Kritik-empfindlich. Deshalb halten sich sowohl Madrid als auch Brüssel zurück.

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen lobte vielmehr in einem Schreiben an Sánchez die spanischen sowie die marokkanischen Behörden für die Bewältigung des Ansturms. Sie erwägt sogar, die ohnehin recht üppige finanzielle Unterstützung für Marokko auszuweiten.

Ohne das Land zu nennen, warnte die CDU-Politikerin jedoch ebenso, die EU dürfe jedwede Versuche, Migration als Mittel zur Ausübung von Druck auf einen Mitgliedsstaat zu nutzen, nicht akzeptieren. Daraus lässt sich schließen, dass auch sie nicht an Zufälle glaubt.