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„Das ist wirklich krass“Scharfe Kritik an CDU-Kandidat wegen Spruch über Schülerin

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Manuel Hagel (CDU, M.) nimmt zusammen mit Cem Özdemir (Grüne, l.) und Markus Frohnmeier (AfD, r.) beim SWR-Triell teil. Am 8. März wird in Baden-Württemberg ein neuer Landtag gewählt.

Manuel Hagel (CDU, M.) nimmt zusammen mit Cem Özdemir (Grüne, l.) und Markus Frohnmeier (AfD, r.) beim SWR-Triell teil. Am 8. März wird in Baden-Württemberg ein neuer Landtag gewählt.

Der Clip zeigt Manuel Hagel im Jahr 2018 bei einem Stammtischgespräch in einer Gaststätte. Hagel berichtete über einen Besuch an einer Schule.

Wenige Tage vor der Landtagswahl in Baden-Württemberg steht der CDU-Spitzenkandidat Manuel Hagel wegen eines alten Videos in der Kritik. Die Grünen-Politikerin und Bundestagsabgeordnete Zoe Mayer aus Karlsruhe postete auf X ein Video, in dem der Ausschnitt eines Interviews mit Hagels zu sehen ist. Das Gespräch war bereits im Frühjahr 2018 auf Youtube veröffentlicht worden. Zunächst hatten mehrere Medien berichtet.

Der Clip zeigt Hagel bei einem Stammtischgespräch in einer Ulmer Gaststätte. Der jetzige Spitzenkandidat war damals 29 Jahre alt, Landtagsabgeordneter und Generalsekretär der CDU in Baden-Württemberg. Hagel berichtet in der Szene von einem Besuch an einer Realschule in seinem Wahlkreis.

Manuel Hagel: „Da gibt’s für 29-jährige Abgeordnete schlimmere Termine“

In der Klasse hätten damals 80 Prozent Mädchen gesessen, berichtete Hagel und fügte hinzu: „Also da gibt’s für 29-jährige Abgeordnete schlimmere Termine als diesen.“ Dann ging Hagel noch explizit auf eine Schülerin näher ein, die die erste Frage gestellt habe: „Ich werd’s nie vergessen, die erste Frage, sie hieß Eva, braune Haare, rehbraune Augen.“

Die Grünen-Politikerin Mayer postete den Clip nun und kritisierte: „Was meint ein erwachsener Mann damit, dass es ein besonders schöner Termin ist, wenn er in einem Klassenzimmer mit maximal 16-Jährigen sitzt?“ Mayer fragte auch, warum es um das Aussehen eines minderjährigen Mädchens gehen müsse, wenn doch ihre Frage im Mittelpunkt stehe, und was das für ein Signal an Mädchen und junge Frauen sende, die sich in der Politik engagieren wollten.

Scharfe Kritik von den Grünen: „Das ist wirklich krass“

Auch der Grünen-Politiker Till Steffen kommentierte den Clip auf der Plattform X. „Das ist wirklich krass“, lautete Steffens Kommentar zu Hagels damaligen Ausführungen über denkbare „schlimmere Termine“.

Die Landesvorsitzende der Grünen in Baden-Württemberg, Lena Schwelling, sagte dem „Spiegel“ unterdessen: „Eine 16-jährige Schülerin ist keine Projektionsfläche für augenzwinkernde Bemerkungen, sondern eine junge Bürgerin mit einer politischen Frage.“ Durch den Fokus auf ihr Aussehen rücke die Stimme der Schülerin in den Hintergrund, so Schwelling.

AfD-Kandidat findet Spruch „irritierend“ und „abnormal“

Aus der CDU gab es unterdessen Zuspruch für Hagel – und Kritik an den Grünen. „Warum sollte man Cem Özdemir wählen, wenn seine Grünen lieber mit acht (!) Jahre altem Schmutz werfen, statt mit Argumenten zu überzeugen?“, schrieb etwa der Generalsekretär der CDU in Schleswig-Holstein, Lukas Kilian, bei X. „Wer Wahlkampf mit Attacken gegen Manuel Hagel ersetzt, zeigt vor allem eins: inhaltliche Leere und einen schlechten Stil“, fügte der CDU-Politiker hinzu. 

Auch im TV-Triell vor der Landtagswahl in Baden-Württemberg wurden Hagels Worte aus der Vergangenheit schließlich Thema. Während AfD-Spitzenkandidat Markus Frohnmeier erklärte, er habe die Äußerungen Hagels in dem Clip als „irritierend“ und „abnormal“ empfunden, nahm der Grünen-Spitzenkandidat Cem Özdemir seinen Konkurrenten gegen die Kritik aus seiner Partei in Schutz.

TV-Triell: Cem Özdemir verzichtet auf Attacke

„Ich bin mir sicher, Herr Hagel würde das heute nicht mehr so formulieren“, erklärte Özdemir und verzichtete somit auf einen Angriff auf Hagel. „Im Übrigen sind wir uns einig, dass man Frauen so beurteilt, wie man Männer beurteilt, nach ihrer Leistung“, hieß es weiter von Özdemir, der sich zudem dafür aussprach, im Wahlkampf fair miteinander umzugehen. 

„Der Einstieg für dieses Interview 2018 war Mist“, räumte Hagel angesichts der aufgekommenen Kritik unterdessen gegenüber mehreren Medien ein. „Meine Frau hat mir damals direkt den Kopf gewaschen. Frau Dr. Mayer kommt damit jetzt zwölf Tage vor der Landtagswahl acht Jahre zu spät“, fügte Hagel hinzu. 

„Viele Frauen wollen sexistische Kommentare nicht länger hinnehmen“

Grünen-Politikerin Mayer meldete sich daraufhin ebenfalls erneut zu Wort – und verteidigte in einer Stellungnahme gegenüber dem „Spiegel“ ihren Social-Media-Beitrag mit dem alten Clip von Hagels Auftritt. „Die Reaktionen von Tausenden Nutzerinnen unter dem Video zeigen sehr deutlich, dass viele Frauen alltägliche Objektifizierung und sexistische Kommentare nicht länger hinnehmen wollen“, erklärte Mayer.

„Solche Erfahrungen gehören leider auch im politischen Betrieb noch immer zur Realität – auch ich habe viele sehr unangenehme Erfahrungen gemacht“, fügte die Grünen-Politikerin hinzu. Gerade für Mädchen und junge Frauen könne es „abschreckend wirken“, sich selbst politisch einzubringen. Sie habe das Video veröffentlicht, „um auf dieses Problem aufmerksam zu machen und eine notwendige Debatte anzustoßen“. (mit dpa)