Mit der Ankündigung von massiven Investitionen in den Breitensport will Schwarz-Grün den Bürgern die Olympia-Bewerbung von NRW versüßen. Der größte Teil Sportmilliarde fließt aber nicht als zusätzliches Geld.
Ärger um Olympia-Investitionen in NRWIst die Sportmilliarde für den Breitensport eine Nebelkerze?

So sehen die Abstimmungsunterlagen zum Bürgerentscheid für die Olympia- Bewerbung von NRW in Köln aus.
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NRW bewirbt sich um die Olympischen Spiele, die Bürger in den von der Austragung betroffenen Kommunen sollen jetzt darüber abstimmen, ob sie das Großevent unterstützen wollen oder nicht. Die schwarz-grüne Landesregierung will die Akzeptanz für Olympia mit dem Versprechen unterstützen, auch der Breitensport werde erheblich profitieren. NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) kündigte eine Sportmilliarde für die Modernisierung, Sanierung und den Neubau von Sportstätten und Schwimmbädern an. Dabei handele es sich um das „größte Investitionsprogramm“ in der Landesgeschichte. Der Versand der Abstimmungsunterlagen für das Olympiavotum hat in diesen Tagen begonnen. Mit Blick auf die Investitionszusagen könnte sich die Stimmung im Breitensport nun allerdings eintrüben. Denn bei der Sportmilliarde handelt es sich ganz überwiegend nicht um Mittel, die zusätzlich in die Hand genommen werden. Der Hauptgeschäftsführer des Städtetages NRW, Christian Schuchardt, spricht von einer „Nebelkerze“: „Bei näherer Betrachtung stellt sich das Landespaket als bloße Zusammenrechnung bereits feststehender Mittel dar."

Tülay Durdu spricht beim Kreisparteitag der SPD Rhein-Berg.
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In der Antwort der Landesregierung auf eine Kleine Anfrage der SPD rechnet der Chef der Staatskanzlei, Nathanael Liminski, vor, wie sich die Mittel zusammensetzen. Danach kommen 600 Millionen Euro aus dem Bundessondervermögen für die Infrastruktur. 375 Millionen Euro stammen aus der Sportpauschale des Gemeindefinanzierungsgesetzes. Die entsprechenden Gelder stünden den Kommunen „ohnehin zu“ oder seien schon längst angekündigt" gewesen, sagt Christof Sommer, Hauptgeschäftsführer des Städte- und Gemeindebundes NRW.

Andrea Milz, (CDU), NRW-Staatssekretärin für Sport und Ehrenamt.
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Die SPD erklärte, nun haben man es „schwarz auf weiß“, das von der angekündigten Sportmilliarde nur „20 Sportmillionen“ übrigblieben, die die Landesregierung zusätzlich investieren wolle. „Bestehende Programme werden zusammengezählt, neu etikettiert und als große neue Milliardeninvestition verkauft“, sagte Christian Dahm, Vize-Chef der SPD-Landtagfraktion. Damit „spiele Wüst auch mit dem olympischen Feuer, denn der „Etikettenschwindel“ werfe kein gutes Licht auf Nordrhein-Westfalen. Tülay Durdu, sportpolitische Sprecherin der SPD, verlangte, die Landesregierung müsse „echte Investitionen“ auf den Weg bringen. „Wer den Sport in Nordrhein-Westfalen wirklich stärken will, muss den Kommunen und Vereinen zusätzliche Mittel zur Verfügung stellen.“
Sport-Staatssekretärin Andreas Milz sagte dem „Kölner Stadt-Anzeiger“, die Kritik an der Sport-Milliarde „verkenne die Realität“: „Noch nie in der Landesgeschichte wurden in Nordrhein-Westfalen so viele Mittel für den Breitensport bereitgestellt wie heute“, erklärte die CDU-Politikerin. „Die Entscheidung, mit zusätzlichen Landesmitteln in den Sport zu investieren und darüber hinaus einen erheblichen Teil des Sondervermögens hierfür aufzuwenden, ist bundesweit einmalig“, fügte Milz hinzu. Sie hebe den Stellenwert der Sportförderung langfristig und trage dazu bei, den Investitionsstau bei Sportstätten aufzulösen.
Experten schätzen, dass der Investitionsrückstand im Bereich Sport bundesweit bei rund 15,6 Milliarden Euro liegt.
