Abo

Kommentar

FDP
Kubicki ist jetzt Parteichef – doch er verfolgt eine seltsame Strategie

Ein Kommentar von
2 min
Wolfgang Kubicki nimmt nach seiner Wahl zum FDP-Chef die Gratulation seiner Gegenkandidatin Marie-Agnes Strack-Zimmermann entgegen.

Wolfgang Kubicki nimmt nach seiner Wahl zum FDP-Chef die Gratulation seiner Gegenkandidatin Marie-Agnes Strack-Zimmermann entgegen.

Im Machtkampf um den FDP-Vorsitz hat sich Wolfgang Kubicki durchgesetzt. Er sollte aber besser auf seine Gegner zugehen.

Die FDP hat jetzt einen neuen Vorsitzenden. Was sie nicht hat, ist: Einigkeit. Es wäre zwar vermessen, die sofort zu erwarten. Zu verbissen haben sich die Flügel bislang bekämpft, auf der einen Seite die Wirtschaftsliberalen bis Libertären, die sich „Ottos Erben“ nennen, auf der anderen Seite die Sozialliberalen.

Eine weitere Trennlinie gibt es, die sich mit der inhaltlichen zum Teil, aber nicht ganz überschneidet: Es geht dabei um Stil und Umgang – darum, bis zu welchem Grad die Suche nach Aufmerksamkeit Polemik und Beleidigungen rechtfertigt.

Und ein Nein zu verbaler, inhaltlicher und prozessualer Annäherung an die in Teilen rechtsextreme AfD steht – Stichwort „Brandmauer“ – gegen ein Schulterzucken.

Die Abstimmung über den Parteivorsitz hat deutlich gemacht, dass die FDP sich hier nicht eindeutig zu einer Seite neigt. Wolfgang Kubicki hat zwar mit 60 Prozent gewonnen, aber seine überraschende Gegenkandidatin Marie-Agnes Strack-Zimmermann verlor mit beachtlichen 40 Prozent. Da steht keine große Mehrheit gegen eine schmale Minderheit. 40 Prozent lassen sich nicht ignorieren, außer um den Preis einer Spaltung.

Erfolg und Gemeinsamkeit

Am Parteichef ist es nun, die Lager wieder zusammenzuführen – und nicht Unterordnung zu erwarten. Seine Gegner hätten die Aufgabe, sich einer ausgestreckten Hand nicht zu verweigern.

Das Problem ist: Kubicki hat nach seiner Wahl die Hand nicht ausgestreckt. Im Gegenteil: Er verkündet, dies sei nicht nötig, weil er sich darauf konzentriere, die FDP wieder erfolgreich zu machen.

Das eine ohne das andere zu versuchen, ist allerdings eine seltsame Strategie, insbesondere für eine Partei, die um ihre Existenz kämpfen muss. Eine Spaltung kann sich die FDP in dieser Lage weniger leisten denn je.