Abo

Kriegsblogger attackieren Putin„Die Amerikaner haben Maduro, wir einen Waschbären aus Cherson“

5 min
Kremlchef Wladimir Putin bei einer Pressekonferenz. (Archivbild)

Kremlchef Wladimir Putin bei einer Pressekonferenz. (Archivbild)

Nach der Gefangennahme von Wladimir Putins Unterstützer Nicolás Maduro durch die USA wird in Moskau scharfe Kritik am Kreml laut.

Während bei der US-Regierung nach der Gefangennahme des venezolanischen Machthabers Nicolás Maduro beste Stimmung herrscht, äußern russische Propagandisten und Kriegsblogger scharfe Kritik an den eigenen Streitkräften und dem gescheiterten Versuch, 2022 die ukrainische Regierung zu entmachten. Zuvor hatte US-Präsident Donald Trump erklärt, dass Washington nun die Kontrolle über Venezuela habe – und das Land vorerst aus den USA heraus regiert werden solle.

Moskau wiederum hat den US-Angriff auf Venezuela und die Gefangennahme Maduros, der zu den engsten Verbündeten von Kremlchef Wladimir Putin zählt, als „inakzeptablen Eingriff in die Souveränität eines unabhängigen Staates“ kritisiert – ungeachtet des eigenen Vorgehens in der Ukraine. 

Kriegsblogger kritisieren Wladimir Putins Streitkräfte

Auf das richten indessen einige russische Propagandisten und Kriegsblogger ihren Fokus – und sparen dabei nicht mit Kritik und Häme für den Kreml und die russischen Streitkräfte. So betonte der kremlnahe Kriegsberichterstatter Alexander Kots zwar die Unterschiede zwischen Venezuela und der Ukraine, kam jedoch dennoch zu einem ernüchternden Fazit. 

„Den veröffentlichten Aufnahmen aus Venezuela zufolge stießen die US-Streitkräfte weder in der Luft noch am Boden auf Widerstand. Ich kann mir nicht vorstellen, dass russische Hubschrauber ungehindert über Kiew operieren konnten“, schrieb Kots in seinem Telegram-Kanal, dem mehr als 500.000 Nutzerinnen und Nutzer folgen.

„2022 sind wir über unsere eigene Harke gestolpert“

„Die Ukraine hatte sich acht Jahre lang auf einen Krieg mit Russland vorbereitet, während Venezuela jahrelang Militärparaden veranstaltete“, führte Kots aus – und setzte schließlich zur Kritik an. „Heute kämpfen wir gegen einen Feind, der an sich schon gewaltig ist und beispiellose Unterstützung genießt … 2022 sind wir über unsere eigene Harke gestolpert“, schrieb der Kriegsblogger und versuchte sich schließlich noch einmal als Mutmacher. „Die Welt ist immer noch voller Beispiele, aus denen wir lernen können“, fügte Kots seinem Beitrag hinzu. 

In einem weiteren populären Telegram-Kanal, ebenfalls mit Hunderttausenden Lesern, fiel das Urteil ebenso deutlich aus. Wenn mancher in Russland nun behaupte, die gesamte US-Operation in Caracas sei „Unsinn“ gewesen und „Russland könne es viel besser machen, wenn es den Befehl dazu bekäme“, sei das lediglich „plumper, prahlerischer Patriotismus“, hieß es im Kanal „Starshe Eddy“. 

Häme von Putins Propagandisten: „Wir haben einen Waschbären“

Die Exil-Zeitung „Moscow Times“ zitierte zudem den Kriegsblogger Alexander Kartavykh, der sich ebenfalls süffisant über die erfolgreiche US-Operation in Venezuela und die zahlreichen Rückschläge der russischen Armee in der Ukraine äußerte.

„Die Amerikaner haben Maduro geschnappt, wir haben nur einen Waschbären aus Cherson mitgenommen“, schrieb der Blogger und spielte damit darauf an, dass während des russischen Rückzugs aus der ukrainischen Stadt Cherson im Jahr 2022 zahlreiche Tiere des örtlichen Zoos verschwunden waren. 

Wut in Moskau: „Dann seid ihr verdammte Idioten“

„Wenn ihr die nächste ‚Militäroperation‘ startet, ohne die militärische und politische Führung zu entfernen und mit naiven Vorstellungen von brüderlichen Nationen im Kopf, dann seid ihr verdammte Idioten und eure Nachkommen werden euch verfluchen“, wurde Kartavykh schließlich noch deutlicher und bezog sich dabei auf eine der Begründungen des Kremls für den Einmarsch in die Ukraine im Jahr 2022.

Der russische Neofaschist Alexander Dugin hat erneut einen russischen Sieg in der Ukraine gefordert. (Archivbild)

Der russische Neofaschist Alexander Dugin hat erneut einen russischen Sieg in der Ukraine gefordert. (Archivbild)

Auch der russische Neofaschist Alexander Dugin, einst als „gefährlichster Philosoph der Welt“ betitelt, meldete sich zu Wort und bezeichnete die Ereignisse in Venezuela als „eine kritische und dringende Herausforderung für Russland“.

Die Gefangennahme Maduros zeige, dass das Völkerrecht nicht mehr existiere, erklärte Dugin. „Es gilt nur noch das Recht des Stärkeren.“ Russland müsse nun „in beschleunigtem Tempo“ Entscheidungen treffen und Maßnahmen ergreifen, forderte der Rechtsextreme – und plädierte für ein radikales Vorgehen Russlands. 

Alexander Dugin drängt auf russischen Sieg in der Ukraine

„Der Krieg in der Ukraine darf unter keinen Umständen beendet werden – nicht bevor der Sieg errungen ist“, forderte Dugin. „Sehen Sie sich Venezuela an. Wenn wir sie jetzt nicht vernichten, werden sie uns morgen – oder sogar heute – vernichten“, warnte der Faschist und fügte hinzu: „Notfalls müssen wir auch bereit sein, gegen die Vereinigten Staaten zu kämpfen. Wir werden sie vielleicht nicht besiegen können, aber wir werden uns verteidigen können.“

Igor Girkin (r.) während einer Gerichtsverhandlung in Moskau. (Archivbild)

Igor Girkin (r.) während einer Gerichtsverhandlung in Moskau. (Archivbild)

Ähnlich deutliche Worte wählte auch der Kriegsverbrecher Igor Girkin, der einst maßgeblich an der Eroberung der Krim beteiligt war, mittlerweile wegen seiner Kritik an der russischen Armee jedoch in Moskau in Ungnade gefallen ist und eine Haftstrafe verbüßt. Die Maduro-Operation sei „ein weiterer ärgerlicher Schlag ins Gesicht“, wurde Girkin von der „Moscow Times“ zitiert. „Wir haben einmal mehr einen Schlag für unser Image erlitten.“

Kritik am Kreml: „Ein weiteres Land wurde enttäuscht“

Die USA hingegen hätten gezeigt, „wie eine Großmacht angesichts neu auftretender Bedrohungen handeln sollte, bevor diese zu ernst und unüberwindbar werden“, führte der Kriegsverbrecher aus, der sich auch zur ausbleibenden Hilfe Moskaus für den Verbündeten in Venezuela äußerte. „Ein weiteres Land, das auf Russlands Unterstützung gehofft hatte, wurde enttäuscht“, erklärte Girkin und bezog sich damit wohl auf den gestürzten syrischen Kreml-Verbündeten Baschar al-Assad.

„Da wir bis über beide Ohren im blutigen Sumpf der Ukraine stecken, sind wir natürlich zu nichts anderem fähig, geschweige denn dazu, Venezuela am anderen Ende der Welt, direkt vor den Augen der Vereinigten Staaten, zu helfen“, fügte Girkin hinzu. 

Donald Trump nimmt weitere Länder ins Visier

Nach der Gefangennahme Maduros durch das US-Militär macht US-Präsident Trump unterdessen kein Hehl daraus, dass er weitere Länder im Visier hat. An Bord der Air Force One nannte der US-Präsident vor Journalisten am Sonntag Kolumbien, Kuba, Grönland, Mexiko und den Iran. Hatte er sich im Wahlkampf noch gegen die Einmischung im Ausland ausgesprochen, pocht Trump jetzt auf das angebliche Recht der USA, im eigenen „Hinterhof“ nach Belieben zu handeln.

Venezuela, Russland und China haben unterdessen am Dienstag erneut die Freilassung des festgenommenen venezolanischen Staatschefs und dessen Ehefrau gefordert. Nach dem US-Angriff auf das südamerikanische Land kritisierten die UN-Botschafter der Staaten in einer Sondersitzung des Sicherheitsrates das aggressive Vorgehen der USA, das sie als völkerrechtswidrig einstuften.