Russland überzieht die Ukraine mit massiven Angriffen – und erhebt „schwachsinnige“ Vorwürfe gegenüber Deutschland.
Waffen-Spruch sorgt für WirbelMoskau setzt auf Rekordangriff – und verspottet Deutschland

Russlands Außenminister Sergej Lawrow (r.) zusammen mit Kremlchef Wladimir Putin im Kreml.
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Der Kreml bleibt weiter auf Eskalationskurs – und findet nun erneut auch scharfe Worte gegenüber Deutschland. Nachdem Moskau nach dem Ende einer Feuerpause die Kampfhandlungen mit dem laut ukrainischen Angaben „massivsten Angriff“ auf die Hauptstadt Kyjiw seit Kriegsbeginn reagiert hat, legt die russische Regierung nun auch rhetorisch nach.
In der Ukraine wehten die Flaggen am Freitag unterdessen auf Halbmast. Unterhaltungsveranstaltungen seien in Kyjiw verboten, teilte Bürgermeister Vitali Klitschko mit. In den Trümmern eines eingestürzten Gebäudes suchten Einsatzkräfte nach Verschütteten. Zuvor hatten ukrainische Behörden bereits 24 Todesopfer durch die jüngsten russischen Angriffe gemeldet.
„Es muss eine Antwort auf all diese Attacken geben“
„Das sind ganz sicher nicht die Handlungen derjenigen, die glauben, der Krieg gehe zu Ende“, erklärte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj angesichts der heftigen Angriffe auf sein Land. Kremlchef Wladimir Putin hatte bei einer Pressekonferenz am Rande der Feierlichkeiten zum Jahrestag des Siegs über Nazi-Deutschland im Zweiten Weltkrieg gesagt, der Krieg mit der Ukraine neige sich „dem Ende“ zu. Es sei nun wichtig, dass die westlichen Verbündeten der Ukraine zu diesem Angriff „nicht schweigen“, forderte Selenskyj. „Es muss eine Antwort auf all diese Attacken geben.“
Entsprechende Reaktionen kamen prompt aus Deutschland und Frankreich. „Die schwersten russischen Angriffe auf die Ukraine seit Langem zeigen: Moskau setzt auf Eskalation statt Verhandlung.“ Die Ukraine und ihre Partner stünden „bereit für Verhandlungen über einen gerechten Frieden“, schrieb Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) am Donnerstagabend auf der Plattform X. „Russland aber führt weiter Krieg“, fügte er hinzu. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron erklärte, Moskau demonstriere mit der Bombardierung von Zivilisten seine Schwäche.
Ukraine meldet Rekordzahl von russischen Drohnen
Nach Angaben der ukrainischen Streitkräfte setzte Russland bei der jüngsten Angriffsserie eine Rekordzahl von Drohnen ein. Insgesamt hätten in 24 Stunden mindestens 1428 Drohnen mehrere Ziele in der Ukraine angegriffen, hieß es von der ukrainischen Luftwaffe. Mehr als 1360 der Fluggeräte seien abgeschossen worden oder vom Radar verschwunden, so die Angaben aus Kyjiw.
Gleichzeitig verschärft der Kreml seinen Ton auch gegenüber Deutschland erneut. Russlands Außenminister Sergej Lawrow zeigte sich nun amüsiert über die Debatte, die Kremlchef Putin mit dem Vorschlag von Altkanzler Gerhard Schröder als Vermittler bei Friedensgesprächen losgetreten hat.
Sergej Lawrow über Deutschland: „Sehr amüsante Debatte“
„Sehen Sie sich nur an, was für einen Aufruhr das ausgelöst hat“, feixte Lawrow bei einer Pressekonferenz im Rahmen seiner aktuellen Indien-Reise. „Nach dieser Aussage unseres Präsidenten ist eine sehr amüsante Diskussion entstanden“, zitierte die staatliche russische Nachrichtenagentur den Außenminister.

Russlands Außenminister Sergej Lawrow. (Archivbild)
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Lawrow bemühte zudem erneut das russische Narrativ, dass es in Europa eine „Bewegung zur Unterstützung des Nationalsozialismus“ gebe, bei der Deutschland die „Hauptrolle“ spiele. Als neuer „Führer“ sei indes der ukrainische Staatschef Selenskyj von Europa „ernannt“ worden, fabulierte Lawrow weiter.
Sergej Lawrow bemüht erneut das Nazi-Narrativ
„Unter seiner Schirmherrschaft entsteht eine neue Vereinigung der Europäer, wobei Deutschland die treibende und führende Rolle übernimmt“, behauptete der Außenminister, ohne Belege jeglicher Art für seine Verschwörungstheorien vorzulegen, und fügte hinzu: „All dies ist sehr beunruhigend und erinnert an die Geschichte.“
Auch Lawrows Scherze fallen in diesen Tagen derweil martialisch aus. Bei der Pressekonferenz in Indien sorgte Moskaus dienstältester Minister nun mit einem Spruch in Richtung eines Reporters für Aufsehen, nachdem dessen Telefon geklingelt und Lawrow so unterbrochen hatte. „Können Sie bitte einfach hinausgehen?“, wandte sich Lawrow zunächst an den Korrespondenten und fügte dann hinzu: „Entschuldigen Sie, wenn Sie Ihr Handy nicht weglegen, werden wir die Waffen herausholen.“
„Ob Lawrow diesen Schwachsinn glaubt oder nicht, ist egal“
Dass der Kreml weiterhin auf Kriegskurs bleibt, kommt derweil nicht überraschend. Bereits vor den massiven Angriffen auf die Ukraine am Donnerstag hatte Regierungssprecher Dmitri Peskow die Maximalforderungen Moskaus untermauert. Gleichzeitig berichtete die „Financial Times“ mit Bezug auf die Aussagen von Insidern über noch weitreichendere Eroberungspläne Putins.
Lawrows jüngste Worte über Deutschland bestärken laut Experten diese Einschätzung. „Ob Lawrow diesen Schwachsinn tatsächlich glaubt oder nicht, ist egal – Russland hat sich in einer ideologischen Festung eingemauert, die mit Fakten und Rationalität kaum noch zu durchdringen ist“, kommentierte etwa der Historiker und Russland-Experte Matthäus Wehowski die Aussagen des Außenministers auf der Plattform X und verwies auf ein bekanntes Muster.
Russland-Experte: „Ideologische Mauer“ in Moskau
„Der Linie des Kremls nach ist jeder ‚Faschist/Neonazi‘, der die Deutungshoheit der russischen Regierung über die Vergangenheit infrage stellt“, erklärte Wehowski. „Die Zusammenarbeit mit Rechtsextremen aus ganz Europa stellt dabei keinen Widerspruch dar, solange diese Russland unterstützen“, führte der Russland-Experte mit Blick auf Moskaus Sympathien für Parteien wie die AfD in Deutschland oder das Rassemblement National in Frankreich aus.
„Gegen diese ideologische Mauer mit Verhandlungen oder Kompromissen durchzudringen, ist leider so gut wie unmöglich“, fügte Wehowski hinzu, der bereits im Sommer 2024 in einem Interview mit dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ erklärt hatte, dass es kein Zufall sei, dass Parteien wie BSW und AfD, die sich gegen Sanktionen gegen Russland aussprechen, von Moskau unterstützt werden. „Wenn Putin sagt, Russland habe ja noch Freunde in Deutschland, dann meint er genau diese politischen Bewegungen, die Demokratie, liberale Ordnung, Westbindung und Co. abschaffen wollen“, erklärte der Russland-Experte damals.
