Abo

Verdacht der FolterMutmaßlich ehemaliges CIA-Anwesen vor Verkauf

2 min
Verkauf CIA-Gebäude in Litauen_2

In diesem Komplex soll die CIA mutmaßlich Terrorverdächtige gefangen gehalten haben. 

Vilnius – Ein großes Anwesen außerhalb der litauischen Hauptstadt Vilnius, in ruhiger Lage und direkt an den Wald angrenzend, mit zehn Zimmern und 968 Quadratmetern Wohnfläche – das Interesse von Immobiliensuchenden dürfte nach einer solchen Beschreibung schnell geweckt sein.

Wäre da nicht die riesige Scheune aus Stahl neben dem Gebäude und die immer noch nicht ganz geklärte Vergangenheit des imposanten Komplexes. Denn laut dem britischen „Guardian“ sollen dort einst CIA-Terrorverdächtige in Einzelhaft gehalten worden sein, wo sie ständigem Licht und lautem Lärm ausgesetzt waren.

Nutzung durch CIA nicht abschließend geklärt

Litauische Offizielle haben die Nutzung durch die CIA hingegen stets bestritten. Die Beschreibung einer Einrichtung mit dem Codenamen „Violet“, die einst in einer Untersuchung des US-Senats erwähnt wurde, lässt aufgrund der Ähnlichkeiten zu dem Komplex in Litauen jedoch Fragen offen.

Nun jedenfalls wird das Gebäude vom litauischen Staat nicht mehr benötigt. Die Staatliche Immobilienbank kündigte diesen Monat einen Verkauf an.

Düstere Vergangenheit

Die angebliche Nutzung als Inhaftierungslager – die im Rahmen des „extraordinary rendition“ (außerordentliches Überstellungsprogramm) 2005 und 2006 stattgefunden haben soll – liegt mittlerweile viele Jahre zurück. Damals wurden mutmaßlich militante Islamisten aus Konflikten in Afghanistan und dem Irak in Gefängnissen außerhalb der USA festgehalten.

Was genau an diesem vermeidlich so idyllischen Ort tatsächlich passierte, ist öffentlich nicht bekannt. Spekulationen gibt es angesichts der fensterlosen und schallisolierten Räume sowie einem eigenen Stromgenerator einige: Dort „konnte man tun, was man wollte“, sagte Arvydas Anusauskas, der 2010 eine parlamentarische Untersuchung des litauischen Parlaments über das Gelände leitete, gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. „Was genau dort vor sich ging, haben wir nicht ermittelt.“

Das könnte Sie auch interessieren:

Zu den Gefangenen sollen unter anderem Abu Zubaydah, dem eine Mitgliedschaft bei der Terrororganisation Al-Quaida vorgeworfen wurde, und Chalid Scheich Mohammed, bekennender Drahtzieher der Anschläge vom 11. September 2001, gehört haben.

2006 soll der Standort geschlossen worden sein, von 2007 bis 2018 wurde er vom litauischen Geheimdienst als Ausbildungsstätte genutzt. Weitere Verwendung gab es anschließend nicht. Über den Kaufpreis gibt es noch keine Angaben. (pst)