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KommentarWir schulden Kindern und Jugendlichen unsere Anerkennung

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Ein Schüler sitzt in seinem Zimmer am Schreibtisch und erledigt Aufgaben im Rahmen des Homeschoolings.

Nach drei Monaten ist es Montag endlich so weit: Auch an den weiterführenden Schulen kehren Schülerinnen und Schüler zurück in ihre Klassen. Im täglichen oder wöchentlichen Wechselunterricht werden sie eine Woche in der Schule verbringen. Dann sind Osterferien.

Wohl nie haben sich Kinder so sehr auf die Schule gefreut. Wohl nie hatten viele Eltern so sehr das Gefühl, dass es auch nicht mehr länger gegangen wäre. Dass der Bogen überspannt ist, egal wie gut der Digitalunterricht der Schule war. Längst ist an die Stelle elterlicher Ermahnungen, dies und jenes zu tun, so etwas wie Mitleid getreten. Besorgnis dabei, die Kinder Tag für Tag in ihrem Zimmer einsam vor dem Computer zu sehen, wo sie seit Monaten tapfer Videokonferenzen durchstehen, Wochenpläne abarbeiten und abends noch ein Workout vor dem Tablet absolvieren.

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Teils beängstigend diszipliniert, teils strukturlos versackt vor Onlinespielen und Youtube-Videos. Einsame, entsozialisierte Pubertiere, die sich unrebellisch und erstaunlich gut gelaunt darein gefügt haben, dass ihnen nicht nur der Lebensraum Schule, sondern durch Corona auch ein Jahr ihrer Jugend genommen wurde.

Vernünftig wie selten eine Generation vor ihr haben sie verzichtet, die Freundesclique zu treffen, um Großeltern und Eltern zu schützen. Höchste Zeit für Anerkennung, für Wertschätzung: Euch zu sagen, dass es beeindruckend ist, wie ihr das gemeistert habt. Wie ihr es – teils auf engstem Raum mit Geschwistern – im Homeschooling mit den nörgelnden Eltern ausgehalten habt.

Interessen von Kindern und Jugendlichen haben zu lange hintenangestanden

Die Interessen von Kindern und Jugendlichen haben viel zu lange hintenangestanden. Sie haben keine Lobbyvertreter, die in Berlin mit am Tisch sitzen. Umso mehr müssen Studien wie die des Uniklinikums Hamburg aufhorchen lassen, wo 70 Prozent der Jugendlichen seelische Belastungen beklagten. Während für uns Erwachsene ein Jahr soziale Einschränkung relativ ist, bedeutet ein Jahr Corona für Jugendliche ein Viertel ihrer Pubertät. Ein Viertel dieser entwicklungspsychologisch wichtigen Zeit, die dazu da ist, mit Freunden zu chillen, Partys zu feiern, sich von den Eltern frei zu schwimmen, sich auszuprobieren. Sie waren auf dem Sprung und sind ausgebremst. Vieles ist unnachholbar.

Neben dem Respekt vor Euch steht die Wut: Darauf, dass es dieses überbürokratisierte Land nicht hinbekommt, den Start vom ersten Tag an verlässlich mit Tests abzusichern. Jetzt hat das Schulministerium mitgeteilt, man arbeite daran, den Schulen nun doch bereits „zeitnah“ vor den Ferien Selbsttests zu liefern. Zweifel sind angebracht. Wie oft wurden in der Pandemie Erwartungen geweckt, die nicht erfüllt wurden. Es ist das Mindeste, was die Politik hinbekommen muss: Den Sozialraum Schule offen zu halten und bestmöglich zu schützen. Nicht, damit Stoff nachgeholt werden kann, sondern aus Verantwortung für die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen.