Nach den Jugendprotesten in Köln und anderen deutschen Städten dringt der Ministerpräsident von Baden-Württemberg, Cem Özdemir, auf einen allgemeinen Pflichtdienst. Statt der abschreckenden Debatte über die Wehrpflicht „sollten wir über ein Jahr für die Gesellschaft reden – für Männer und Frauen gleichermaßen“, sagte der Grünen-Politiker dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. „Wir brauchen kein Jahr, das von jungen Menschen als Zwang empfunden wird, sondern eines, auf das sie stolz sind. Wo sie es leisten, sollen sie selbst entscheiden: im sozialen Bereich, im Natur- oder im Katastrophenschutz, aber auch bei der Bundeswehr.“

Köln. 31. Oktober: Junge Menschen folgen dem Protest-Aufruf von "Gen Z regelt"
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Özdemir sprach von einem „republikanischen Jahr“ und betonte: „Nicht erst die Gen-Z-Proteste zeigen: Junge Leute gewinnt man nicht mit Druck, sondern mit einem guten Angebot.“ Wer ein Jahr für andere da sei, nehme etwas für das ganze Leben mit. „Und die Gesellschaft sollte etwas zurückgeben.“ Konkret schlug der baden-württembergische Regierungschef einen kostenlosen Führerschein vor.
Özdemir warnte die Bundespolitik davor, über die Köpfe der jungen Leute hinweg zu reden. „Die Gerechtigkeitsfrage verläuft heute bei weitem nicht mehr nur zwischen Arm und Reich, sondern auch zwischen Jung und Alt“, sagte er. „Wer das übergeht, vertieft den Graben zwischen den Generationen.“
Zehntausende Menschen waren am vergangenen Wochenende in deutschen Städten dem Aufruf der Gruppierung „Gen Z regelt“ gefolgt und hatten für bessere Bildung, für Klimaschutz und gegen die Wiedereinführung der Wehrpflicht demonstriert. Überschattet wurden die Demos durch Ausschreitungen in mehreren Städten. In Köln wurden Polizisten angegriffen.

