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„Nerven liegen blank“CDU-Spitzenkandidat Hagel fährt Lehrerin grob über den Mund

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Manuel Hagel, Spitzenkandidat der CDU in Baden-Württemberg, hat kein glückliches Händchen beim Kontakt mit Schulen.

Manuel Hagel, Spitzenkandidat der CDU in Baden-Württemberg, hat kein glückliches Händchen beim Kontakt mit Schulen.

Beim Thema Schule macht CDU-Spitzenkandidat Manuel Hagel keine gute Figur. Beim Besuch in einer Schulklasse zeigte er sich nun wenig souverän.

Der CDU-Spitzenkandidat in Baden-Württemberg, Manuel Hagel, hat sich von der ARD beim Besuch einer Schule begleiten lassen. Der Beitrag war am Montag im Mittagsmagazin zu sehen. Das „Mima“ stellt nacheinander alle Kandidaten für die am 8. März stattfindende Wahl vor. Hagels Verhalten einer Lehrerin gegenüber löste allerdings viel Kritik aus.

In der Reihe geht es darum, die Kandidaten dabei zu begleiten, wenn sie auf „ganz normale Bürgerinnen und Bürger“ treffen. Bei diesen handelte es sich im Fall von Hagel um Schülerinnen und Schüler der 7. Klasse einer Gemeinschaftsschule in Stuttgart mit ihrer Lehrerin Ulrike Petzold. Die baden-württembergischen Gemeinschaftsschulen haben einen inklusiven, individualisierten Ansatz, die Kinder und Jugendlichen lernen hier gemeinsam.

Die Lehrerin und ihre Schülerinnen und Schüler stellen Hagel in dem Beitrag einige kritische Fragen zu den Themen Inklusion, Kürzungen der Mittel und zur Zukunft ihrer Schulform, die sie gefährdet sehen, sollte die CDU die Wahl gewinnen. Petzold wundert sich dann, dass einige CDU-Versprechen zur Bildung wie ein beitragsfreies drittes Kindergartenjahr so spät kommen, schließlich sei die Union seit zehn Jahren mit in der Regierungsverantwortung. 

Manuel Hagel fährt Lehrerin über den Mund

Petzold verbirgt ihren Unmut wenig, Hagel reagiert relativ dünnhäutig. Dann fragt ein Schüler, warum die Inklusionslehrerinnen immer seltener gekommen seien. Hagel versucht eine Antwort, wird aber von Petzold mit der Äußerung „Da hätte ich auch noch eine Frage...“ unterbrochen. Darauf reagiert Hagel grob und herrscht sie an: „Ich spreche gerade mit den Schülern!“ Die so zum Schweigen gebrachte Petzold wirkt wenig amüsiert, danach wird der Beitrag mit einem Schul-Rundgang fortgesetzt.

Auf der Plattform X verbreitet sich der Ausschnitt aus dem Video seit Mittwoch. Viele User zeigen sich empört, wie Hagel mit der Lehrerin umgeht. „Wie geht er erst mit Frauen um, wenn die Kamera aus ist? Besonders christlich ist das nicht, es ist frauenfeindlich“, meint eine Userin. 

Außerdem macht der Begriff „Lehrerschreck“ die Runde bei X. „Sehr sympathisch, wie Manuel Hagel die Lehrerin ganz am Ende anschnauzt und abkanzelt. Offenbar waren ihm die Fragen zu kritisch. Die Nerven liegen blank und da zeigt sich der wahre Charakter“, schreibt ein anderer User.

Hagels Äußerungen über 16-Jährige lösen Empörung aus

Hagel scheint generell beim Thema Schule in der Tat kein glückliches Händchen zu haben: Kürzlich geriet der 37-Jährige in die Schlagzeilen, weil er unpassende Bemerkungen über eine Schülerin gemacht hatte. In dem Video aus dem Jahr 2018 sagte er nach dem Besuch einer Schulklasse in seinem Wahlkreis, die zu 80 Prozent aus jungen Frauen bestand: „Also da gibt’s für 29-jährige Abgeordnete schlimmere Termine als diesen.“ Speziell über eine 16-Jährige, mit der er gesprochen hatte, erklärte er: „Ich werd’s nie vergessen, die erste Frage, sie hieß Eva, braune Haare, rehbraune Augen.“

Das brachte Hagel heftige Kritik wegen Sexismus ein. Der CDU-Spitzenkandidat entschuldigte sich für seine Äußerungen und bezeichnete sie als „Mist“. Er sagte auch, bereits damals hätte er sich der Kritik seiner eigenen Frau stellen müssen. 

Der nun gesendete „Mima“-Beitrag war allerdings aufgezeichnet worden, bevor der alte Videoclip mit dem Spruch über die Schülerin bekannt wurde. Darauf weist der Moderator anfangs hin.

Manuel Hagel erklärt den Treibhauseffekt falsch

Neben Hagels Auftreten der Lehrerin gegenüber gibt es auch inhaltliche Kritik an den Ausführungen des CDU-Politikers bei seinem Schulbesuch. Hagel soll den Schülerinnen und Schülern im Fach Geografie den Treibhauseffekt erklären und sagt zu einem Schaubild: „Zwischen der Erde und der Sonne ist die Atmosphäre. Und wenn die immer dünner wird, dann wird die Sonne immer heißer. Der Grund dafür sind Abgase, CO₂ und, und, und. Das ist dieser Treibhausgaseffekt.“

Allerdings ist dies sachlich falsch, denn der Treibhauseffekt funktioniert genau umgekehrt: Die Atmosphäre wird durch Treibhausgase in ihrer Wärmerückhaltungsfähigkeit stärker, nicht dünner. Die langwellige Wärmestrahlung, die die Erde zurückstrahlt, wird absorbiert. Dadurch erwärmt sich die Erdoberfläche. Die Sonne wird natürlich auch nicht heißer.

Bei X machen sich User über die offensichtliche Unwissenheit des CDU-Politikers lustig, der am Ende seiner Ausführungen auch noch ein knackiges  „Alright, oder?“ unterbringt. Ein User meint, er wolle von einem bei einem solchen Kernthema „inkompetenten Ministerpräsidenten“ einfach „nicht regiert werden“. Auch der „Spiegel“-Wissenschaftsjournalist Christian Stöcker zeigt sich entsetzt und schreibt: „Es ist echt. Das ist nicht zu fassen.“