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Glückliches Ende einer OdysseeDeutsche Botschaft organisiert Rückflug von Riad für Kölner Urlauber

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Zurück in Köln: Wera und Hans-Jürgen A. strandeten wegen des Krieges in Nahost in Katar und mussten dort eine Woche lang ausharren. Foto: Wera A.

Zurück in Köln: Wera und Hans-Jürgen A. strandeten wegen des Krieges in Nahost in Katar und mussten dort eine Woche lang ausharren. Foto: Wera A.

Die Ungewissheit hat ein Ende. Am Montag sind in Katar gestrandete Urlauber wohlbehalten nach Köln zurückgekehrt.

Keine schlaflosen Nächte mehr, weil das Smartphone ständig Alarm schlägt und vor einem Drohnenangriff warnt. „Da stehst man senkrecht im Bett und wartet, bis die Entwarnung kommt. Das dauert meistens eine Stunde.“

Nach einer Woche unfreiwilligen Aufenthalts in Doha sind Wera (64) und Hans-Jürgen A. (77) wohlbehalten zurückgekehrt. Mit dem dritten Rückholflug, den das Auswärtige Amt aus dem Nahen Osten für deutsche Staatsbürger bisher organisiert hat. Sie waren in Katar gestrandet, auf dem Rückweg von einem Urlaub in Sri Lanka.

Mit 200 anderen Deutschen ausgeflogen

Sechs Tage sitzen sie in einem Hotel am Rande der Hauptstadt schon fest, bis sie die deutsche Botschaft in Doha kontaktiert, dass sie eventuell zu einer Gruppe gehören könnten, die ausgeflogen wird. Dazu zählen hauptsächlich Familien mit kleinen Kindern und Senioren. „Da haben wir natürlich zugeschlagen.“

Hans-Jürgen A. trägt sich vor seinen Auslandsreisen seit vielen Jahren grundsätzlich in die Krisenvorsorgeliste ELEFAND des Auswärtigen Amtes ein. ELEFAND steht für „Elektronische Erfassung von Deutschen im Ausland“. In diese Krisenvorsorgeliste können sich alle deutschen Staatsangehörigen eintragen, die sich im Ausland aufhalten.

Dabei spielt es keine Rolle, ob sie sich dort lediglich vorübergehend zu einer Urlaubs- oder Geschäftsreise befinden oder dauerhaft im Ausland leben. In ELEFAND werden Kontaktdaten hinterlegt, sodass die zuständige Auslandsvertretung oder das Krisenreaktionszentrum schnellstmöglich im Krisenfall informieren kann. Diese sogenannten Landsleutebriefe werden automatisch per Mail oder SMS verschickt.

A plume of smoke rises over buildings in Doha on March 5, 2026. Multiple rounds of explosions echoed over Doha on March 5 just hours after officials said they were evacuating residents living near the US embassy. Gulf countries have been targeted by repeated waves of Iranian drone and missile attacks in retaliation for the massive US-Israeli air campaign. (Photo by Mahmud Hams / AFP)

Eine Rauchwolke steht am 5. März über Doha. Wenige Stunden zuvor hatte die Regierung Katars angeordnet, die Gegend um die US-Botschaft zu evakuieren. Foto: AFP

Es ist das erste Mal, dass Hans-Jürgen A., der als Arzt im Ruhestand regelmäßig für ein paar Wochen im Jahr bei ehrenamtlichen Einsätzen vor allem an Krankenhäusern in verschiedenen afrikanischen Ländern tätig ist, von der Krisenvorsorgeliste profitiert.

Nach Erhalt der E-Mail geht alles sehr schnell. „Man hat uns für den vergangenen Samstag einen Treffpunkt und eine Uhrzeit angegeben. Wir sind wie vereinbart mit unserem Gepäck per Taxi zur Deutschen Internationalen Schule von Doha gefahren. Wir durften mit niemandem darüber reden.“

Dort warten auf insgesamt 200 Deutsche, darunter viele Familien mit kleinen Kindern, Mitarbeitende der Botschaft. „Alle trugen orangefarbene Warnwesten mit der Aufschrift: Im Auftrag der Bundesrepublik Deutschland.“

Wir müssen der Botschaft ausdrücklich danken. Die Betreuung war sehr gut
Hans-Jürgen A.

Dann heißt es warten. Zwei Stunden, bis vier Busse im Abstand von 15 Minuten an der Schule vorfahren, mit denen die Gruppe zum Flughafen nach Riad in Saudi-Arabien gebracht werden soll. „Wir müssen der Botschaft ausdrücklich danken. Die Betreuung war sehr gut.“

Ein Mitarbeiter der Botschaft begleitet die Busse bis zur katarischen Grenze. „Von dort ging es sechs bis acht Kilometer durchs Niemandsland.“ Die Einreise nach Saudi-Arabien zieht sich rund zwei Stunden hin. „Alle mussten aussteigen, die Passkontrolle war sehr genau“, sagt Hans-Jürgen A. „Anschließend wurde der Bus gefilzt, das gesamte Gepäck ausgeladen und auf Sprengstoff untersucht.“

500 Kilometer mit dem Bus durch die Wüste

Die Fahrt von rund 500 Kilometern über den Highway durch die Wüste nach Riad zieht sich weitere knapp elf Stunden hin. In einem Kinosaal einer Veranstaltungshalle in der Nähe des völlig überfüllten Flughafens kann sich die Gruppe ein paar Stunden ausruhen. „Es gab Decken, Liegesitze, ein kleines Buffet. Das Auswärtige Amt hat ein Kriseninterventionsteam nach Riad geschickt. Das war schon ein paar Tage vor Ort und sehr gut vorbereitet.“

Bis zum Abflug mit einem Sonderflug dauert es noch etliche Stunden. „Check In, eine besondere Passkontrolle, Boarding. Der Flug ist in keinem Informationssystem aufgetaucht.“

Die Maschine des Ferienfliegers Sun-Express kommt aus dem ägyptischen Ferienort Hurghada. „Sie hat dort drei Tage in Warteposition gestanden.“ Mit einem Auftank-Zwischenstopp in Varna (Bulgarien) geht es für die Gruppe am Sonntagnachmittag weiter nach Berlin.

„Wir haben ein Hotel direkt am Flughafen gebucht. Wir waren wirklich fix und fertig“, sagt Hans-Jürgen A. (77). Dass ihr gebuchter ICE nach Köln am Montag ausfällt und sie erst zwei Stunden später auch noch über einen Umweg nach Köln fahren müssen, kann das Paar nicht mehr schocken. Der Stillstand sämtlicher Rolltreppen am Berliner Hauptbahnhof auch nicht. „Wir sind einfach nur froh, wieder zuhause zu sein.“