Rainer Maria Woelki findet deutliche Worte für Russlands Krieg. Zugleich betonte der Kardinal, dass es ein Recht auf Verteidigung gebe.
„Ist eine Perversion“Woelki attackiert Putin bei Gottesdienst im Kölner Dom

Kardinal Rainer Maria Woelki, Erzbischof von Köln. (Archivbild)
Copyright: Roberto Pfeil/dpa
Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki hat jede religiöse Rechtfertigung von Kriegen scharf zurückgewiesen. Russland warf er am Donnerstag vor, die kriegerische Aggression gegen die Ukraine religiös zu überhöhen. „Niemals kann Gewalt mit einem vermeintlichen Willen Gottes gerechtfertigt werden“, sagte der Erzbischof beim traditionellen Internationalen Soldatengottesdienst im Kölner Dom.
„So etwas wie ‚Heiliger Krieg‘ – verstanden als Durchsetzung religiöser Vorstellungen durch Gewalt – ist eine Perversion.“ Krieg, Zerstörung, Vertreibung und Gewalt würden mit dieser Perversion leider immer noch viel zu oft moralisch begründet.
Kardinal Rainer Maria Woelki: „Zum Frieden gehört Gerechtigkeit“
Zugleich betonte der Kardinal, dass es ein Recht auf Verteidigung gebe. „Auch wenn Gewalt niemals im Sinne Gottes ist, lautet die eindeutige Antwort auf die Frage, ob Widerstand und militärische Verteidigung gegen ungerechte Aggression zulässig ist: Ja, das ist sie.“ Es gebe Umstände, in denen es geboten sein könne, das eigene Leben oder das anderer auch militärisch zu verteidigen und zu schützen.
Alles zum Thema Erzbistum Köln
- KStA-Talk mit Stefan Schneider Warum Sport gegen Demenz, Einsamkeit und Stress hilft
- „Gemeinsam, nit einsam“ Festkomitee mit Überraschung zum 111. Jubiläum der Caritas Köln
- Theateraufführung Manni wird in Thier zum Superhelden
- Friedhöfe in Leverkusen Johann Wirtz ist bei Rheindorfs Priestern untergekommen
- „frank&frei“ „Ethische Fragen sind auch durch einen Ukraine-Krieg nicht aus der Welt“
- Umgestaltung Die Offene Jugendarbeit Odenthal bringt mit der Renovierung Farbe ins Spiel
- „Ist eine Perversion“ Woelki attackiert Putin bei Gottesdienst im Kölner Dom
„Aber dazu, dass Soldaten wirklich Christen sind und Christen guten Gewissens Soldaten sein können, gehört mehr als ein gerechter Grund, sich zu wehren“, führte der Erzbischof aus. „Es genügt nicht, sein Handwerk zu beherrschen und in Konflikten aus gerechten Gründen für die richtige Sache zu kämpfen.“
Internationaler Soldatengottesdienst im Kölner Dom
Der Friede Christi sei mehr als bloße Abwesenheit von Krieg und Gewalt. Er sei bestimmt durch Gerechtigkeit, Mitgefühl und Liebe. „Es ist der Friede, der im Herzen beginnt und von dort aus die Welt dauerhaft und nachhaltig verwandeln kann.“
Zum Internationalen Soldatengottesdienst laden seit 1977 das Katholische Militärbischofsamt und die Katholische Militärseelsorge ein. Die Feier knüpft an den Weltfriedenstag an, den die katholische Kirche am 1. Januar begeht. In den vergangenen Jahren forderten Friedensgruppen immer wieder einen Verzicht auf den Gottesdienst.
Wladimir Putin sieht Krieg als „heilige Mission“
Kremlchef Wladimir Putin hat Russlands Krieg unterdessen in der Vergangenheit immer wieder auch religiös begründet. Zuletzt nutzte der russische Machthaber das orthodoxe Weihnachtsfest Anfang Januar für derartige Äußerungen. Die russischen Soldaten, die in der Ukraine kämpfen, befänden sich auf einer „heiligen Mission“, erklärte Putin bei einer Weihnachtsfeier zusammen mit Soldaten in Moskau.
In einem vom Kreml veröffentlichten Video wandte Putin sich zwei Minuten an die etwa zwei Dutzend Anwesenden und erinnerte daran, dass Jesus oft als Erlöser bezeichnet werde. Dieser sei auf die Erde gekommen, um alle Menschen zu retten. „Auch die Soldaten Russlands erfüllen immer – sozusagen im Auftrag des Herrn – diese Mission: die Verteidigung des Vaterlands, die Rettung der Heimat und ihrer Menschen“, so Putin.
Russisch-orthodoxe Kirche unterstützt Russlands Krieg
„Ich möchte sagen, dass ihr mit Recht stolz auf eure Väter und Mütter sein könnt, genau wie wir in unserem Land, in Russland, immer stolz auf unsere Soldaten waren“, hieß es außerdem vom Kremlchef, der bei seiner Darstellung des völkerrechtswidrigen Angriffs auf die Ukraine als „heilige Mission“ oftmals Unterstützung von Patriarch Kirill I., dem Vorsteher der russisch-orthodoxen Kirche, bekommt.
Wie Putin war Kirill in der Vergangenheit für den sowjetischen Geheimdienst KGB tätig. In seiner Funktion als Kirchenoberhaupt schlug der nunmehrige Geistliche anlässlich des orthodoxen Weihnachtsfestes zuletzt ebenfalls nationalistische Töne an – und attackierte den Westen.
Russland setzt Angriffe auf zivile Ziele in der Ukraine fort
„Wir akzeptieren nicht, was heute im Westen unter dem Motto ‚Menschenrechte‘ eingeführt wird, was aber in Wirklichkeit auf die Zerstörung der menschlichen Moral abzielt“, zitierte die Staatsagentur Tass den Patriarchen. Russland werde weiterhin seine „traditionellen Werte“ verteidigen, die von den westlichen Ländern angeblich „vehement abgelehnt“ werden, erklärte das Kirchenoberhaupt – und nutzte damit das Weihnachtsfest ebenfalls für politische Botschaften.
Die russischen Streitkräfte haben unterdessen in den letzten Wochen ihre Angriffe auf zivile Ziele in der Ukraine verschärft. Hunderttausende haben nach Angriffen auf Wärmekraftwerke und andere Energieinfrastrukturanlagen derzeit weder Heizung noch fließend Wasser – bei Temperaturen deutlich unter dem Gefrierpunkt. Vitali Klitschko, Bürgermeister der ukrainischen Hauptstadt Kyjiw, warnte in dieser Woche vor einer drohenden „humanitären Katastrophe“.
Auch am Mittwoch meldeten ukrainische Behörden neue Angriffe. Zwei Menschen seien bei Attacken auf die Stadt Krywyj Rih getötet worden, teilte die regionale Militärverwaltung am späten Abend mit. Bei den Opfern handele es sich um einen 77-jährigen Mann und eine 72-jährige Frau. (das/kna)

