Alle reden über Biontech. Schon wieder. Das Mainzer Unternehmen hat bei der Europäischen Arzneimittelbehörde EMA beantragt, seinen Impfstoff auch für Kinder – konkret: für Zwölf- bis 15-Jährige zuzulassen. Der Unbedenklichkeitsstempel der Behörde ist wichtig, keine Frage! Denken wir aber mal über die Zulassung hinaus: Wenn Kinder womöglich schon im Juni geimpft werden dürfen – dann auch mit hoher Priorität?
Ich finde, vieles spricht dafür. Als Bevölkerungsgruppe gehören Kinder und Jugendliche zu den Hauptleidtragenden der Pandemie. Zwar erwischt sie das Virus – zum Glück – nicht mit der gleichen Heftigkeit wie ältere und vorerkrankte Menschen.

Carsten Fiedler, Chefredakteur des „Kölner Stadt-Anzeiger“
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Die Verläufe einer Covid-19-Erkrankung, die ich nun wirklich niemandem wünsche, sind bei den Jungen in aller Regel milder, wenn sie denn überhaupt Symptome zeigen. Aber die psycho-sozialen Folgen sind umso gravierender. Die Zwölfjährigen, die in eine Entwicklungszwangspause versetzt wurden ohne Präsenzunterricht, ohne Sportverein, ohne Treffen mit Gleichaltrigen – die können den erlittenen Verlust nicht ohne Weiteres ausgleichen. Wie lange wollen wir es noch mit ansehen, dass eine ganze Generation in einer entscheidenden Lebensphase zurückgeworfen wird?
Wen impfen wir zuerst?
Wir reden so viel davon, dass uns die Kinder so wichtig sind. Aber hatten wir ihre Belange wirklich im Blick, als wir 2020 das ganze Land herunterfuhren? Das Drängen auf einen geregelten Schulbetrieb spätestens nach den Sommerferien kommt mir vor wie Schaufensterpolitik oder wie ein Vabanque-Spiel mit dem Virus, wenn wir bis dahin nicht auch die Kinder durch Impfungen bestmöglich schützen.
Nur dann schalten wir die Schulen als potenzielle Infektionsherde aus, nur dann ermöglichen wir auch den Familien die vielbeschworene „verantwortete Normalität“.
Doch was ist, wenn Biontech die Zulassung für die Impfung der Jüngeren erhält, aber nicht genügend Impfstoff liefern kann? Spätestens dann stehen wir wieder vor der Frage: Wen impfen wir zuerst?
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Ich wünsche mir, dass wir diese Debatte schon jetzt führen. Ruhig, sachlich, ohne moralische Verdächtigungen. Vielleicht brauchen wir gar keine starren Regeln. Vielleicht kommen wir auch hier mit Flexibilität, Rücksicht und einer individuellen Bereitschaft zur Risiko-Abwägung weiter.Wenn Sie mich fragen: Ich fände es gut, bei der Impfung darauf zu achten, dass die Familien als das soziale Gefüge mit den engsten Kontakten vor dem Virus geschützt sind und dass damit dann von ihnen auch keine Gefahr für andere mehr ausgeht. Herdenimmunität von innen nach außen sozusagen, beginnend bei den Kindern.
Bleiben Sie gesund! Achten Sie auf sich und Ihre Nächsten!



