Hilfsorganisationen berichten von schlimmen Zuständen im Abu-Salim-Gefangenenlager. Nun sind schockierende Aufnahmen aus Tripolis aufgetaucht.
MedienberichtVideo zeigt tote Frau in libyschem Gefangenenlager für Geflüchtete

Afrikanische Migranten rasten an der libyschen Grenze zu Tunesien (Symbolbild). Eine Menschengruppe, die aus Libyen nach Tunesien kam, soll Aufnahmen einer toten Frau in einer libyschen Haftanstalt an Journalisten geschickt haben.
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Aus Libyen sind Videoaufnahmen einer Frau aufgetaucht, die tot auf dem Boden eines Gefangenenlagers für Geflüchtete liegt. Die britische Zeitung „The Guardian“ will die Echtheit der Aufnahmen verifiziert haben.
In dem Video zeigt eine nigerianische Frau auf einen Raum, in dem Hunderte von Asylbewerberinnen auf Betten zusammengepfercht sind. Sie schreit auf, bezeichnet die Einrichtung als „Gefängnis“.
Der 30-Sekunden-Clip endet mit dem Bild einer unterernährten Frau, die tot auf dem Boden zu liegen scheint, unbekleidet, mit offenen Augen. „Diese Frau ist tot“, sagt die Nigerianerin. „Sie ist heute Morgen gestorben.“
Libyen: Video zeigt tote Geflüchtete in Gefangenenlager
Das Video soll aus dem Abu-Salim-Gefangenenlager in Tripolis stammen. Es wurde vermutlich vor zwei Wochen aufgenommen und von einer Menschengruppe aus Libyen dem „Guardian“ zur Verfügung gestellt. Auch Ärzte ohne Grenzen und eine anonyme Quelle der Vereinten Nationen haben die Echtheit des Videos bestätigt.
Es ist ein schockierender Einblick in die Bedingungen, unter denen Flüchtlinge in dem nordafrikanischen Land leben müssen.
Libysche Küstenwache geht rabiat gegen Geflüchtete vor
Die EU hat mit Libyen eine Vereinbarung zur Verhinderung von Migration abgeschlossen. Der Weg über Libyen nach Europa gilt für Geflüchtete als lebensgefährlich. Die libysche Küstenwache geht rabiat und restriktiv mit ihnen um. Abgefangene Geflüchtete landen in Gefangenenlagern wie in Tripolis.
In der Vergangenheit kritisierten NGOs bereits häufiger die Zustände im Abu-Salim-Gefangenenlager. Ein Tiefpunkt war im Juni 2021, als Wärter mit automatischen Waffen auf Häftlinge schossen. Ärzte ohne Grenzen vermeldete eine Reihe von Todesopfern.
Libyen: Gefangenenlager Abu Salim ist „die Hölle“
Der UN-Quelle zufolge stammt die Frau in dem Video aus Somalia und ist womöglich an Tuberkulose gestorben. Dutzende von Asylbewerbern, die in Abu Salim inhaftiert sind, sollen bereits erkrankt sein.
Mitarbeiter von Hilfsorganisationen berichten, dass sie in überfüllten Räumen mit Matratzen ausharren und keinen Zugang zu medizinischer Versorgung haben. Ein Mann aus Sierra Leone, der in Tripolis inhaftiert war, sagte, dass man nur mit einem Lösegeld von umgerechnet 930 Euro Abu Salim verlassen kann – ein Vermögen, das wenige besitzen. Eine Frau aus Sierra Leone bezeichnete den Ort als „die Hölle.“ (mcl)
