Leverkusen/Köln – Am Mittwoch hat die Kölner Bezirksregierung zur Gift-Einleitung durch Currenta nach der Explosion in Bürrig Stellung genommen. Demzufolge wurde die Aufsichtsbehörde einen Tag nach der Katastrophe, also am Mittwoch, 28. Juli, darüber informiert, dass der Krisenstab bei Currenta zur Gefahrenabwehr entschieden habe, Teile der bei den Löscharbeiten aufgefangenen Wassermengen unter Zudosierung von Aktivkohle in die reguläre Abwasserbehandlung einzuleiten.
Die Begründungen von Currenta seien „im Nachhinein nachvollziehbar“, erklärt die Bezirksregierung. Um das Abwasser am Ablauf des Klärwerks neben dem Sondermüll-Ofen zu kontrollieren, sei mit dem Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (Lanuv) ein Messprogramm abgestimmt worden. Dabei sei tatsächlich das in Deutschland verbotene Insektengift Clothianidin neun Tage lang mit einer maximalen Konzentration von 120 Mikrogramm pro Liter im Ablauf der Kläranlage gefunden worden.
Orientierungswerte nicht erreicht
Für Clothiniadin gibt es, anders als bei anderen Stoffen, keinen Grenzwert für den Rhein. Es gebe lediglich einen Orientierungswert von 0,08 Mikrogramm pro Liter, ab dem man etwas unternehmen muss. Das Umweltamt habe daraufhin eine Mischungsrechnung angestellt. Ergebnis: „Dieser Wert wurde im Rhein nicht erreicht.“ Wegen der erheblichen Verdünnung im Rhein habe das Amt eine Clothianidin-Konzentration von 0,035 Mikrogramm pro Liter berechnet.

Norwich Rüße, Agrarexperte der Grünen
Copyright: Grüne Landtagsfraktion NRW
Damit seien die Schwellenwerte der Internationalen Kommission zum Schutz des Rheins unterschritten worden. Also sei auch kein Rheinalarm ausgelöst worden. Die Werte lägen für Pflanzenschutzmittel bei 0,3 Mikrogramm pro Liter und 15 Kilogramm pro Tag in der Einleitung. Die Ergebnisse der Untersuchungen seien zudem gemäß den Vorgaben des Umweltinformationsgesetzes veröffentlicht worden. Allerdings muss man recht lange suchen.
Das könnte Sie auch interessieren:
Die Grünen im Landtag NRW hatten am Vortag beantragt, das Thema „Ableitung von Insektengift in den Rhein nach der Chempark-Explosion“ auf die Tagesordnung des Umweltausschusses am 19. Januar zu setzen. Der Sprecher Norwich Rüße kritisierte scharf mangelnde Transparenz von Currenta und Aufsichtsbehörden gleichermaßen – es seien „drängende Fragen noch offen“. Insgesamt seien 60 bis 70 Kilogramm des Insektengiftes in den Rhein gelangt – dass diese Informationen nur aufgrund von Recherchen von Naturschützern und Journalisten öffentlich wurden, nennt Rüße „skandalös“.
Zur Ursache des Unglücks hieß es am Mittwoch in einem Zwischenbericht aus Köln, es habe nicht am Zustand der technischen Anlagen, sondern an den Eigenschaften des Abfalls und dem Umgang damit gelegen. Deshalb prüften die Experten Currentas Sicherheitsmanagement und die Regelungen zur Organisation der Abfallströme. „Erst wenn diese Prüfungen abgeschlossen sind und Maßnahmen zur sicheren Verhinderung vergleichbarer Unfälle entwickelt worden sind, kann an eine Wiederinbetriebnahme gedacht werden“, heißt es.



