Nach seinem Sommerurlaub reist Merz wohl nach NRW. Gleichzeitig stürzt der Kanzler in Umfragen ab – und bekommt Kritik aus Köln.
„Das ist beschämend“Negativrekord und Urlaubswirbel – Gegenwind für Merz

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) bei einer Pressekonferenz. (Archivbild)
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Bundeskanzler Friedrich Merz startet mit schlechten Umfragewerten in den Herbst – und bekommt viel Kritik an der Dauer seines Urlaubs zu hören. Einer neuen Umfrage zufolge hat der CDU-Politiker erneut Rückhalt in der Bevölkerung verloren. Im neuen ZDF-„Politbarometer“ kommt der CDU-Vorsitzende bei der Frage „Was halten Sie von?“ auf einer Skala von +5 bis -5 auf einen Wert von minus 1,9 – laut ZDF ein persönlicher Negativrekord für Merz.
Ende Juli war der Kanzler bei der von der Forschungsgruppe Wahlen durchgeführten Befragung noch mit minus 1,5 bewertet worden. Die Liste führt weiter Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) mit einem Wert von 1,3 an. SPD-Chef und Vizekanzler Lars Klingbeil befindet sich mit unverändert minus 0,6 im Negativbereich. Schlusslicht der Top-Ten-Liste ist AfD-Chefin Alice Weidel mit minus 2,5.
Friedrich Merz: Schlechte Umfragewerte im „Politbarometer“
Laut Umfrage gibt es auch große Zweifel am Rückhalt von Merz in den eigenen Reihen. 80 Prozent der Befragten, darunter 67 Prozent der Unionsanhänger, meinen, dass die CDU nicht voll hinter ihrem Parteivorsitzenden steht. In der Sonntagsfrage liegt die AfD derweil mit 27 Prozent weiter deutlich vor der Union mit 22 Prozent. Beide verlieren jeweils einen Prozentpunkt im Vergleich zur Umfrage Ende Juli.
Merz bekommt unterdessen immer mehr Kritik an der Dauer seines Sommerurlaubs zu hören – trotz etwa des Drohnenvorfalls am Flughafen Leipzig oder dem größten Waldbrand in der Geschichte Nordrhein-Westfalens hat der Kanzler seine Auszeit im Sommer nicht unterbrochen.
Kritik an Kanzler Merz: „Finde ich schon ziemlichen Wahnsinn“
Insbesondere mit Blick auf die Hitze, Trockenheit und Waldbrände wird dem Kanzler nun Untätigkeit vorgeworfen. „Während einer so großen Hitze, Dürrekrise, wo es Hitzetote gibt, wo eben Ernteausfälle sind, dass sich der Kanzler da nicht meldet, zu Wort meldet und überhaupt mal signalisiert, ich bin bei euch, ich bin bei den Feuerwehrleuten, die die Brände löschen, das finde ich schon ziemlichen Wahnsinn, muss ich sagen“, erklärte etwa Linken-Chefin Ines Schwerdtner im Sommerinterview mit Sat.1.
Auch Grünen-Fraktionschefin Katharina Dröge teilte gegen den Kanzler aus. „Friedrich Merz scheint zu hoffen, wenn er im Urlaub ist und niemand ihn sieht, auch niemand auf die Idee kommt, dass er zuständig sein könnte, die Folgen der Klimakrise zu bekämpfen“, sagte die Kölner Politikerin im Gespräch mit RTL/ntv.
Merz tue so, als könne er der Krise ausweichen, fügte Dröge hinzu. „Brutale Hitze, tausende Tote. Der Kanzler schweigt. Brennende Wälder, der Kanzler informiert sich und tut ansonsten nichts.“
Merz unterbricht seinen Urlaub nicht: „Das ist beschämend“
Auch frühere Äußerungen des Kanzlers geraten nun in den Fokus. „Merz wirft den hart arbeitenden Menschen in unserem Land regelmäßig vor, sie seien zu faul. Aber wenn ganz Europa unter extremer Dürre leidet, ist das für ihn kein Grund, seinen Sommerurlaub zu unterbrechen“, schrieb etwa die Grünen-Politikerin Lisa Badum auf der Plattform X.
Sie fügte ihrem Beitrag ein Video von Merz an, in dem er davon spricht, dass „Leistung wieder im Vordergrund“ stehen werde – und nicht „Faulheit“. Merz verweigere einfach seinen Job, hieß es weiter von Badum. „Das ist beschämend.“
Bericht: Kanzler Merz reist Samstag nach Hürtgenwald
Merz hatte allerdings vor knapp einer Woche über die Plattform X den Einsatzkräften für ihren Kampf gegen die Brände gedankt. „In vielen Teilen des Landes wüten Waldbrände. Ich werde über die Entwicklung laufend unterrichtet“, schrieb er. „Ich danke allen Einsatzkräften für ihren unermüdlichen und oft bis zur Erschöpfung reichenden Einsatz.“ In Hürtgenwald vor Ort war der Kanzler jedoch nicht erschienen.
Laut „Politico“ will der Kanzler diesen Besuch nun nachholen. Nach Informationen des Nachrichtenportals werde Merz am Samstag (22. August) Helfer und Feuerwehrleute im Waldbrandgebiet in NRW besuchen.
Merz will demnach mit dem Besuch seinen Dank für den Einsatz im Kampf gegen den Brand zum Ausdruck bringen. NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst hatte den Hunderten Einsatzkräften vor einer Woche bei seinem Besuch im Krisengebiet gedankt. (mit dpa)
