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Bonner KonzernSo verdient DHL an der Energiewende

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DHL befördert Rotorblätter für eine Windkraftanlagen von Houston, USA, über 7.500 Meilen nach Izmir in der Türkei. Jedes Blatt war 50 Meter lang und wog etwa 14 Tonnen.

DHL befördert Rotorblätter für eine Windkraftanlagen von Houston, USA, über 7500 Meilen nach Izmir in der Türkei. Jedes Blatt war 50 Meter lang und wog etwa 14 Tonnen.

Das Geschäft mit erneuerbaren Energien wird für den Bonner Logistik-Riesen zum Wachstumsmotor. Konzernchef Meyer bekräftigt Öko-Ziele bis 2030.

Auf dem Weg zur Klimaneutralität will die Bonner DHL (Deutsche Post) Motor, Vorbild und auch Gewinner sein - und das vor dem Hintergrund gewaltiger politischer und ökonomischer Veränderungen auf der ganzen Welt. „Wir wollen das Geschäft mit nachhaltigen Energien bis 2030 von heute 600 Mill. Euro auf 3 Mrd. Euro steigern“, kündigte CEO Tobias Meyer während der global ausgerichteten „New Energy Conference“ in Amsterdam an. Auf der Tagung will DHL den Anspruch, global führender Logistik-Dienstleister in nachhaltigen Energien zu sein, untermauern. Deshalb bekräftigte der Bonner Konzern auch seine eigenen Anstrengungen zur Klimaneutralität, die spätestens 2050 erreicht sein soll. So fährt bereits heute fast jedes zweite Fahrzeug der DHL-Flotte elektrisch – fast 50.000 Autos und Lkw weltweit. Außerdem beziehen die Bonner immerhin 96,9 % ihres Stroms aus nachhaltigen Quellen.

„Wäre unsinnig, die Vorteile der Windenergie nicht zu nutzen“

„Die Energiewende ist auch ökonomisch unaufhaltsam, die Vorteile etwa der Windenergie sind in vielen Ländern so offensichtlich, dass es unsinnig wäre, sie nicht zu nutzen“, verwies Meyer auf die langfristigen Trends, an denen sich DHL orientiert. So baut der Konzern sein Geschäft mit Windenergie kontinuierlich aus und versteht sich als Komplettanbieter für die globale Versorgung von Windanlagen. Das gilt mindestens genauso für den Sektor Elektromobilität. Hier unterhält DHL Geschäftsbeziehungen zu weit mehr als 100 Herstellern weltweit – mit entsprechend großen logistischen aber auch technischen Herausforderungen. So braucht es, wie Sparten-CEO Maryn Lawns berichtete, neuartige Komponenten wie temperaturempfindliche Container, sogenannte „Thermoliner“, mit denen weltweit Autobatterien transportiert werden.

In den südlichen Niederlanden hat DHL vor wenigen Tagen den Grundstein für ein 17.000 Quadratmeter großes Logistikzentrum für Hochvoltbatterien gelegt, das den gesamten europäischen Markt bedienen soll, sowohl für Elektroautos als auch für den weiter wachsenden Markt mit Batteriespeichern.  Der Hub liegt nicht nur in direkter Nachbarschaft zum bereits existierenden DHL-Automotive-Zentrum, sondern auch nahe der deutsch-belgischen Grenze und damit an dem wichtigsten transeuropäischen Transportkorridor.

Luftverkehr stark vom Iran-Krieg beeinträchtigt

„Vom Energie-Risiko zur Energie-Resilienz“ hat die DHL ihre Konferenz in Amsterdam übertitelt, mit einer aktuellen Grafik verdeutlichte CEO Meyer, wie anfällig die Verkehrsströme auf der Welt angesichts der beiden großen Konflikt dieser Tage sind. So wird der Flugverkehr zwischen Asien und Europa und damit auch die gesamte Luftfracht zwischen den Kontinenten wegen der Kriege in der Ukraine und im Mittleren Osten über zwei höchst enge Luft-Korridore über dem Roten Meer und über Zentralasien abgewickelt. „Zuletzt mussten wir uns in unseren Lieferketten alle sechs Monate auf neue geopolitische Konstellationen einstellen“, sagte Meyer.

Die Herausforderung, diese Lieferketten sicherzustellen, also gegen geopolitische Verwerfungen abzusichern, sei enorm, sagte Meyer, ohne auf den Iran-Krieg direkt einzugehen. Hinzu kämen, gerade im Geschäft mit erneuerbaren Energien, auch viele unterschiedliche Regulierungen in einzelnen Ländern. Außerdem gebe es spezifische Herausforderungen in einzelnen Lieferketten, als Beispiele nannte er die globale Sicherstellung der Ersatzteilversorgung von Elektroautos oder den Transport großer Batterien nach Neuseeland.

Vollsperrung der Bonner Nordbrücke „möglichst schnell beseitigen“

Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass es auch spezifische regionale Schwierigkeiten gibt, die es zu lösen gilt. Auf die Frage, ob denn das Rheinland und insbesondere die Stadt Bonn als Sitz des DHL-Hauptquartiers vom Boom im Geschäft mit nachhaltigen Energien profitieren werde, wurde der Konzernchef grundsätzlich. Gerade bei erneuerbaren Energien habe Europa dramatisch gegenüber Asien verloren, trotz aller vorhandenen technologischen Fähigkeiten. Dringender Handlungsbedarf sei gegeben. Wie brüchig die Versorgungsketten sein könnten, zeige sich derzeit ja gerade auch im Bonner Norden. „Ich würde es, gerade im Sinne meines Unternehmens und unserer Mitarbeiter begrüßen, wenn das Problem möglichst schnell beseitigt wird“, meinte Meyer im Bezug auf die gegenwärtige Vollsperrung der Bonner Nordbrücke.

Nachhaltigkeit genauso wichtig wie Finanzdaten

Die DHL-Group hat das Ziel der Nachhaltigkeit mit der „ESG Roadmap 2030" sowie dem langfristigen Ziel der Kohlendioxid-Neutralität bis 2050 fest in ihre Unternehmenssteuerung integriert. Jüngst hatte ein Sparten-der CFO betont, dass Nachhaltigkeits-Daten für den Konzern denselben Stellenwert wie Finanzdaten haben sollen. Seit 2024 heißt die Konzerntrategie „Beschleunigtes nachhaltiges Wachstum“, womit die Nachhaltigkeitsziele als Wachstumstreiber der Gruppe ausgeflaggt werden.

An der Deutschen Börse, an der die DHL Group immer noch als Deutsche Post firmiert, stieg der Aktienkurs am Nachmittag um gut 1,6 Prozent auf 52,14 Euro. Binnen eines Monats hat das Papier um fast zehn Prozent zugelegt und liegt damit über dem durchschnittlichen Kurziel von 51,34, das die Analysten nennen.