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Kommentar

Trump in Davos
Lügen, Drohungen und eine dramatische Botschaft für Europa

Ein Kommentar von
3 min
US-Präsident Donald Trump hält eine Rede während der Jahrestagung des Weltwirtschaftsforums in Davos. .

US-Präsident Donald Trump hält eine Rede während der Jahrestagung des Weltwirtschaftsforums in Davos. .

Der amerikanische Präsident führt sich beim Weltwirtschaftsforum in Davos auf, als gebe es keine Regeln auf der Welt. Die Nato ist ihm egal.

Ausgerechnet an dem Tag, an dem die Europäische Union beim Weltwirtschaftsforum in Davos gegenüber den USA so dringend ein Signal der Stärke gebraucht hätte, sorgt das Europäische Parlament für ein Signal der Schwäche und der Zerstrittenheit. Die Abgeordneten stoppten vorerst das frisch unterzeichnete Mercosur-Abkommen, das die EU und Südamerika zur größten Freihandelszone der Welt hätte machen sollen. Ein bitterer Tag für die Europäische Union.

Mit dieser Nachricht im Rücken konnte US-Präsident Donald Trump in Davos erst recht triumphierend auftreten. Das tat er auch, lobte seine bisherige Präsidentschaft und sprach von einem angeblichen amerikanischen Wirtschaftswunder. Dabei log er so viel, wie er dick auftrug. Den Europäern trat er mit Verachtung und Vorwürfen entgegen, gepaart mit der durch Drohungen untermauerten Forderung, dass er Grönland zum amerikanischen „Eigentum“ machen will. Weitere dramatische Botschaft: Trump stellte die Nato infrage, indem er sie als reines Geschäftsmodell betrachtet.

Es wäre für die USA nicht schwer, Grönland einzunehmen. Die Europäer jedenfalls würden keinen Widerstand leisten. Für sie ist es immer noch wichtiger, die Ukraine zu unterstützen.

Er will „das Eis“ kaufen

Trump drohte nicht offen mit einer militärischen Invasion in Grönland, legte die Option aber indirekt auf den Tisch und verlangte erneut, „das Eis“ kaufen zu können. Er behauptete, jedes Nato-Land müsse sich selbst verteidigen können, wozu Dänemark mit Grönland nicht in der Lage sei. Mit dieser Verdrehung der Idee der Nato versetzt er dem Bündnis einen existenziell bedrohlichen Schlag. Mit unabsehbaren Folgen für alle Beteiligten.

Für die Europäer stünde ihre Sicherheit infrage. Eine derartige Implosion der Nato könnte auch ein Ende des atomaren Schutzschirms für die europäischen Staaten bedeuten. Auf eine Eroberung Grönlands durch die USA und auf weitere Zölle Trumps bereiten sich die EU-Staaten nun immerhin mit drastischen Wirtschaftsmaßnahmen vor. Das Ergebnis wäre ein transatlantischer Handelskrieg. Es wäre ein Drama sowohl für die Amerikaner wie auch für die Europäer. Auf beiden Seiten würden die Volkswirtschaften leiden und die Verbraucher am Ende die Zeche zahlen.

Risiken für Trump

Auch für Trump sind die Risiken groß. Die US-Basis im rheinland-pfälzischen Ramstein ist für die Amerikaner zentral für ihren Einfluss im Nahen Osten. Innenpolitisch bekommt der US-Präsident mächtig Gegenwind für seine Grönland-Pläne, auch aus dem eigenen Lager. Zudem sind seine Militärs irritiert. Sie sind in dem Geist aufgewachsen und dafür ausgebildet, ihre Einsätze im Sinne der Nato zu führen.

Sollte sich der US-Präsident tatsächlich aus dem Schutz Europas durch amerikanische Atomwaffen zurückziehen, werden auch die USA auf der Weltbühne an Bedeutung verlieren. Der amerikanische Präsident galt seit Ende des Kalten Krieges als mächtigster Mann der Welt, weil er der Anführer der freien Welt war. Wenn Trump nun in seinem eigenen Land die Demokratie schwächt und außenpolitisch nur noch seinen Kontinent in den Blick nimmt, stuft er die USA herab.

Man mag es kaum wiederholen, so oft ist diese Selbstverständlichkeit in den vergangenen Jahren beschworen worden: Europa, vor allem die EU, muss zusammenhalten. An diesem Donnerstag wird der Europäische Rat zu einem schicksalhaften Krisentreffen zusammenkommen. Es ist nichts dagegen einzuwenden, wenn die Europäer im Verhältnis zu den USA zu retten versuchen, was noch zu retten ist. Freundlichkeit und diplomatisch eingesetzte Unterwürfigkeit allein führen aber nicht zum Ziel. Was Europa jetzt gegenüber den USA braucht, ist eine harte, einige Reaktion.