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Oreschnik und „gelalltes“ HurraPutin erntet Häme – und scharfen Gegenwind in Russland

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Kremlchef Wladimir Putin muss sich Häme aus der Ukraine und Kritik aus Russland gefallen lassen. (Archivbild)

Kremlchef Wladimir Putin muss sich Häme aus der Ukraine und Kritik aus Russland gefallen lassen. (Archivbild)

Während ein Video von Wladimir Putin für Spott aus der Ukraine sorgt, wird die Kritik am Kremlchef in Russland immer lauter. 

Kremlchef Wladimir Putin muss sich Spott und Häme gefallen lassen – und das sowohl aus der Ukraine als auch in der russischen Heimat. Derzeit sorgt ein Video des russischen Machthabers vorwiegend in dem von Russland angegriffenen Nachbarland für Belustigung – und für spöttische Bemerkungen von Staatschef Wolodymyr Selenskyj.

„Putin kann nicht einmal mehr das Wort ‚Hurra‘ deutlich aussprechen – er lallt und murmelt – und doch zerstört er weiterhin Wohnhäuser mit seinen Raketen“, erklärte Selenskyj am Sonntag in einer Videoansprache nach heftigen russischen Angriffen. Der Staatschef spielt damit auf eine Szene aus der vergangenen Woche an, als Putin bei einer Rede ein dreifaches „Hurra“ anstimmen wollte, den Schlachtruf dabei jedoch ungewöhnlich unsauber aussprach.

Wladimir Putin erntet Häme für gelalltes „Hurra“

Schnell verbreitete sich die Szene in den sozialen Netzwerken – und sorgte dort für Häme und neue Spekulationen über den Gesundheitszustand des 73-jährigen russischen Machthabers. Gleichzeitig muss Putin sich jedoch auch Kritik an seiner Rede vor Absolventen des Bildungsprogramms „Zeit der Helden“ gefallen lassen – insbesondere hinsichtlich seiner Äußerungen über Russlands Krieg gegen die Ukraine. 

„Die Lage der ukrainischen Streitkräfte spitzt sich zusehends zu, von einer schwierigen und kritischen zu einer katastrophalen“, hatte Putin am Freitag behauptet. Als würde er selbst an seinen Worten zweifeln, fügte der Kremlchef schließlich hinzu: „Ich verstehe und kenne die tatsächliche Lage an der Front sehr gut; ich weiß es. Es gibt viele Probleme, sehr viele, und überall. Aber das widerlegt nicht, was ich gesagt habe, ganz und gar nicht.“

Kritik an Wladimir Putin in Russland: „Ich sehe keinen Sinn darin“

Die Reaktionen in Russland auf diese Worte des Kremlchefs fallen mitunter sarkastisch aus: „Wladimir Putin meint es absolut ernst. Das ist seine ehrliche Meinung, sein Verständnis der Lage, und er persönlich glaubt daran“, schrieb etwa der Publizist Dimitri Demuschkin bei Telegram und fügte hinzu: „Ich sehe keinen Sinn darin, im Detail zu erklären, was genau das bedeutet. Intelligente Menschen haben das nicht nötig. Die Antworten liegen auf der Hand.“

Putin sei von einer „gefilterten Blase umgeben, frei von unangenehmen Informationen“, befand auch der Politologe Igor Dmitriew. „Genau das passiert natürlich, wenn man Feedback und Kritik grundsätzlich ablehnt.“ Die Kreml-Elite verfolge vorwiegend eigene Interessen, führte der Politikwissenschaftler aus, und verglich die russische Führung mit jemandem, der jahrelang konsequent auf jegliche Nachrichten von außen verzichtet. „Sie hätten ein völlig anderes Bild der Realität.“ 

Kriegsblogger bezeichnen Russlands Fortschritte als „lächerlich“

Noch deutlicher wurde derweil der Propagandist Juri Barantschik – und bezeichnete die Fortschritte der russischen Armee an der Front als „lächerlich“. Die Hoffnung auf „Panzer-Durchbrüche“ könne man langsam begraben, hieß es weiter von Barantschik, der zudem eindringlich vor ukrainischen Drohnenangriffen warnte. „Die Reichweite hat bereits tausend Kilometer überschritten“, so der Propagandist. Die Ukraine wolle „das russische Hinterland zum Hauptschlachtfeld machen.“

Auch an dem vom Kreml wohl als Signal der Stärke gedachten erneuten Einsatz der von Moskau gerne als „Wunderwaffe“ verkauften Oreschnik-Rakete am Wochenende lassen viele russische Kriegsblogger kein gutes Haar. Auf einem Kanal des inhaftierten Ultranationalisten Igor Girkin hieß es: „Wieder nur leere Blindgänger, die außer einem ‚na ja, coolen Spezialeffekt‘ im Grunde nichts bringen.“

Oreschnik-Einsatz: „Teures Metall sinnlos in den Boden geschossen“

„Nicht einmal Explosionen gab es“, kritisierte auch der populäre Kriegsblogger Romanow. Russland habe „einfach nur extrem teures Metall sinnlos in den Boden geschossen – für ein hübsches Bild, an das ohnehin niemand mehr glaubt.“ Der Kanal Rybar befand ebenfalls, dass die Oreschnik-Angriffe keinen „Wow-Effekt“ mehr hervorrufen würden. „Es gibt keine starken Explosionen, und deshalb – so meint die Mehrheit – sei die Wirkung gleich null.“

Unterdessen scheint sich die Stimmung auch innerhalb der russischen Elite angesichts der wirtschaftlichen Probleme in Russland zu verschlechtern, wie der britische „Guardian“ nun berichtete. „Die Stimmung unter den Eliten hat sich in diesem Jahr definitiv gewandelt (…) es herrscht tiefe Enttäuschung über Putin“, zitierte das Blatt einen gut vernetzten Wirtschaftsführer.

Unruhe bei russischer Elite: Steht „eine Art Katastrophe“ bevor?

In Russland wachse das Gefühl, „dass eine Art Katastrophe bevorsteht“, hieß es weiter. „Niemand glaubt, dass morgen plötzlich alles zusammenbrechen wird“, so die Quelle. „Aber es wächst die Erkenntnis, dass immer wieder vollkommen sinnlose, selbstzerstörerische Entscheidungen getroffen werden. Menschen, die Putin einst verteidigten, tun dies nicht mehr. Jegliches Gefühl für eine Zukunft ist verschwunden.“

Der russische Präsident Wladimir Putin inspiziert eine Ehrengarde während seiner jüngsten China-Reise. (Archivbild)

Der russische Präsident Wladimir Putin inspiziert eine Ehrengarde während seiner jüngsten China-Reise. (Archivbild)

Der Kremlchef bleibt unterdessen strikt auf Kriegskurs, berichtete der „Guardian“ weiter. Zwei Quellen mit Zugang zu Putin sagten der Zeitung demnach, dass der russische Machthaber deutlich gemacht habe, dass er weiterhin plant, bis zum Ende des Jahres die gesamte ukrainische Donbass-Region einnehmen zu können. „Putin ist auf den Donbass fixiert und wird nicht vorher aufhören“, zitierte der „Guardian“ eine der Quellen. 

Wladimir Putin will den Donbass – laut Experten wird das Jahre dauern

In den Augen vieler Kritiker dürfte das wiederum als weiterer Beleg für einen Realitätsverlust im Kreml betrachtet werden. Westliche Experten gehen davon aus, dass es Jahre dauern könnte, bis Russland den gesamten Donbass erobert hat.

So kam eine Analyse der Denkfabrik Institute for the Study of War im vergangenen Jahr zu dem Ergebnis, dass Russland das von Putin vorgegebene Ziel nur durch „jahrelangen Kampf“, der mit erheblichen Verlusten an Personal und Material einhergehen würde, erreichen könne. 

„Sie belügen ihn“: Falsche Informationen für den Kremlchef?

Auch in der Ukraine geht man unterdessen davon aus, dass der Kremlchef statt mit der Wahrheit mit geschönten Lagebildern versorgt wird. „Erfundene Berichte werden die Befehlskette hinaufgeschleust, in denen behauptet wird, der Sieg stehe unmittelbar bevor“, sagte ein ukrainischer Geheimdienstmitarbeiter zu Putins Ambitionen kürzlich. 

Der „Guardian“ zitierte nun zudem eine anonyme Quelle, die mit den Diskussionen im Kreml vertraut sei, mit den Worten: „Natürlich zeichnen Beamte und das Militär dem Präsidenten ein rosiges Bild. Sie belügen ihn. So funktioniert das System, das Putin aufgebaut hat.“