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Sein Vater wurde ermordetFlucht vor Kim Jong-un – Wo ist sein Neffe Kim Han-sol?

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Ankunft von Kim Han-sol, dem Enkel des damaligen nordkoreanischen Machthabers Kim Jong-il, in Bosnien und Herzegowina.

Ankunft von Kim Han-sol, dem Enkel des damaligen nordkoreanischen Machthabers Kim Jong-il, in Bosnien und Herzegowina. (Archivbild vom 2011)

Im Westen studiert, vom eigenen Onkel gejagt: Das dramatische Schicksal von Kim Han-sol, dem verschwundenen Neffen des Nordkorea-Diktators.

Ein junger Mann, der im Westen ausgebildet wurde, das Regime seines eigenen Onkels öffentlich kritisierte und nach einem dramatischen Giftmord spurlos von der Bildfläche verschwand. Die Geschichte von Kim Han-sol liest sich wie ein moderner Spionagethriller. Doch für den heute 31-jährigen Enkel von Kim Jong-il ist es die lebensgefährliche Realität.

Der Tag, der alles veränderte

Es ist der 13. Februar 2017. Am Flughafen von Kuala Lumpur wird Kim Jong-nam, der ältere Halbbruder des nordkoreanischen Diktators Kim Jong-un, von zwei Frauen mit dem hochgiftigen Nervenkampfstoff VX attackiert. Er stirbt wenig später. Für seinen ältesten Sohn, Kim Han-sol, bricht in diesem Moment eine Welt zusammen – und eine Flucht auf Leben und Tod beginnt. Es ist die Flucht vor dem eigenen Onkel, der potenzielle Rivalen um die Macht im Land systematisch ausschalten lässt.

Vom Elite-Studenten zum Staatsfeind

Dabei schien Kim Han-sol lange Zeit weit weg von den brutalen Machtspielen in Pjöngjang. Geboren 1995 in der nordkoreanischen Hauptstadt, wuchs er relativ isoliert in Macau und Festlandchina auf. Im Oktober 2011 zog er erstmals das Interesse der Weltöffentlichkeit auf sich, als er zum Studium am United World College in der bosnischen Stadt Mostar eintraf.

Rückkehr von Kim Han-sol in sein Wohnheim an der Universität Sciences Po.

Rückkehr von Kim Han-sol in sein Wohnheim an der Universität Sciences Po. (Archivbild vom August 2013)

Später studierte er an der renommierten Universität Sciences Po in Frankreich. Doch Kim Han-sol war kein gewöhnlicher Exil-Nordkoreaner. In Online-Beiträgen und einem Aufsehen erregenden Fernsehinterview im Jahr 2012 zeigte er ein völlig anderes Gesicht als seine Familie:

  1. Er äußerte öffentlich Schuldgefühle darüber, dass er genug zu essen hatte, während die Menschen in Nordkorea hungerten.
  2. Er kritisierte offen das brutale Regime und die Herrschaft seines Onkels.
  3. Nach der Hinrichtung seines Großonkels Jang Song-thaek im Dezember 2013 musste er in Frankreich bereits unter Polizeischutz gestellt werden.

Die große Evakuierung

Sofort nach dem Mord an seinem Vater im Jahr 2017 schaltete sich die regimekritische Untergrundorganisation Free Joseon (damals bekannt als Cheollima Civil Defense) ein. In einer hochgradig geheimen Operation gelang es Aktivisten um den Gründer Adrian Hong, Kim Han-sol gemeinsam mit seiner Mutter und seiner Schwester in Sicherheit zu bringen. Kurz darauf tauchte ein Video auf, in dem Han-sol seinen Rettern dankte. Es sollte das vorerst letzte Lebenszeichen von ihm sein.

Kim Jong-un spricht.

Kim Jong-un ist seit dem 29. Dezember 2011 der „Oberste Führer“ der Demokratischen Volksrepublik Korea (Nordkorea). (Archivbild)

Dass die Angst vor Pjöngjangs langem Arm berechtigt war, zeigte sich kurz darauf: Im Oktober 2017 deckte der chinesische Geheimdienst in Peking ein siebenköpfiges nordkoreanisches Killerkommando auf, das offenbar ein Attentat auf den jungen Mann plante. Zwei Agenten wurden festgenommen.

Wo steckt Kim Han-sol heute?

Seit fast einem Jahrzehnt rätseln Geheimdienste und Journalisten, wo sich der Diktatoren-Neffe aufhält. Die Spuren sind rar:

  1. Berichten zufolge wurde er unmittelbar nach seiner Flucht vom US-amerikanischen Geheimdienst CIA in Schutzgewahrsam genommen.
  2. Hochrangige südkoreanische Militärs vermuteten laut einem Bericht des „Daily Telegraph“, er könnte an einem geheimen Ort in Europa leben, wo er beschützt und versorgt wird.
  3. Jüngere Informationen aus dem Umfeld seiner Retter, die im Januar 2024 veröffentlicht wurden, deuten jedoch darauf hin, dass er laut „Nikkei Asia“ mit Unterstützung von Free Joseon in den USA lebt.

Aus dem einstigen Studenten mit den modischen Brillen und den offenen Worten über eine koreanische Wiedervereinigung ist wohl einer der am besten behüteten Phantom-Zeugen der Welt geworden. Ob er jemals wieder an die Öffentlichkeit treten kann, bleibt ungewiss. (jag)