Die Zeit totschlagen, auf einen Rückholflug warten und das Hotel möglichst nicht verlassen. Das ist jetzt Alltag für gestrandete Urlauber in der Golfregion.
Kölner Ehepaar sitzt in Katar fest„Man hört die Angriffe und sieht manchmal etwas am Himmel“

Das Kölner Ehepaar Wera und Hans-Jürgen A. ist in Katar wegen des Angriffs auf den Iran gestrandet. Foto: Wera A.
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Noch im Taxi auf dem Weg zum Doha International Airport am vergangenen Samstag haben sie nichts geahnt von dem, was auf sie zukommen würde. Auf dem Rückweg aus ihrem Urlaub in Sri Lanka hatten Wera und Hans-Jürgen A. aus Köln noch drei Nächte in der katarischen Hauptstadt gebucht.
Ein Hotel mitten im Zentrum, den Zwischenstopp nutzen, um das Nationalmuseum, den historischen Marktplatz Souq Waqif und die Corniche, die sehenswerte Uferpromenade zu besuchen, die sich entlang der halbförmigen Bucht der Stadt erstreckt.
Gestrandet in Katar: „Wir waren kurz vor dem Ziel“
„Wir waren kurz vor dem Ziel, da sagte uns der Taxifahrer, dass der Flughafen gerade geschlossen worden sei“, sagt Hans-Jürgen A. „Wir sind trotzdem noch hingefahren und warteten dort mit Hunderten von Gestrandeten, bis uns mitgeteilt wurde, dass nichts mehr geht, der Luftraum aufgrund des Iran-Konflikts geschlossen ist.“ Bis dahin hätten sie von den Militärschlägen der USA und Israels gar nichts mitbekommen.
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Hunderte gestrandete Touristen sitzen in Doha und Umgebung in Hotels fest. Das Kölner Ehepaar wartet im Souq Al Wakra auf die Rückreise nach Deutschland. Bei der WM 2022 war hier die englische Nationalmannschaft zu Gast.
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Für das Ehepaar, das schon viele Reisen unternommen hat, ist das wie für alle anderen eine völlig neue Lage. „Natürlich haben wir uns ziemlich bedroht gefühlt, weil der Iran ja sofort gedroht hat, dass er zurückschlagen wird.“
Als ihnen klar wird, dass der Flughafen so schnell nicht wieder öffnen wird, reagieren die beiden besonnen, buchen ein Hotel am Rande der Hauptstadt. „Das war eine ganz bewusste Entscheidung. Das Zentrum erschien uns doch zu unsicher“, sagt der 77-Jährige.
„Zum ersten Mal in meinem Leben muss ich die Erfahrung machen“
„Zum ersten Mal in meinem Leben muss ich die Erfahrung machen, was es heißt, unter Beschuss zu sein.“ Die Al Udeid Air Base, die größte Militärbasis der USA im Mittleren Osten, liegt in der Nähe der Hauptstadt. „Man hört die Angriffe und sieht manchmal etwas am Himmel. Dass die Region mal von außen bedroht werden könnte, hätte sich hier nie jemand vorstellen können.“
Das Hotel Souq Al Wakra, in dem bei der WM 2022 die englische Nationalmannschaft ihr Quartier aufgeschlagen hatte, ist voll mit gestrandeten Touristen aus aller Welt. „Wir tauschen uns aus. Jeder hat ständig irgendwelche neuen Informationen, die sich zum Teil widersprechen. Zum Glück haben wir hier einen stabilen Internetzugang.“
Das Ehepaar versucht, per Mail Kontakt zum Auswärtigen Amt und zur deutschen Botschaft aufzunehmen, mehr als zwei Antworten mit allgemeinen Hinweisen habe es aber nicht gegeben. „Wir sollen uns ruhig verhalten und auf keinen Fall versuchen, eine individuelle Ausreise zu organisieren. Sie würden sich kümmern.“
Die erste Reisewarnung kam am Samstag. Da waren wir schon auf dem Rückweg
Erbost hätten ihn die ersten Aussagen des deutschen Außenministers Johann Wadephul (CDU), sagt Hans-Jürgen A. „Als ich gelesen habe, wir seien im Grunde selbst schuld, weil wir trotz Warnung in die Region gereist seien. Die erste Warnung kam am Samstag, da waren wir schon auf dem Rückweg.“
30.000 Deutsche sitzen in der Golfregion fest
Insgesamt sitzen nach Angaben des Deutschen Reiseverbands noch rund 30.000 deutsche Touristen in der Krisenregion fest. Erste Rückflüge von Reiseveranstaltern sind bereits erfolgt. Vorsorglich haben sich Wera und Hans-Jürgen A. elektronische Visa für Saudi-Arabien besorgt, weil es hieß, dass Busfahrten von Doha zum Flughafen nach Riad acht Stunden durch die Wüste eine Alternative sein können. Sehr wahrscheinlich sei das aber nicht, glaubt Wera A. (64). „Wir haben uns darauf eingestellt, dass wir einfach abwarten müssen und rechnen mindestens noch mit einer Woche. Eigentlich sind wir ganz gelassen, wir wollen aber nur noch nach Hause.“
Man habe immerhin das Glück, dass das Hotel direkt am Meer liegt und es in der Nähe einen Bazar gibt, der wegen des Ramadans aber erst nach Einbruch der Dunkelheit öffne. „Da kann man abends mal hingehen.“
Eine gewisse Verbitterung gegenüber den deutschen Behörden sei den deutschen Touristen im Hotel schon anzumerken. „Die Österreicher haben bereits Sammeltransporte organisiert und ihre Landsleute ausgeflogen“, sagt Hans-Jürgen A. „Das macht einen schon ein wenig ärgerlich.“
Wer am Ende für die Hotelkosten aufkommen müsse, sei unklar. „Die ersten Nächte haben wir bezahlt. Jetzt kursiert das Gerücht, dass der Emir von Katar das übernehmen könnte.“

