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8.800 Stellen unbesetztNRW startet mit deutlich zu wenig Lehrern ins neue Jahr

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Schüler während einer Unterrichtsstunde

Schule

8800 Stellen sind landesweit unbesetzt, besonders Grundschulen trifft der Lehrermangel - auch Schulleitungen fehlen, viele Aufgaben bleiben am Kollegium hängen.

Nordrhein-Westfalen startet erneut mit einem massiven Lehrermangel ins neue Jahr. Landesweit sind circa 8800 Stellen unbesetzt, es fehlen Lehrerinnen und Lehrer, auch Schulsozialarbeiter und sozialpädagogische Fachkräfte. Besonders kritisch ist die Situation in der Führungsebene: Acht Prozent aller Schulen in NRW verfügen über keine besetzte Schulleitung. Letzteres ging aus einer Antwort des Schulministeriums im Dezember auf eine Kleine Anfrage der SPD-Landtagsfraktion hervor. Sie zeigt: Der Personalmangel wird auch 2026 Schulen an ihre Grenzen bringen.

Leitungspositionen sind besonders oft an Grundschulen vakant. Dem Ministerium zufolge ist jede zehnte Grundschulleitung unbesetzt. In absoluten Zahlen: Das betrifft 262 von 2476 Grundschulen in Nordrhein-Westfalen (Stand: 31. Oktober 2025). Noch schlechter ist die Quote bei den Stellvertretern: Hier sind nur knapp 79 Prozent der Stellen besetzt, 580 dieser Stellen an Grundschulen sind es nicht. Auch bei den Hauptschulen ist die Situation kritisch: Von 135 Schulleitungsstellen sind hier 19 unbesetzt.

Der Lehrkräftemangel, der sich auch in der Besetzung von Schulleitungen zeigt, sei nicht „von heute auf morgen entstanden und ist genauso wenig von heute auf morgen zu beheben“, heißt es aus dem Ministerium. NRW-Schulministerin Dorothee Feller (CDU) habe „wiederholt betont, dass es dazu einen langen Atem braucht.“ Im Fall von unbesetzten Schulleitungsstellen werden die jeweiligen Aufgaben „durch ein Mitglied des Kollegiums übernommen“. 

3500 unbesetzte Stellen im Regionalverband Ruhr

Stand Dezember 2024 waren in Nordrhein-Westfalen 164.650 Stellen an Schulen besetzt. Von den 8800 unbesetzten Stellen entfallen mehr als 3500 auf Schulen im Regionalverband Ruhr. „Ohne die Unterstützung abgeordneter Lehrkräfte im Umfang von fast 500 Vollzeitstellen beliefe sich die Lücke im Ruhrgebiet auf nahezu 4000 unbesetzte Vollzeitstellen“, schreibt das Ministerium.

Das Ministerium appelliert an eine differenzierte Betrachtung: Innerhalb von drei Jahren seien 7600 zusätzliche Stellen besetzt worden, dazu kämen rund 2100 neu geschaffene Stellen für Alltagshelfer. Durch den Ausbau des Ganztags und steigende Schülerzahlen sei auch der Bedarf an Personal gestiegen. 

Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) in NRW sieht in dem Lehrkräftemangel ein Dauerproblem. Eine repräsentative Forsa-Umfrage im Auftrag des VBE zeigte im Dezember: 58 Prozent der Schulleiter bezeichnen den Lehrkräftemangel als ihr größtes Problem. Gleichzeitig zeigten sich vier von fünf Schulleitern mit der nordrhein-westfälischen Schulpolitik unzufrieden, und nur eine von hundert Schulleitungen hält die derzeitige Leistungszeit für ausreichend. „Wenn Personal fehlt, fehlt Zeit“, sagte Stefan Behlau, Vorsitzender des VBE NRW. „Und Zeit ist genau das, was Kinder und Jugendliche am meisten benötigen: Sie brauchen Menschen, die sie sehen und unterstützen.“

Kritik am Lehrer- und Schulleitermangel kommt auch aus der Opposition. „Stellen Sie sich ein Unternehmen ohne Führungskraft vor. Da würde doch jeder sagen: So funktioniert das Unternehmen nicht richtig“, sagt Dilek Engin, schulpolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion. Die Wertschätzung für die Arbeit der Schulleiter lasse zu wünschen übrig, kritisiert die Abgeordnete aus Wuppertal. „Dabei arbeiten mehr als 90 Prozent der Schulleitungen am Wochenende und in der Nacht.“ Die Zahl der 8800 vakanten Stellen an Schulen bezeichnet sie als „auf die Kante genäht“ und „das absolute Minimum“. „Wir müssen die Lehrkräfteausbildung reformieren, damit wir mehr Lehrer ins System bekommen. Und wir müssen die Lehrkräfte halten, die wir noch haben.“